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Leipzig liest 2018 für Groß und Klein – Teil 1

Die Leipziger Buchmesse findet Jahr für Jahr quasi vor unserer Haustür statt. Und damit auch das große Lesefest „Leipzig liest“. Nun ist es gar nicht so einfach, aus dem reich gedeckten Buffet der Veranstaltungen das richtige für mich und meine Kinder herauszufiltern. Wie ist es wohl in diesem Jahr gelaufen.

Während der Leipziger Buchmesse 2017 besuchten wir nur am Messe-Sonntag Lesungen. Einfach, weil das die entspannte Art war, mit den Kindern die Buchmesse zu besuchen. Die Leseinseln in Halle 2 bildeten echte Inseln im unüberschaubaren Angebot an Büchern. Und gaben dem Besuch der Messe die nötige Struktur.

In diesem Jahr wollte ich mehr.

Nämlich Lesungen, die nicht nur für Kinder gedacht waren. Schließlich sind meine beiden inzwischen neun und elf Jahre alt und durchaus in der Lage, mal eine Stunde ruhig zuzuhören – oder sich eben still zu langweilen. Also suchte ich für alle vier Messetage Lesungen für uns drei heraus.

Wir starteten am Donnerstag mit „Alles inklusive!“.

Nikolai-Eck ©Tulpentopf
Nikolai-Eck ©Tulpentopf

Mareice Kaiser las und berichtete aus dem Leben mit ihrer mehrfach behinderten Tochter. Ich hatte vor Jahren regelmäßig ihren Blog gelesen und wusste noch grob, worum es ging. Und so kauerte ich mit meinen Kindern auf provisorischen Hockern im Nikolai-Eck und lauschte dem medizinischen, bürokratischen und alltäglichen Wahnsinn, den Mareice und ihre Familie erlebt hatten.

Kein leichtes Thema für Kinder – aber auch keins, das man ausblenden sollte. Die Lesung jedenfalls hat bei meinen Kindern Eindruck hinterlassen. O-Ton dabei: Schade, dass wir keine Kinder mit Behinderungen kennen. Dann wären wir jetzt nicht so geschockt.

Der Freitag war ein Reinfall.

Alte Handelsbörse Leipzig ©Tulpentopf
Alte Handelsbörse Leipzig ©Tulpentopf

Zuerst sollte es um die Bratwurst gehen. Lamya Kaddor sollte uns berichten wie es ist, als muslimisches Kind in Deutschland aufzuwachsen und was passiert, wenn man beim Grillfest eine Bratwurst isst. Trotz pünktlicher Ankunft und geduldiger Warterei kam niemand rein in die Alte Handelsbörse, um genau das zu hören. Wohl weil die Gäste der Lesung davor einfach sitzen blieben.

Danach wollten wir in die Ausstellung von Schwarwel. Ich kenne seine Karrikaturen von Facebook und Co und war mir sicher, dass das was für die Kinder wäre. Ob das stimmt, werden wir nicht erfahren. Denn uns wurde wegen einer geschlossenen Veranstaltung der Zutritt zur Moritzbastei verwehrt. Da nützt jede noch so oft aktualisierte App nichts.

Samstag war dann einfach toll.

Wir enterten Lehmanns Buchhandlung gut 1,5 Stunden vor Lesungs-Beginn, stöberten durch die Bücher und ergatterten durch Zufall die kleine rote Couch. So hatten wir beste Sicht auf Ralph Caspers, der sein Kinderbuch so vorstellte, dass die Großen mindestens so viel zu lachen hatten wie die Kleinen.

Dazu ließ er die Zuhörer entscheiden, welche der vierzig Geschichten aus „Wenn Glühwürmchen morsen“ er vorlesen sollte. Dazu gab es Filmchen, die zeigten, wie der Illustrator seine Bilder zum Buch entstehen ließ sowie kleine Anekdoten zur Herkunft der Geschichten. Danach traute sich sogar der Junior, unser Buch signieren zu lassen.

Ralph Caspers mit neuem Kinderbuch ©Tulpentopf
Ralph Caspers mit neuem Kinderbuch ©Tulpentopf

Gleich im Anschluss ging es zu Adam Fletcher in die Alte Nikolaischule. Ein kurzer Weg und das war unser Glück, denn nur wenig später waren alle Plätze weg und die Leute standen bis in den Flur, um wenigstens eine Entschuldigung des britischen Autors zu hören.

Obwohl sein Buch „So sorry“ heißt, hörte man diese zwei Worte gar nicht so oft, wie man vermuten sollte. Dafür ging es um den Brexit (Sorry or not?), um Wettleidenschaft (eigentlich auch Brexit), um britische Höflichkeit (und was dahinter steckt), ums Wetter (wie passend bei dem Schneechaos).

Adam Fletcher mit "So sorry" ©Tulpentopf
Adam Fletcher mit „So sorry“ ©Tulpentopf

Besser als erwartet.

Diese letzte Lesung war sicher noch nichts für den Junior. Und auch nur bedingt etwas für die Große. Aber die ließ sich von mir den ein oder anderen Witz übersetzen/erklären bis sie zu müde dafür wurde. Der Junior spielte anfangs mit seinem neuen Mini-Multifunktionstooldings, was den Herrn vor ihm aber störte.

Also durfte er ans Handy, hörte aber doch mit mindestens einem Ohr hin, wie ich an seinen Kommentaren merkte. Was den Herrn vor ihm wieder störte. Aber das war mir reichlich egal. Denn es zeigte, dass ich mit meinen Kindern auch in Lesungen gehen kann, die nicht ausdrücklich für Kinder sind. Also machen wir das im nächsten Jahr ganz bestimmt wieder.

Über die Lesungen am Messe-Sonntag werde ich noch separat berichten, da dieser Beitrag sonst viel zu lang wird. 

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