Film: „Die Lügen der Sieger“ mit Florian David Fitz

Durch Zufall und dank seiner Praktikantin deckt ein Journalist einen Giftmüllskandal auf. Je tiefer er bohrt, umso mehr scheinen die Machenschaften mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan zu tun zu haben. Natürlich gibt es Leute, die diese Story in keiner Zeitung abgedruckt sehen wollen. Und so verwundert es nicht, dass Journalist und Zeitung plötzlich mit Schikanen zu kämpfen haben und die ein oder andere Manipulation sichtbar wird. Was sie nicht ahnen: Die Manipulation geht weiter, als sie es für möglich halten. Und so wird die Story zwar skandalös, aber eben nicht wahr.

"Die Lügen der Sieger" in den Passage Kinos Leipzig

„Die Lügen der Sieger“ in den Passage Kinos Leipzig

Zum Inhalt:
Fabian Groys (Florian David Fitz) ist Journalist in der Hauptstadt, ein Macho durch und durch und spielsüchtig. Abgesehen davon arbeitet er gern allein und ist alles andere als begeistert, als ihm sein Chef eine Praktikantin an die Seite stellt. Kurzerhand brummt er Nadja (Lilith Stangenberg) eine abstruse Story aus Deutschlands größter Boulevardzeitung zum Nachrecherchieren auf: Den aufsehenerregenden Selbstmord via Sprung ins Löwengehege eines Zoos.

Die Hintergründe dieses Suizids bringen jedoch einen Giftmüllskandal zutage. Plötzlich ist Fabian mehr als interessiert und würde am liebsten wieder allein an der Story arbeiten, aber Nadja lässt sich diesmal nicht die Butter vom Brot nehmen. Notgedrungen muss Fabian mit ihr zusammenarbeiten, kehrt dafür aber mehr als nötig den Macho nach außen. Gemeinsam forschen sie bei Ärzten, Angehörigen und Veteranen nach, denn der Tote war ein Ex-Bundeswehrsoldat und kam scheinbar direkt nach seinem Afghanistan-Einsatz in einer Giftmülldeponie unter.

Ihre Nachforschung stören jedoch die Pläne einiger Politiker. Diese setzen einiges in Bewegung, um dem Journalisten und seiner Praktikantin Steine in den Weg zu legen. Da werden Telefone abgehört, Facebookaccounts geknackt und Computer gehackt. Fabian fühlt sich dadurch auf seinem Weg nur bestätigt: Sie müssen auf der richtigen Spur sein. Als dann auch noch ein zweiter Afghanistan-Veteran auftaucht, der scheinbar ebenfalls psychischen Schaden genommen hatte, ist sich auch sein Arbeitgeber sicher und bringt die Story auf die Titelseite des Hauptstadtmagazins.

Was niemand ahnt: Die Manipulation geht weiter als gedacht und am Ende schreiben Fabian und Nadja genau die Story, die die Politik haben will. Denn der dicke Hund liegt anderswo begraben und wird dank fetter Korruption gerade vom Bundestag durchgewunken.

Meine Meinung:
„Die Lügen der Sieger“ könnte spannend und gruselig sein. Schließlich zeigt der Film wie einfach und weitreichend man normale Menschen in unserem Land überwachen kann. Und wie unglaublich umfangreich man Daten und Meinungen verfälschen kann. Und wie ahnungslos man den falschen Leuten auf den Leim gehen kann, nur weil man sich irgendwann und irgendwo seiner Sache so furchtbar sicher ist, dass man nur noch sieht, was man sehen will.

Aber wie schon gesagt: „Die Lügen der Sieger“ könnte spannend und gruselig sein. Ist es aber nicht. Christoph Hochhäusler stückelt die Szenen so derbe aneinander, dass sie ihre Wirkung verlieren. Er ist mehr auf stimmungsvolle Bilder bedacht, als darauf, den Inhalt rüberzubringen. Wenn der Inhalt aber nicht zum Zuschauer durchkommt, nützt graukalte Stimmung und klirrende Musik gar nichts.

Dazu kommt, dass die Schauspieler eben nicht alles geben. Lilith Stangenberg spielt die Nadja als absolut blindes Huhn und scheint beim Sprechen einzuschlafen. Damit schläfert sie auch das Publikum ein. Florian David Fitz sieht einmal mehr in jeder Situation aus wie frisch aus dem Ei gepellt. Wenn er nicht gerade klingt, als wäre er stoned spaziert er locker flockig durch die Handlung. Es gibt wirklich keinen Schauspieler, der mir in diesem Film positiv aufgefallen wäre.

Musik und Szenenbild machen es nicht besser. Streckenweise versucht sich „Die Lügen der Presse“ darin, künstlerisch-experimentell zu wirken. Leider irritiert das, da es nicht konsequent durchgezogen wird. Auch die musikalische Untermalung ist seltsam. Mal drängt sie sich melodramatisch in den Vordergrund, mal sphärisch, mal unheilvoll, mal Stille. Misslungen eben.

Mein Fazit:
Das Thema von „Die Lügen der Sieger“ ist brisant und topaktuell. Es geht um Überwachung, Korruption und die Machtlosigkeit normaler Bürger. Und um die Lügenpresse, die vielleicht gar keine sein will. Blöd nur, wenn die Handlung des Films so langatmig ist, dass man den Kinobesuch regelrecht bereut. Denn in fast zwei Stunden Film passiert richtig viel, worüber erschrecken müsste aber es kommt nichts davon rüber. Schon gar nicht, wenn die Schauspieler sich scheinbar selbst gelangweilt haben. Dieser Film ist das Kinoticket nicht wert.

Kategorie Dies+Das, Kino, Kino+Theater, Leben
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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