Wir sind eine Brillen-Familie

Heute ist Internationaler Tag der Familie. Juhu, ein Grund zum Feiern. Immerhin soll die Stellung der Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft gewürdigt werden. Wobei man ja in Deutschland eher das Gefühl hat, dass die Familie entwürdigt werden soll. Vor weil immer noch nur die Mutter-Vater-Kind-Familie wirklich als solche angesehen wird. Dieses Modell kennt mein Sohn aber gar nicht. Für ihn sind wir trotzdem schon immer eine richtige Familie gewesen. Und seit neuestem eben eine Brillenfamilie.

Brillen-Familie

©Tulpentopf

Mutter-Vater-Kind, so sieht die klassische Familie aus. Aber wir alle wissen, dass dieses Modell nur noch einen Teil der Lebensgemeinschaften ausmacht, die sich trotzdem als familiäre Einheiten sehen. Zu Recht, wie ich finde. Ob nun Eineltern-Familien, gleichgeschlechtliche Elternpaare oder Patchwork-Familien – sie alle haben das einzigartige Gefühl gemeinsam, das Familien ausmacht. Sie sind die Gemeinschaft, zu der man auf natürliche Weise gehört.

Oder zumindest, zu der man dazu gehören will und/oder darf. Leider gibt es ja nicht für jeden die gesunde Basis, den sicheren Rückzugsort, den Fels in der Brandung, den so eine Familie darstellt. Deswegen finde ich es besonders schlimm, wenn einem diese Basis schlecht geredet wird, nur weil sie nicht dem klassischen Familienbild entspricht. Paare trennen sich, Menschen entwickeln sich, Leute wagen das längst fällige Outing und leben so, wie es ihrem Naturell entspricht. Und wenn dann Kinder im Spiel sind, ist es vorbei mit dem althergebrachten Familienbild.

Aber das muss nicht heißen, dass diese Kinder keine Familie mehr haben. Im Gegenteil. Nur allzu oft wird aus der (neu zusammen gewürfelten, andersartigen) Familie wirklich eine gute Basis. Weil Eltern wie Kinder nicht mehr den sinnlosen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht werden müssen, sondern entspannt in einem Zuhause leben, wo sich jeder so akzeptiert wie er ist. Und die Situation so akzeptiert wie sie ist, auch wenn sie nicht dem Wunschbild anderer entspricht.

Wenn also Eltern nicht mehr darum kämpfen, um jeden Preis zusammen zu bleiben, weil man das als Paar mit Kindern nunmal so macht. Wenn Männer und Frauen sich lieber mit dem eigenen Geschlecht zusammentun, als ihre eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Wenn also jeder darauf pfeifen würde, was irgendwann mal das Idealbild der Familie war. Tja, dann könnten die Familien viel leichter zum idealen Ort werden, um aus Kindern vernunftbegabte, lebensbejahende Menschen zu machen.

Wie klein man damit anfangen kann, zeigt mir mein Sohn. Er kennt kein Leben in der Mutter-Vater-Kind-Idylle und ist trotzdem glücklich. Er lässt keinen Einspruch gelten, wenn es darum geht, ob wir drei nun eine richtige Familie sind oder nicht. Mutter-Kind-Kind ist eine richtige Familie und wir haben uns alle lieb. Mehr braucht es für ihn nicht. Und seitdem er nun auch wie Mama und Schwester eine richtige Brille hat, sind wir auch noch eine Brillen-Familie.

Kategorie Dies+Das
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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