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Familienurlaub im Evangelischen Familienferiendorf Boltenhagen

Neun Tage Ostsee liegen hinter uns. Neun Tage mit wechselhaftem Wetter, viel Sand und viel Zeit für- und miteinander. Wieder einmal haben wir unseren Urlaub in einer gemeinnützigen Familienerholungsstätte verbracht, die auch mit kleinem Budget bezahlbar ist. Dieses Mal im Evangelischen Familienferiendorf Boltenhagen, zu dem ich euch hier einen kleinen Erfahrungsbericht liefern möchte.

Strandaufgang 19 gehört zum Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf
Strandaufgang 19 gehört zum Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf

Die Lage:
Das Ostseebad Boltenhagen liegt etwa 20 Kilometer westlich der Hansestadt Wismar und 30 Kilometer östlich der Hansestadt Lübeck. Abgesehen vom Hafengelände der „Weißen Wieck“ hat Boltenhagen einen kilometerlangen feinsandigen Strand. Im Zentrum gibt es den ganzen Sommer über kulturelle Veranstaltungen für alle Altersklassen. Dementsprechend voll ist es dort auch in der Hochsaison.

Das Familienferiendorf Boltenhagen liegt jedoch ca. 1,4 km vom Zentrum entfernt. Dafür direkt am Strandaufgang 19, gleich neben einer Kurklinik und nicht weit von Hundestrand (Aufgang 21) und Naturschutzgebiet „Weiße Wieck“ entfernt. Damit ist man weitab vom Hochbetrieb des Zentrums und teilt sich den Strand vor allem abends nur noch mit wenigen Urlaubern. Allerdings ist man so auch weitab von Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten. Der nächste Supermarkt ist etwa 1,5 Kilometer entfernt, der nächste Souvenirladen liegt auf halber Strecke dazwischen und die nächste Bar ebenso.

Rezeption und Einfahrt Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf
Rezeption und Einfahrt Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf

Das Familienferiendorf:
Das Evangelische Familienferiendorf Boltenhagen gehört zu den gemeinnützigen Familienferienstätten und wird vom Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg betrieben. Vom kirchlichen Charakter des Betreibers merkt man aber nichts und es wird auch nicht danach geschaut, ob die Gäste irgendeiner Konfession angehören. Auf dem etwa vier Hektar großen Gelände verteilen sich die 48 Ferienwohnungen auf kleine Reihenhäuser mit freundlich gestalteten Holzfronten. Es gibt mehrere Spielplätze, zwei Ziegen mit Namen Max und Moritz, einen zentralen Flachbau mit Kiosk, Kinderbetreuungsraum und Seminarräumen und natürlich eine Rezeption.

Außerdem gibt es auf dem Gelände einen Bolzplatz, Tischtennisplatten, ein Volleyballfeld und einen Kletterpark. Dieser wurde gut in die Anlage integriert, so dass man auf dem Weg zum Strand schon mal mit „fliegenden Menschen“ über seinem Kopf rechnen muss. Der Weg zum Strand ist dabei eher ein Katzensprung. Maximal 100 Meter muss man von seiner Ferienwohnung bis zum Strand laufen. Diesen Weg haben wir oft barfuß zurückgelegt, da sich Schuhe für die Strecke einfach nicht gelohnt haben.

Der Strand selbst ist feinsandig und die Ostsee hier extrem flach. Kaum hat man das Wasser mal bis zur Brust stehen, kommt auch schon die nächste Sandbank. Daher ist das Baden hier selbst für kleine Kinder relativ ungefährlich. Kleckerburgen kann man auch prima bauen. Nur die Handtücher werden dank der parkähnlichen Anlage des Feriendorfes nie richtig trocken.

Ferienhaus im Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf
Ferienhaus im Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf

Die Wohnungen:
Die Ferienwohnungen im Evangelischen Feriendorf Boltenhagen sind für 3 bis 8 Personen ausgerichtet. Für uns drei habe ich den Wohnungstyp IV gewählt, der ohne Kochfeld und damit nur für kalte Küche geeignet ist. Alle anderen Wohnungen verfügen über eine normale Küche. Einmal mehr hatten wir außerdem das Glück, eine behindertengerechte Wohnung zu erwischen. Das bedeutet vor allem, ein Bad, in dem man rein von der Größe her Walzer tanzen könnte. Ausgestattet war dies mit geräumig angelegter Dusche, Toilette mit Haltegriffen und Waschbecken.

Meine Kinder schliefen im großen Schlafzimmer mit Doppelbett. Ich selbst hatte ein behindertengerechtes Einzelbett in einem dafür jedoch recht kleinen Zimmer. Für jede Person gab es einen Hochschrank für Kleidung und einen kleinen Nachtschrank. Im Doppelbettzimmer gab es zudem ein Fernsehgerät, dass wir nicht einmal eingeschaltet haben. Der Aufenthaltsraum ist gleichzeitig Küche. In unserem Fall bestand diese aus Miniküchenzeile mit Kühlschrank, Spüle, Kaffeemaschine und Wasserkocher.

