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Film: „Captive“ mit Kate Mara und David Oyelowo

Captive steht im Englischen sowohl für „gefangen“ als Adjektiv, als auch für für „Gefangene(r)“. Einen passenderen Titel hätte man für diese wahre Geschichte kaum finden können. Denn sie handelt von Ashley Smith, die eine Nacht lang von einem Vergewaltiger und Mehrfachmörder als Geisel gehalten wird. Das wäre der richtige Stoff für ein packendes Drama mit viel Gänsehaut. Leider ist „Captive“ aber einfach nur langweilig.

©Thorben Wengert / <a href="http://www.pixelio.de/media/451204" target="_blank">pixelio.de</a>
©Thorben Wengert / pixelio.de

Zum Inhalt:
Ashley Smith (Kate Mara) hat ein Drogenproblem. Ihr Mann wurde vor ein paar Jahren bei einem Überfall von einem Drogendealer erstochen. Ihre Tochter Paige lebt bei ihrer Tante. Um die kleine endlich bei sich haben zu dürfen, müsste Ashley von Crystal Meth loskommen, doch sie wird immer wieder rückfällig. Da helfen auch die Gesprächsrunden in der Kirche nichts: Das Zeug tut ihr einfach zu gut. Für den Moment jedenfalls.

Doch Ashley strengt sich an. Sie versucht ihren Job als Kellnerin zu halten, hat eine kleine Wohnung für sich und Paige und will es nun endlich schaffen. Doch in der Nacht vor der so wichtigen Mutter-Tochter-Modenschau gerät Ashley in die Gewalt von Brian Nichols (David Oyelowo). Der ist gerade aus dem Gerichtsgebäude ausgebrochen, in dem die Verhandlung wegen der Vergewaltigung seiner Exfreundin stattfinden sollte. Auf seiner Flucht hat er drei Menschen erschossen.

Brian fesselt Ashley und lässt sie in der Badewanne sitzen. Von dort aus versucht Ashley ihn in ein Gespräch zu verwickeln, indem sie ihm von ihrer Tochter erzählt. Dabei kommt heraus, dass Brian nur deshalb ausgebrochen ist, weil er seinen gerade geborenen Sohn sehen wollte.  Daraufhin versucht Ashley ihm klar zu machen, dass es nur noch eine Chance gibt, wenn er seinen Sohn irgendwann wiedersehen will: Er muss sich stellen.

Meine Meinung:
Was macht Mama, wenn sie kindfrei hat und die Welt für ein, zwei Stunden ausschalten will? Genau, sie geht ins Kino. Momentan ist die Auswahl an Filmen nicht so berauschend und das war dann wohl auch der Grund, warum ich mich zu „Captive“ hinreissen ließ. Das und der Hinweis, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Ich ging also mit wenigen Erwartungen in diesen Film, hoffte aber wenigstens auf mittelmäßige Unterhaltung.

Mittelmäßig war dann auch wirklich alles. Angefangen bei der Geschichte selbst über die Art, wie sie umgesetzt wurde bis hin zur schauspielerischen Leistung.

Fangen wir an mit der Geschichte. Eine drogenabhängige Mutter versucht vom Meth wegzukommen, damit sie ihre Tochter wieder öfter sehen kann. Ein durchtrainierter Vergewaltiger bricht aus der Haft aus und nimmt ausgerechnet diese Frau in deren Wohnung als Geisel. Beide reden über ihre Kinder, die Welt und ja, auch über Gott und siehe da: Er lässt sie laufen und stellt sich. Weil sie ihm den Glauben an Gott und an die Möglichkeit, sein Kind noch einmal zu sehen zurückgegeben hat. Hurra!

Nicht wirklich. Diese Möglichkeit ist bei drei Toten und einer Vergewaltigung in einem amerikanischen Bundesstaat mit praktizierter Todesstrafe verschwindend gering. Und ob ihm da der Glaube an Gott reichen wird, sei mal dahingestellt. Aber auch wenn Ashley von jetzt auf gleich clean wurde, dürfte der Weg zum gemeinsamen Leben mit der Tochter ein weiter gewesen sein.

Aber das ist nicht schlimm, denn eine echte Verbindung zu den Protagonisten bekommt man als Zuschauer eh nicht. Viele Gefühlsregungen soll man aus Gesichtsausdrücken herauslesen, die einfach nichtssagend sind. Lange Blicke, hier und da Verzweiflung, ab und an ein wenig Verständnis für den anderen. Das verschwindet bei David Oyelowo in der von Natur aus dunklen Hautfarbe und bei Kate Mara unter der helleren aber eben auch sorgenfaltenfreien Haut.

Für eine Meth-abhängige sieht Kate sowieso ausnehmend gut aus. Hin und wieder erscheinen halbdunkle Augenringe und ihre Haare sind von Szene zu Szene unterschiedlich stark verfettet, aber das war es auch schon. Als abschreckendes Beispiel in Sachen Drogensucht geht sie jedenfalls nicht durch. Auch hier also keine glaubwürdige Umsetzung der wahren Geschichte. Da hilft es auch nicht, dass am Ende des Films die echte Ashley im Interview mit Oprah Winfrey gezeigt wird.

Mein Fazit:
Ich wollte den Tag und die Welt mit einem Kinofilm ausschalten, aber „Captive“ schafft nicht einmal das. Man muss sich schon richtig Mühe geben, um mit Ashley mitfühlen zu können oder Angst vor Brian zu haben. Und am Ende des Films fragt man sich, an welcher Stelle und womit die junge Frau den dreifachen Mörder denn bitte handzahm gemacht haben soll. Bei so einer Geschichte, die gerade für mich als alleinerziehende Mutter ordentlich Gruselpotenzial haben könnte, ist das echt ein Armutszeugnis. Den Film kann man sich also sparen.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung/Regie
Schauspielerische Leistung
Synchronisation

Langweilig

Die Geschichte bietet Stoff für viel Drama, wird jedoch nicht glaubwürdig umgesetzt.

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