Doku: „Mörder unter uns – Fritz Bauers Kampf“

Wenn man an den Zweiten Weltkrieg denkt, dann vielleicht auch daran, welche Rolle die eigene Familie beim Holocaust gespielt hat. Und wie die Großeltern nach 1945 mit diesen Gräueltaten umgegangen sind. Bis heute will da eigentlich kaum jemand drüber reden. Fakt ist: Die meisten wollten einen Neuanfang. Nur wenige wollten die Vergangenheit aufarbeiten. Einer davon war Fritz Bauer. Eine Dokumentation des ZDF berichtet über ihn und sein Wirken.

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Zum Inhalt:
Die Dokumentation „Mörder unter uns – Fritz Bauers Kampf“ porträtiert Fritz Bauer als einen Mann, der von Anfang an vielen ein Dorn im Auge war. Mit 27 war er nicht nur der jüngst Amtsrichter in Hessen, sondern auch noch der einzige mit SPD-Parteibuch. Dazu ein Jude und Anführer der Linken in Frankfurt. Also fackelten die Nazis nach ihrer Machtergreifung auch nicht lange und steckten ihn in ein KZ.

Nach seiner Unterwerfungserklärung kam er zwar frei, war jedoch als Jude grundsätzlich in Gefahr. Deshalb floh er erst nach Dänemark und später nach Schweden. Dort engagierte er sich erneut bei den Sozialdemokraten der Geflüchteten und träumte weiter davon, an einer neuen Demokratie in Deutschland mitzuwirken. Doch Deutschland will ihn nach Kriegsende gar nicht wieder in die Heimat lassen. Als Exil-Rückkehrer und Jude ist er auch im befriedeten Deutschland unerwünscht.

Schließlich erhält er in Braunschweig eine Chance wieder als Generalstaatsanwalt zu arbeiten. Sein Comeback, wie man heute sagen würde, gelang Bauer beim Remer-Prozess, in dessen Folge die Widerstandskämpfer des Stauffenberg-Attentats nicht mehr als Landesverräter galten und das Deutschland unter den Nazis als „Unrechtsstaat“ anerkannt wurde. 1956 wurde er Generalstaatsanwalt in Hessen und sorgte hier für Unruhe und Aufsehen durch den Auschwitz-Prozess und sein Mitwirken an der Verhaftung Adolf Eichmanns.

Die Dokumentation „Mörder unter uns – Fritz Bauers Kampf“ lässt Weggefährten und Mitarbeiter von Fritz Bauer zu Wort kommen. Diese bestätigen einmal mehr, dass Fritz Bauer ein impulsiver Intellektueller mit Herz war. Dessen Streben heute im Artikel 1 des Grundgesetzes die Würde des Menschen als unumstößliches Recht untermauert. Der der festen Überzeugung war, dass man „Nein“ sagen muss, wenn man einen verbrecherischen Befehl bekommt.

Letzteres fällt den befehlsgewohnten Deutschen bis heute schwer. Für seine Kollegen aus der Justiz muss es ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, solch einen Satz von einem ehemals politisch Verfolgten und gerade eben noch geächteten Juden gesagt zu bekommen. Schließlich hatte kaum ein Richter oder Staatsanwalt aus der NS-Zeit nach dem Krieg seine Robe abgeben müssen. Das bestätigt auch seine Aussage, im Feindesland zu sein sobald er sein Büro verlässt.

Meine Meinung:
Die Doku zeigt auch einen Mann, der die Nazi-Vergangenheit Deutschlands nicht einfach ruhen lassen wollte. Einen Mann, der das Strafrecht revolutionieren wollte – weg von purer Strafe, hin zur zweiten Chance. Sein Einsatz gegen die Verurteilung homosexueller Handlungen brachte ihm das Gerücht ein, selbst homosexuell zu sein. (Darauf wird in der Doku jedoch nicht eingegangen.) Einen Mann, der sich offen für das Gespräch und die Zusammenarbeit mit der jungen Generation zeigte, indem er vor den Fernsehkameras mit ihnen diskutierte und sie in seinem beruflichen Umfeld unterstützte.