Gemütlich geht jedoch anders. Zwar sind die Wände hell gestrichen, aber die niedrigen Räume sind grau gefliest und auch bei Sonnenschein recht düster. Deshalb haben wir uns auch bei Regen auf die Terrasse gesetzt. Dort gab es einen Strandkorb (leider sehr verdreckt), einen Gartentisch mit vier Stühlen und eine Art Extra-Schuppen mit Vordach, unter den der Tisch mit drei Stühlen gerade so drunter passte.

Bettwäsche und Handtücher kann man vor Ort leihen. Pro Bettwäsche- bzw. Handtuchpaket zahlt man acht Euro. Wir haben die Bettwäsche ausgeliehen und bekamen diese in weiß, sauber und griffig. Es war allerdings mal wieder eine Umstellung, dass es keine Spannbettlaken waren. So war das Bettenbeziehen zu dritt recht lustig. Irritiert war ich von der Wohnungsübergabe, die am Ende des Aufenthalts ansteht. Zum einen, weil es beim Einzug in die Ferienwohnung keine gab, zum anderen, weil diese am Ende nur aus der kurzen Kontrolle bestand, ob auch alle Schränke leer sind.

Das Buffet im Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf
Das Buffet im Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf

Der Speisesaal:
Als Restaurant kann man den Raum mit etwa 25 Tischen nicht bezeichnen. Der helle Raum ist rollstuhlgerecht zugänglich, das Buffet dann schon weniger. Dort ist es allerdings auch auf zwei Beinen schwer, an sein Essen zu kommen. Vor allem die warmen Speisen befinden sich eingekesselt zwischen Geschirrwagen und Salatbuffet, so dass man sich mit dem vollen Teller an seinem Hintermann vorbeidrängeln muss. Für Kinder ist das Obst quasi unerreichbar.

Das Essen selbst hat die Qualität, die man von Schul- und Mensa-Essen kennt. Die Auswahl ist, ähm, gering. Wir haben nur Abendessen gebucht, was für einen Erwachsenen 11 Euro pro Mahlzeit kostet. Dafür bekommt man eine Wurstplatte, eine Käseplatte, ein bisschen was mit Fisch, diverse Rohkostsalate und genau ein warmes Gericht. Mittwochs ist das noch am Besten, da es dann alles vom Grill gibt. Ansonsten gab es Königsberger Klopse, Nudeln mit Tomatensoße und Jägerschnitzel, Schlemmerfilet vom Fisch und Paprikagulasch.

Das klingt nicht nur danach, als sei die Zeit irgendwann stehen geblieben, sondern schmeckte auch so. Vieles war offensichtlich Fertigfraß aus der Tiefkühltruhe, anderes eben so gekocht, wie man es aus der Kantine kennt. Meine Kinder haben jedenfalls lange nicht mehr so viel Möhrensalat gegessen, wie in diesen neun Tagen. Dabei muss man dem Personal jedoch zugute halten, dass es schnell und freundlich war.

Kletterpark im Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf
Kletterpark im Familienferiendorf Boltenhagen ©Tulpentopf

Das Freizeitangebot:
Viel Freizeitbeschäftigung wurde nicht geboten. Und selbst das wenige konnte man leicht übersehen. Zwei Bastelnachmittage für Kinder, ohne dass man vorher sehen konnte, was dabei herauskommen sollte. Eine Kinovorstellung pro Woche („Honig im Kopf“ bzw. „Frau Müller muss weg“). Und einmal Basteln mit Naturmaterialien von einem externen Anbieter. Aber wer braucht das schon, wenn man die Ostsee so nah auf der Nase hat.

Der Kletterpark war natürlich die Attraktion für meine Kinder. Die gingen dort auch gleich zweimal auf Tour durch die Kletterparcoure. Kostenpunkt bei Kindern mit Griffhöhe bis 1,70 m liegt hier bei 13 Euro für zwei Stunden Klettern.

Unser Aufenthalt:
Wie schon im letzten Jahr sind wir 400 Kilometer gefahren, um Ostseesand zwischen den Zehen zu spüren. Diesmal eben auf die westliche Seite der Wismarer Bucht nach Boltenhagen. Das Wetter war wieder durchwachsen und gab uns gute Gründe für Ausflüge und genauso gute für ausgiebige Strandtage. Schön war die unmittelbare Nähe zum Strand, weshalb wir bei wechselndem Wetter eben doch noch schnell mal ins Wasser springen konnten. Blöd war die Entfernung zum Zentrum, so dass wir für Einkaufen, Eisessen und Erkundungen eben doch hin und wieder das Auto nutzten.

Es war aber schön, morgens draußen zu frühstücken, während die Sonne durch die hohen Bäume blitzte und Eichhörnchen bis auf die Terrasse kamen. Oder auch bei Regen draußen am Tisch miteinander Karten zu spielen. Oder abends vorm letzten Gang an den Strand noch einmal den Wackelturm aufzubauen. Oder die Kinder einfach davonlaufen zu lassen, auf dass sie selbst das Gelände unsicher machen, während ich lese. So sind wir auf jeden Fall gut erholt.

Hier geht es zur Webseite: Evangelisches Familienferiendorf Boltenhagen

Hier noch ein paar Eindrücke vom Feriendorf und unserem Urlaub. (Zum Vergrößern die Bilder einfach anklicken.) Von den Ausflügen, die wir gemacht haben, werde ich später noch berichten. Auch über die Spiele die uns auf der Fahrt und vor Ort die Zeit vertrieben haben.

 

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