Film: „Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume

Im Zweiten Weltkrieg wurden Millionen von Menschen ermordet. Hinterher saßen die Täter jedoch wieder in gehobenen Positionen oder führten im Ausland ein ruhiges Leben. Immerhin gab es einige, die die Verantwortlichen vor ein ordentliches Gericht stellen wollten. Doch die hatten selbst in den eigenen Reihen wenige Verbündete. „Der Staat gegen Fritz Bauer“ zeigt eindrucksvoll, wie wenig die junge BRD an der Aufarbeitung der Nazi-Zeit  interessiert war.

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Zum Inhalt:
Deutschland 1957. Der Zweite Weltkrieg ist seit 12 Jahren vorbei. Die Bundesrepublik erlebt unter Adenauer ihr Wirtschaftswunder und genießt den Frieden. An die Gräueltaten, die deutsche Männer an Millionen Juden verübt haben, will niemand mehr denken. Wo die größten Befehlshaber doch eh wieder in gehobenen Positionen sitzen oder im Ausland untergetaucht sind.

Aber einer will eben diese Leute doch vor Gericht und für ihre Taten bestraft sehen: Fritz Bauer (Burghart Klaußner). Der Generalstaatsanwalt forscht mit einem kleinen Team nach den großen Naziverbrechern. Aber es geht schon seit 12 Jahren nicht vorwärts: Akten verschwinden aus seinem Büro, Spuren verlaufen im Sand und er bekommt täglich Morddrohungen. Dabei ist er als homosexueller Jude, der selbst im KZ war, nicht nur „persönlich involviert“, sondern auch angreifbar.

Als er auf die Spur von Adolf Eichmann kommt, wittert er seine große Chance, mehr als einen Kriegsverbrecher in Frankfurt vor Gericht zu stellen. Von deutschen Behörden werden ihm jedoch immer wieder Steine in den Weg gelegt. Also wendet er sich an den israelischen Geheimdienst und begeht damit nach deutschem Recht Landesverrat. Deshalb muss dieser Vorstoß im geheimen passieren.

Doch der Mossad verlangt nach einer zweiten unabhängigen Quelle, bevor er aktiv wird. Für diese Nachforschungen zieht sich Bauer den jungen Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) heran. Über einen Journalisten erhalten sie den nötigen zweiten Beweis, dass Adolf Eichmann sich in Südamerika aufhält. Dem Mossad reicht das, um zuzuschlagen.

Zur großen Enttäuschung von Fritz Bauer wird Deutschland jedoch nicht die Auslieferung von Eichmann verlangen. In der noch jungen Republik sind weder deutsche Politiker, noch die ehemaligen Besatzungsmächte daran interessiert, dass es durch einen Prozess die Regierung der BRD destabilisiert wird. Nichts anderes hätte ein Prozess in Frankfurt zur Folge gehabt, sitzen doch ehemalige SS-Funktionäre wieder in wichtigen staatlichen und wirtschaftlichen Positionen.

Meine Meinung:
In „Der Staat gegen Fritz Bauer“ taucht man in ein in die 60er Jahre der noch jungen BRD. Alle Männer rauchen, die älteren tragen Hut und in gewissen Kreisen rennt man irgendwie immer in Straßenschuhen und Jackett rum. Also auch zuhause. Dazu bewegen sich die Menschen in entsprechender Kulisse mit passendem Mobiliar und mit feinem Jazz unterlegt. Alles ist so herrlich neu-alt und farblich abgestimmt, dass man die Zeitreise problemlos in den Kopf kriegt.

Die Handlung allerdings weist erschreckende Parallelen zum aktuellen Zeitgeschehen auf. Besonders deutlich wird dies, wenn da eine junge Frau den Generalstaatsanwalt Bauer fragt: „Worauf können wir Deutsche eigentlich noch stolz sein?“ Und als Begründung hinterher schiebt, dass Bauers Generation den jungen Leuten ja quasi nichts hinterlassen hätte, worauf man sich als Deutsche mit Stolz beziehen könnte. Die Antwort ist ebenso treffend wie aktuell: Nicht auf Wälder und Seen, nicht auf Goethe und Schiller, sondern nur auf die eigenen kleinen Taten.

