LebenStudium

Fernstudium: Prüfung macht gaga

Morgen ist es soweit: Ich absolviere die Prüfung zum Modul „Einführung in die Geschichtswissenschaften“. Einmal mehr habe ich mir dafür zwei Semester Zeit gegönnt. Nun will ich es hinter mich bringen. Wie üblich stopfe ich mir den Klausurstoff kurz vor knapp in den Kopf und stelle fest: Prüfung macht gaga.

Alteuropa, Neuere Geschichte, Außereuropäische Geschichte – das sind im Groben die Themen, um die es gehen wird. Anders gesagt die Zeit von 750 vor Christus bis heute in Europa und überall da, wo die Europäer sich so herumgetrieben haben. Noch anders gesagt geht es um Gesellschaftsgliederung, Umgang mit erlebter Geschichte und Kolonialismus.

Klingt für mich Geschichtsfreak eigentlich spannend. Aber wie üblich wird zur Klausur genau das abgefragt, was mich persönlich am gebotenen Stoff so gar nicht interessiert hat. Zumindest nicht in der Form. „Ordnung durch Ungleichheit“ zum Beispiel. War bis zur Französischen Revolution die Grundvoraussetzung für eine friedliche Gesellschaft. Heute würde sich das keine Sau mehr gefallen lassen. Darum ja auch die Revolution.

Aber was interessiert mich bitte, wer darauf gekommen ist, das „Ordnung durch Ungleichheit“ zu nennen?

Jaja, ich weiß, der Otto Gerhard Oexle war es. Soweit bin ich schon. Und die Kulturkontakte nach Bitterli oder das „Lange 19. Jahrhundert“ nach Hobsbawm (der heißt wirklich so) hab ich auch intus. Von der freundschaftlichen ersten Begegnung bis zur Kulturverflechtung bzw. von 1789 bis 1914 ist ein weiter Weg, den ich quasi mit Siebenmeilenstiefeln gelaufen bin.

Kein Wunder, dass ich inzwischen total gaga bin. Studenten kennen das: Kurz vor der Prüfung schwankt man zwischen „OMG, das werde ich grandios verkacken“ und „Hey, das kann ich ja doch – irgendwie“. Im Fünfminutentakt. Besonders wenn man sich die Übungsaufgaben im offiziellen Übungsforum so durchliest. Durchaus zu empfehlen, wenn man halbwegs weiß, wovon die da reden.

Genau das hängt dann aber vom aktuellen Soundtrack im Kopf ab. Der fühlt sich an wie bei einem DJ, der unbedingt alle Hits gleichzeitig spielt, damit keiner auf die Idee kommt, er hätte sie nicht im Repertoire. Gespielt werden dann im abenteuerlichen Mix mit uralten Klassikern und Helene Fischer.

Klingt wirr? Ist es auch.

Momentan stolpern in meinem Kopf eben Fachbegriffe und Alltagsdinge ständig übereinander. Epochenbeschreibungen mischen sich mit Kundenmails, Gliederungskonzepte mit der letzten Mathearbeit vom großen Kind und dazwischen läuft irgendwo Musik. Schlaf wäre nötig, aber der ist nicht drin oder ist komatös.

Prüfung macht gaga.

Tags
Zeig mir mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Artikel

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden More Info | Ok