Dies+DasKinoKino+TheaterLeben

Film: „Das Tagebuch der Anne Frank“ mit Lea van Acken

Der Name Anne Frank ist weltbekannt und für immer mit dem Holocaust verbunden. Die Tagebücher des Mädchens sind wertvolle Dokumente einer grausamen Zeit. Wertvoll, weil sie dem Schrecken der Nazizeit ein Gesicht geben. Deshalb stellt sich bei der Review zur neuesten Verfilmung die Frage, ob es gelungen ist, diesem Gesicht Leben einzuhauchen. Leben, das berührt.

©birgitH / <a href="http://www.pixelio.de/media/742409" target="_blank">pixelio.de</a>
©birgitH / pixelio.de

Zum Inhalt:
Geboren 1929 lebte Anne Frank (Lea von Acken) zunächst in Frankfurt/Main. Nach dem Sieg der NSDAP bei den Kommunalwahlen 1933 ging die jüdische Familie nach Amsterdam ins Exil. Doch auch hier schränken immer weiter reichende Judengesetze das Leben der Familie ein: Angefangen von separaten Schulen übder das Kinoverbot bis hin zum Judenstern.

Als Annes Schwester Margot 1942 in ein Arbeitslager deportiert werden soll, taucht die Familie unter. Vater Otto Frank (Ulrich Noethen) hat das Hinterhaus seiner Firma als Versteck vorbereitet. Es besteht aus vier Zimmern, einem Bad und einer Toilette, sowie einem Dachboden. Der Eingang zum etwa 50 Quadratmeter großen Versteck wird durch nein Bücherregal getarnt.

Die Familie Frank bleibt nicht allein. Nach kurzer Zeit folgen Hans, Petronella und Sohn Peter van Daan ins Versteck und im November 1942 kommt noch der Zahnarzt Fritz Pfeffer dazu. Die Insassen verstehen sich nicht unbedingt gut, sind aber aufeinander angewiesen. Denn wochentags müssen alle still sein, da direkt unter den Räumen gearbeitet wird.

Die beengte Lebenssituation führt zu einigen Reibereien. Anne eckt immer wieder bei Petronella van Daans an und fühlt sich von ihren Eltern ungenügend verteidigt. Sie verliebt sich in Peter, was ihrer Schwester nicht zu gefallen scheint. Und auch ihr Verhältnis zu dem jungen Mann ist nicht nur eitel Sonnenschein.

Am Morgen des 4. August 1944 marschiert die GESTAPO ins Versteck. Die Hinterhausgemeinschaft ist verraten worden und wird nun abtransportiert. Der Vater Otto Frank wird als einziger den Holocaust überleben. Alle anderen sterben in Konzentrationslagern.

Meine Meinung:
„Das Tagebuch der Anne Frank“ ist kein leichter Stoff. Nicht nur wegen des ernsten Themas selbst, sondern auch wegen des Mythos, der Anne Frank umgibt. Die Geschichte des Mädchens ist weltberühmt und eine sehr persönliche Geschichte des Holocaust. Annes Tagebücher sind ein so privater Einblick in das Leben der verfolgten und ermordeten Juden, dass der Film einfach nicht scheitern darf.

Und mit Lea van Acken hat man eine würdige Anne Frank gefunden. Eine Anne Frank, die nicht einfach ein herziges Mädchen ist, dem man nur Gutes wünscht. Sondern eine Anne Frank, die man wegen ihrer pubertären Zicken gern mal ordentlich durchschütteln möchte, bis sie wieder bei Verstand ist. Das wird von Lea van Acken wirklich gut gespielt.

Trotzdem gibt es Aspekte der Geschichte, die nicht gut ausgearbeitet wurden. Woher kommt Annes Hass auf die Mutter? Warum fühlt sie sich plötzlich erwachsen und unabhängig? Und leider auch: Hätte man den Alltag von acht Leuten auf geschlossenen 50 Quadratmetern nicht eindrucksvoller darstellen können? Die Enge, die absoluten Grenzen, das ewige still sein müssen?

Da hilft auch die große Schauspieler-Riege nichts. Ulrich Noethen als Vater Otto und Martina Gedeck als Mutter Edith geben solide Schauspielkunst zum Besten, bleiben mir als Zuschauer jedoch fremd. Der Rest der Besetzung bleibt blass und unsympathisch. Das mag auch an den zusammengestückelten Szenen liegen. Schade drum.

Mein Fazit:
Bei „Das Tagebuch der Anne Frank“ spürt man deutlich, dass Anekdoten und Tagebuchauszüge die bewegende Geschichte des Mädchens erzählen sollen. Leider fehlt es an flüssiger Erzählweise und an Nähe zu den Figuren. Dabei muss man Anne nicht mal mögen, da man ihrer Persönlichkeit immerhin auch Ecken und Kanten zugestanden hat. Trotzdem wird der Film junge und unvorbereitete Zuschauer nicht erreichen. Und das wäre nun mal das Ziel gewesen.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung/Regie
Schauspielerische Leistung

Ziel verfehlt

Wenn ein schlimmes und grausames Kapitel deutscher Geschichte wirkungsvoll vermittelt werden soll, funktioniert das am Besten über private und persönliche Geschichten. Anne Frank wäre also prädestiniert dafür, den Teenagern von heute die Schrecken von damals zu vermitteln. Leider schafft man das nur, wenn man alle Figuren einer Geschichte nah an den Zuschauer bringt. Das hat hier nur bei Anne selbst geklappt. Wenn überhaupt.

Tags
Zeig mir mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Artikel