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Film: „Colonia Dignidad“ mit Emma Watson und Daniel Brühl

Die Colonia Dignidad galt in den 1970ern als deutsche Vorzeige-Siedlung im Süden von Chile. Bis man ihr wahres Gesicht aufdeckte und damit menschenverachtende Grausamkeit und aktive Unterstützung für Diktator Pinochet. Dieser Film mit Emma Watson, Daniel Brühl und Mikael Nyqvist zeigt den brutalen Alltag in der Kolonie.

©Tobi Grimm / <a title="pixelio.de" href="http://www.pixelio.de/media/666019" target="_blank">pixelio.de</a>
©Tobi Grimm / pixelio.de

Zum Inhalt:
Santiago de Chile im Jahr 1973. Lena (Emma Watson) ist Stewardess und nach der Landung auf dem direkten Weg zu Daniel (Daniel Brühl). Der Fotograf ist Mitglied einer aktivistischen Studentenbewegung, die den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende unterstützt. In Folge des Militärputsches von General Pinochet werden die beiden gefangen genommen.

Lena kommt schnell wieder frei, aber Daniel verschwindet in der „Colonia Dignidad“. Diese deutsche Siedlung im Süden von Chile gilt offiziell als urbayrisch, vorbildlich christlich und vor allem gemeinnützig. Jedoch kursieren wilde Gerüchte über Folterungen, Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch. Und von enger Zusammenarbeit mit Pinochet.

Lena lässt sich davon nicht abschrecken. Sie will Daniel wiedersehen. Deshalb tritt sie freiwillig der Sekte bei. Deren Anführer Paul Schäfer (Mikael Nyqvist), der sich „Pius“ nennen lässt, gibt sich ebenso misstrauisch wie größenwahnsinnig. Und Lena erfährt schnell, welchen Wert der einzelne Mensch in dieser ach so christlichen Gemeinschaft hat: Gar keinen.

Die Frauen werden unter strenger Aufsicht zu schwerster Arbeit gezwungen. Kontakt zu Männern gibt es nur zu feierlichen Anlässen oder wenn eine von ihnen etwas falsch gemacht hat. Dann wird diese von der Männerrunde durch körperliche Züchtigung bestraft. Oder gereinigt, wie Pius es nennen würde. Der sich außerdem nur zu gern um die kleinen Jungen der Gemeinschaft kümmert.

Doch die Colonia Dignidad hat auch noch eine andere Aufgabe. Für General Pinochet führen sie Verhöre durch, für die brutale Methoden angewendet werden. Auch Daniel wird so heftig gefoltert, dass er dabei beinahe stirbt oder arge Gehirnschäden davon tragen wird. Er überlebt und spielt fortan den Schwachsinnigen, damit er unbeobachtet Fotos machen und nach einem Fluchtweg suchen kann.

Mit Lenas Anwesenheit hat er nicht gerechnet. Da es kaum Möglichkeiten für Kontakt zwischen Männern und Frauen gibt, wird die gemeinsame Flucht beinahe aussichtslos. Und selbst wenn sie es aus dem streng abgeriegelten Gelände heraus schaffen, hat die Colonia Dignidad einflussreiche Freunde und damit einen sehr langen Arm.

Meine Meinung:
Die „Colonia Dignidad“ gab es wirklich. Auch was Sektenführer Paul Schäfer in der deutschen Siedlung so trieb, ist inzwischen hinreichend belegt. Das perfide System aus grausamer Unterdrückung und Folter unter dem Mantel tiefstem christlichen Glaubens ist erschreckend. Unter der Leitung eines größenwahnsinnigen Pädophilen wurden Frauen, Männer und Kinder wie Vieh behandelt.

Nein eigentlich schlimmer als Vieh. In jedem Fall wurden die Sektenmitglieder entmenschlicht. Die Frauen mehr als die Männer, da die Männer ihren Frust immerhin mit Gewalt an den Frauen auslassen durften. Aber der Gott in der „Colonia Dignidad“ ist Paul Schäfer alias Pius. Ein grausamer noch dazu. Und einer, der mit Pinochet zusammenarbeitet.

Gespielt wird Pius von Mikael Nyqvist. Dafür hat der Schauspieler ganz offensichtlich ein paar Kilo zugelegt. Aber das hat sich gelohnt, denn Nyqvist spielt den Sektenführer souverän und glaubwürdig. Auch Daniel Brühl überraschte mich mit einer guten Leistung, vor allem wenn er den Schwachsinnigen gab.

Emma Watson hatte ein wenig Pech mit der Synchronstimme. Auch wenn sie die ewige Hermione aus Harry Potter eindeutig hinter sich lassen konnte – mit dieser Stimme wirkte ihre Schauspielkunst allenfalls mittelmäßig. Überhaupt waren die Synchronstimmern mit den übrigen Geräuschen nicht gut abgemischt, was aus mittelmäßigem Spiel schnell mal hölzernes Bemühen macht. Schade.

Der Film selbst kann mich auch nicht vollends überzeugen. Was an Grausamkeiten dargestellt wird ist heftig, keine Frage. Auch die Flucht aus der „Colonia Dignidad“ ist eindrucksvoll gestaltet. Aber so richtig will der Stoff nicht zu mir durchdringen. Von den Fakten schon, aber nicht zum Gefühl. Da wäre mehr drin gewesen.

Auch wie es nach dem Auffliegen der Machenschaften der Sekte weitergeht, wäre interessant gewesen. Leider erfährt man das nur über die wenigen Zeilen im Abspann. Gerade die Reaktion in Deutschland hätte mich aber besonders interessiert. Denn die Frage, wie weit der Arm der „Colonia Dignidad“ ins Ausland reichte, wird nicht beantwortet.

Mein Fazit:
„Colonia Dignidad“ hätte ein emotional aufrüttelnder Film sein können. Jedoch scheitert das für mich schon an der Synchronisation. Die schauspielerischen Leistungen von Mikael Nyqvist und Daniel Brühl sind beachtenswert, die von Emma Watson solide aber nicht mehr. Leider fehlt immer ein Stück, wenn es um den Alltag in der Sekte geht. Vieles muss man sich zusammenreimen, vieles bleibt unbeantwortet. Aber dafür gibt es ja Wikipedia.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung/Regie
Schauspielerische Leistung
Synchronisation

Naja.

Wie kamen in der Kolonie die Kinder zustande? Wieso arbeitete Pius so eng mit Pinochet zusammen? Und wie lang war der Arm der Sekte über die Grenzen von Chile hinaus? Diese und noch mehr Fragen bleiben für mich in diesem Film offen. Leider reicht da auch nicht die beeindruckende Schauspielkunst von Nyqvist und Brühl, um dem Film Tiefe zu verleihen. Und die Synchronisation hätte man deutlich besser machen können.

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