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Mein Rückblick auf die Leipziger Buchmesse

Ja ich weiß, die Leipziger Buchmesse als Einheimische und Leseratte Jahr für Jahr an mir vorbei ziehen zu lassen, kommt einem Hochverrat gleich. Aber hey, seit diesem Jahr ist das ja anders. Denn ich war da und auch noch halbwegs vorbereitet: Auf die Fülle der Möglichkeiten, auf das Gedränge und auch auf neue Liebschaften. Und dank meiner Begleitung sogar nicht planlos.

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Leipziger Buchmesse 2014

Das Abenteuer Buchmesse begann vernünftiger Weise mit der Online-Buchung des Tickets und Park+Ride. Beides sparte Kosten und Nerven. Und die zwei Stationen mit der Straßenbahn brachten ganz nebenbei noch satirische Blüten der menschlichen Dummheit hervor. Es ist jedenfalls total hirnrissig, in eine Straßenbahn einsteigen zu wollen, die vor lauter Insassen noch nicht einmal mehr die Türen richtig öffnen kann. Noch dazu, wenn die nächste Straßenbahn schon in Sichtweite heranrollt.

Die große, zentral gelegene Glashalle empfing uns dann mit sommerlichen Temperaturen und wurde spätestens gegen Mittag zum subtropischen Gewächshaus. Schräge und exotische Vögel gab es jedenfalls zu Hauf zu sehen, denn die angereisten Cosplayer hatten mitnichten Lust, sich nur in der Manga-Halle zu präsentieren. Leider sahen die wenigsten Kostümierten wirklich ansprechend aus, was man selbst dann erkannte, wenn man keine Ahnung von der jeweils dargestellten Figur hatte.

Die Manga-Halle selbst war eine einzige Enttäuschung. Natürlich ist das so eine Sache, wenn ein Genre zum ersten Mal seine eigene Halle bekommt. Der erste Eindruck war jedoch der eines Wochenmarktes mit einem Überangebot an Tshirts und Plüschtieren. Daran änderten auch Manga-Kino, Bogenschießen und Zen-Garten nix, denn die halbwegs stilvoll angelegten Oasen wirkten zwischen dem schreiend bunten Merchandise irgendwie fehl am Platze.

Wenn man dann so wie ich nicht einmal Manga-Fan ist, braucht man maximal 15 Minuten, um die Halle im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich zu lassen. Mein Ziel waren sowieso vor allem kleine Leipziger Verlage, deren Lage ich mir vorher schon herausgesucht hatte. Sicher hatten auch die großen Verlagshäuser einiges zu bieten, aber deren Bücher findet man ja heute sogar an jeder dritten Tankstelle.

Ich aber wollte auf der Leipziger Buchmesse die versteckten Schätze finden, neue Autoren, neue Themen und soweit möglich persönlichere Kontakte. Und es kam auch wirklich zu netten Gesprächen mit Autoren und Verlegern. Zum Beispiel mit Joachim Jahns, Verleger beim Dingsda-Verlag, über die Notwendigkeit kleinerer Schriftgrößen, um manche Werke überhaupt verlegen zu können.

Oder mit den Leuten vom Leipziger Literaturverlag, die vor allem Autoren östlichen Nachbarstaaten in die Bücherregale Deutschlands bringen wollen. Oder der quirligen Jutta Brettschneider, die ganz anders als das Cover ihres Buches höchst lebendig und fit aus der Wäsche guckt und mir aufgeregt von 10 Jahren in einem Ingenieurbüro mit ausschließlich männlichen und ausschließlich japanischen Kollegen erzählt.

Und immer wieder auch die Problematik Urheberrecht. „Dürfen wir als Blogger Ihre Buchcover verwenden, wenn wir rezensieren?“ Die Antwort ist immer ein deutliches Ja, aber einige Verleger berichten selbst auch vom komplizierten Hin und Her, wenn der Gestalter des Buchcovers plötzlich bei der Abbildung mit genannt werden will. Oder der Autor spezielle Wünsche hat, welchen Farbstich das Cover online haben sollte.

Bedauerlicher Weise war es an manchen Ständen der Leipziger Buchmesse gar nicht möglich, überhaupt ins Gespräch zu kommen. Bei den einen war der offensichtliche Ge- und Verlegenheitstalk zwischen Autor und Messestandbesetzung wichtiger als die Kundschaft. „Ach na, Mensch, bist ja auch da!“ – „Ja sicher, komme später wieder.“ – „Wir laufen nicht weg“ – „Schon was verkauft?“ – „Ja, geht so.“ Und dann mindestens fünf Verabschiedungen, bevor man sich wirklich trennte.

Bei anderen langweilte sich das Personal ausgiebig, sprach offensichtlich interessiertes Publikum aber auch nicht an. Leider. Denn auf Dauer kommt man sich schon blöd vor, wenn man Buch um Buch in die Hand nimmt und drumherum drei Verlagsvertreter Löcher in den Boden stehen. Oder besser noch direkt vor den besten Büchern sitzen und sich keinen Zentimeter zur Seite bewegen, auch wenn man sie mit der Tüte voller Infomaterial quasi erschlägt.

Enttäuscht dürften all jene gewesen sein, die auf Giveaways gehofft hatten. Mehr als Lesezeichen mit Buchwerbung, Leseproben und die ein oder andere originell gestaltete Tüte für Prospekte und Bücher gab es kaum. Schlimm fand ich das jetzt nicht, aber das Fehlen jeglichen Werbematerials abseits der Papierform war doch schon auffällig.