Wie einsam muss Fritz Bauer trotzdem gewesen sein? Feindesland betreten, sobald man das Büro verlässt. Im demokratisch offenen Deutschland Morddrohungen und Anfeindungen wegen seines jüdischen Glaubenszugehörigkeit erhalten und eine Ehefrau in einem anderen Land. Trotzdem hat er wohl die Hoffnung nie aufgegeben, etwas zu bewirken. Im Auschwitz-Prozess war nicht allein die Verurteilung der Täter sein Ziel, sondern die Möglichkeit, dass diese Täter ein freundliches, menschliches Wort an die Überlebenden richten. Es kam keins.

So gesehen fällt es nicht schwer, Fritz Bauer als menschlichen Helden und Kämpfer für die Gerechtigkeit zu zeigen. Aber niemand ist durch und durch gut. Und so fehlte mir bei all den Wortmeldungen seiner Weggefährten eben auch mal eine kritische Bemerkung zu seinem Wesen. Ja, er lebte bescheiden, kämpfte unermüdlich für gute Sachen und wurde dafür massiv angefeindet. Aber das einzig negative, was man über ihn hört, ist, dass er impulsiv gewesen sei.

Im Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ kommt noch Schlagfertigkeit zum Persönlichkeitsprofil dazu. Hier hat man auch einen kurzen Eindruck vom impulsiven Charakter. Auch transportiert der Film besser als die Dokumentation, wie einsam Bauer gewesen sein muss.Nun kann man gegenhalten, dass es in einer Doku um sachliche Fakten geht. Aber auch das Persönlichkeitsprofil eines Menschen gehört zu den wichtigen Fakten. Diese werden von Weggefährten ja auch geliefert – nur eben sehr einseitig.

Mein Fazit:
Es ist offensichtlich, dass der Kettenraucher Fritz Bauer wirklich ein guter und mutiger Mensch war. Wenn er mir in so einer Doku auch menschlich erscheinen soll, darf er nicht als übermenschliche Figur dargestellt werden. Seinem wichtigen Wirken für Gerechtigkeit und gegen das Vergessen hätten ein paar persönliche Fehler oder Macken keinen Abbruch getan. Vielmehr wären sie motivierend gewesen, sich trotz seiner Fehler wenigstens ein bisschen so wie er zu verhalten. Die Dokumentation „Mörder unter uns – Fritz Bauers Kampf“ stellt den Mann allerdings als beachtliche Person dar, die keine Fehler hat. Schade!

Die Dokumentation ist derzeit in der ZDF Mediathek zu finden: Doku „Mörder unter uns – Fritz Bauers Kampf“
Man findet sie aber auch bei Youtube unter ähnlichem Namen.

Wenn man an den Zweiten Weltkrieg denkt, dann vielleicht auch daran, welche Rolle die eigene Familie beim Holocaust gespielt hat. Und wie die Großeltern nach 1945 mit diesen Gräueltaten umgegangen sind. Bis heute will da eigentlich kaum jemand drüber reden. Fakt ist: Die meisten wollten einen Neuanfang. Nur wenige wollten die Vergangenheit aufarbeiten. Einer davon war Fritz Bauer. Eine Dokumentation des ZDF berichtet über ihn und sein Wirken. Zum Inhalt: Die Dokumentation "Mörder unter uns - Fritz Bauers Kampf" porträtiert Fritz Bauer als einen Mann, der von Anfang an vielen ein Dorn im Auge war. Mit 27 war er nicht nur…
Fritz Bauer war ohne Zweifel ein menschlicher Held. Leider fehlt in der Doku viel vom "menschlich". Dafür wird der Held gründlich beleuchtet. Er hat viel getan für Deutschland, bleibt in der Doku aber unnahbar trotz vieler Wortmeldungen von Weggefährten.

Bewertung

Inhalt
Umsetzung
Bildmaterial

Fast gut.

Fritz Bauer war ohne Zweifel ein menschlicher Held. Leider fehlt in der Doku viel vom "menschlich". Dafür wird der Held gründlich beleuchtet. Er hat viel getan für Deutschland, bleibt in der Doku aber unnahbar trotz vieler Wortmeldungen von Weggefährten.

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