Ansonsten kann es einen als Zuschauer nur gruseln vor dieser jungen Bundesrepublik. In den Chefetagen sitzen ehemalige SS-Offiziere, die von anderen ehemaligen SS-Offizieren in den Ministerien der demokratischen Deutschlands geschützt werden. Beide zusammen kümmern sich hingebungsvoll um ihre Kameraden im südamerikanischen Exil, beschaffen ihnen gut bezahlte Jobs, legen den Fahndern falsche Fährten und sorgen dafür, dass auch sonst niemand übermäßig an gerechten Strafen für deren Gräueltaten interessiert ist. Dabei schrecken sie natürlich auch nicht vor Methoden zurück, die nichts mehr mit einem Rechtsstaat zu tun haben.

Die schauspielerische Leistung von Burghart Klaußner ist dabei beeindruckend. Sein Fritz Bauer kommt authentisch beim Zuschauer an: Vom hessischen Genuschel über ehrliche Entrüstung bis hin zum ekelhaften Raucherhusten. Da können auch bekannte deutsche Schauspieler wie Sebastian Blomberg  als Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler und Jörg Schüttauf als BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt nicht mithalten.

Auch Ronald Zehrfeld wirkt als Karl Angermann irgendwie unecht. Das liegt nicht einmal an dem, was Zehrfeld da an Mimik und Gestik bietet. Nur hat man seine Szenen so zusammengeschustert, dass die Figur Angermann blass bleibt. Ja okay, er wird von seiner Frau samt Familie untergebuttert, hat das Herz am rechten Fleck und ein dunkles, nein, in Dunkeldeutschland damals noch strafbares Geheimnis. Aber wenn man mit dem Menschen nicht warm geworden ist, fühlt man nicht mit ihm. Schade drum, denn den gut gespielten Angermann hätte man besser in Szene setzen können. Allein schon, um Angermanns Opfer am Ende des Films mehr Gewicht zu verleihen.

Mein Fazit:
Der Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ ist nicht nur im Hinblick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mehr als sehenswert. Wenn wiedermal jemand behaupten sollte, wir hätten die Nazi-Zeit gründlich aufgearbeitet, lasst ihn diesen Film schauen. Auch, wenn jemand meint, Rechtsradikalismus wäre ein rein ostdeutsches Problem. Aber ganz abgesehen davon ist der Film auch wegen der schauspielerischen Leistungen sehenswert. Und wegen der sorgfältig kreierten Kulisse. Dass man aus einigen Schauspielern und deren Rollen hätte mehr herausholen können, tut dem keinen Abbruch. Qualität und Thema schreien zudem nach einer Fortsetzung. Der Stoff dafür ist ja vorhanden.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Millionen von Menschen ermordet. Hinterher saßen die Täter jedoch wieder in gehobenen Positionen oder führten im Ausland ein ruhiges Leben. Immerhin gab es einige, die die Verantwortlichen vor ein ordentliches Gericht stellen wollten. Doch die hatten selbst in den eigenen Reihen wenige Verbündete. "Der Staat gegen Fritz Bauer" zeigt eindrucksvoll, wie wenig die junge BRD an der Aufarbeitung der Nazi-Zeit  interessiert war. Zum Inhalt: Deutschland 1957. Der Zweite Weltkrieg ist seit 12 Jahren vorbei. Die Bundesrepublik erlebt unter Adenauer ihr Wirtschaftswunder und genießt den Frieden. An die Gräueltaten, die deutsche Männer an Millionen Juden verübt haben,…
Eine wahre Geschichte darüber, wie man die Nazi-Zeit in der jungen BRD aufgearbeitet hat. Oder besser eben nicht. Und genau deshalb ist der Film sehenswert. Auch aufgrund der schauspielerischen Leistungen. Eine Fortsetzung würde ich mir auf jeden Fall ansehen.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung/Regie
Sprache
Schauspielerische Leistung

Absolut sehens- wert

Eine wahre Geschichte darüber, wie man die Nazi-Zeit in der jungen BRD aufgearbeitet hat. Oder besser eben nicht. Und genau deshalb ist der Film sehenswert. Auch aufgrund der schauspielerischen Leistungen. Eine Fortsetzung würde ich mir auf jeden Fall ansehen.

1 Kommentare

  1. Pingback: Doku: "Mörder unter uns - Fritz Bauers Kampf" - Tulpentopf

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