Nach 5 Stunden im Leserattenparadies waren dann nicht nur meine Füße erledigt, sondern auch meine Toleranzgrenze bezüglich der Menschenmassen überschritten. Nächstes Jahr wird der Besuch auf den Donnerstag vorverlegt, denn selbst für einen Freitag war ab 12 Uhr mittags einfach zu viel los. Soll noch mal einer sagen, dass das geschrieben Wort aus der Mode gekommen ist. Wer das glaubt, war nicht auf dieser Buchmesse.

Was ich auf der Leipziger Buchmesse so gelernt hab:

  • Tickets kauft man online, weil billiger
  • nichts geht über Park+Ride
  • mach dir vorher einen Plan, wo in welcher Halle welcher Verlag ist
  • nimm jedes Prospekt mit, dass du kriegen kannst, sonst hast du am nächsten Tag die Hälfte der interessanten Bücher und Verlage schon wieder vergessen
  • wo viele Leute rumstehen, hockt meistens ein mehr oder weniger bekannter Mensch für Autogramme herum
  • Snackpausen ohne Buchstaben vor der Nase sind ein Muss
  • das Essen beim Chinesen schmeckt nicht, das Eis bei Mövenpick dafür umso besser
  • beste Pausenunterhaltung ist das Schaulaufen der Cosplayer an den äußeren Rändern der Glashalle
  • genieße auf dem Rückweg die Gewissheit, schneller und billiger davon zu kommen, als die die vor Ort geparkt haben
  • freu dich aufs nächste Mal
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ommentare

  1. Die Manga-Halle gab es übrigens schon letztes Jahr und da war sie irgendwie auch noch besser… oder meine Erinnerung verklärt sich 😉
    Die Erfahrung mit dem gelangweiltem Standpersonal habe ich leider auch gemacht… aber solche Menschen gibt es immer.
    Ich persönlich fand es am Freitag noch angenehm von den Menschenmassen her, aber das ist natürlich dem persönlichem Befinden überlassen.
    Und mein Tipp zum Bücher merken, die man nicht sofort kaufen will: Foto von machen. Da hatte keiner am Stand was gegen, auch, wenn manche gefragt haben warum ich ein Foto mache, und man kann zuhause dann in Ruhe gucken, welche Bücher einem interessant erschienen. 😉

  2. Ach ja die Messe, wehe sie wird nächstes Jahr doof. Wobei irgendwie viele (also außer die ganzen „ich bin ein Otaku“ Kleinkinder) meinen, dass die Mangahalle extrem schlecht gewesen sein soll.

    Trotzdem toller Rückblick und danke noch mal für die Fotos 🙂

    1. Klar wird nächstes Jahr cool. Wir sorgen schon dafür. Und ja, vielleicht gibt es dann mangamäßig auch mal was zu sehen, was mich überzeugt. Dachte ja, socleh Messe-Events sind genau dazu gedacht^^

  3. Mir ist die Buchmesse als „großer Jahrmarkt“ in Erinnerung. Vor einem unvorbereiteten Besuch muss ich warnen; denn der ist anstrengend (und war für mich abschreckend). Schillers und Goethes Nachfolger sind dort spontan nicht zu treffen. Teilweise dachte ich: „Oh Gott, wirf mehr Hirn vom Himmel!“
    Nun besteht auch noch die Gefahr, dass sich rechts- oder linksextremistische Verlage und Autoren präsentieren. Das Leipziger Stadtmagazin „Kreuzer“ verbreitet beispielsweise unmittelbar vor der Leipziger Buchmesse 2018 eine Werbepostkarte mit dem „Kreuzer-Lieblingssatz“ der Ausgabe 03/2018: „Dem Kapitalismus nichts abgewinnen“ – so, als ob wir dem Sozialismus ehemals hätten was abgewinnen können. (Es gibt leider keine Alternative zwischen Privateigentum und Staatseigentum – und letzteres führt als sogenanntes „Volkeigentum“ a priori immer in den sicheren wirtschaftlichen Ruin.) Solche Sätze sind Hetze.
    Aber selbst seriöse Verlage sind inzwischen vorwiegend kommerzgesteuert. Obwohl das Buch „Zukunft Musik“ (2006) umfangreich durch Fakten begründet als „historiografisches Ärgernis“ charakterisiert wurde, veröffentlicht der Böhlau-Verlag jetzt vom gleichen Autor das Buch „Musikort Weimar“. Über das wirkliche Weimar und wie der Autor dieser Bücher und weitere Repräsentanten am Bild von Weimar und der eigenen Reputation putzen, kann nachgelesen werden im Buch „Defekte einer Hochschulchronik – Die Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar – eine Aufarbeitung“, Mitteldeutscher Verlag 2018.

    1. Sehr geehrter Herr Mey,
      es ist schon bezeichnend, dass Sie einen Beitrag zur Buchmesse von 2014 kommentieren, obewohl es doch noch einige mehr davon auf unserem Blog gibt.

      Rechte und linke Verlage gibt es ebenfalls seit Jahren und zum Glück auch immer durchaus geistreiche Aktionen gegen diese Strömungen.

      Natürlich kann man sich die negativen Dinge rauspicken und auf das kommerzgesteuerte Agieren der Verlage hinweisen. Man könnte aber auch die vielen Jugendlichen sehen wollen, die Jahr für Jahr mit einem reichmarkierten Messeplan durch die alle strömen. Das wäre vielleicht auch effektiver, wenn man auf fremden Blogs Werbung fürs eigene Buch machen will.

      Freundliche Grüße
      Tina vom Tulpentopf

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