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Fußball-Weltmeister: Freude und Stolz ausdrücklich erlaubt

Heute wurde unsere Fußball-Nationalelf mit großem Tammtamm in Berlin empfangen. Mehrere hunderttausend Deutsche umjubelten die frisch gebackenen Fußballweltmeister und sind stolz auf die Jungs. Viele halten den Wirbel für total übertrieben und haben vielleicht Recht. Viele sagen, dass wir deutschen Zuschauer keinen Grund haben, Stolz auf den Sieg bei dieser Weltmeisterschaft zu sein. Das sehe ich anders.

Fußball-WM 2014
©Bernd Kasper / pixelio.de

Für die meisten Griechen ist Deutschland der Grund, warum arme Griechen noch ärmer sind. Für die meisten Flüchtlinge ist Deutschland eines der Länder, in denen sie am wenigsten gern gesehen sind. Für die meisten Juden ist Deutschland auch heute noch Hitlers Reich. Für viele Deutsche ist ihr Land außerdem noch das Land der sozialen Ungerechtigkeit, der unfähigen Regierung und der grenzenlosen Dummheit.

All das stimmt irgendwie. Jetzt sind wir aber auch noch das Land, dessen Fußball-Mannschaft bei einem wichtigen Turnier besser war als alle anderen Teilnehmer. Also zumindest mehr Tore geschossen hat als ihre jeweiligen Gegner in den jeweiligen Partien. Das ist die vorsichtig ausgedrückte Variante. Ein wenig mutiger könnte man einfach sagen: Die deutsche Fußballmannschaft hat die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gewonnen. Euphorisch gesprochen heißt es einfach: Wir sind Weltmeister!

Mit gefällt irgendwas zwischen der mutigen und der euphorischen Variante. Und ich bin stolz. Stolz aus dem gleichen Land zu kommen, wie die neuen Fußballweltmeister. Das ist falsch, sagen viele. Das ist nationalistisch und würden das erste „t“ gern in diesem Wort gern gegen ein „z“ austauschen. Nationalstolz ist politisch nicht vertretbar. Deutsche haben keinen Grund, stolz auf ihre Nationalität oder ihr Land zu sein. In diesem Fall würde das eh nur den Rassismus im Land fördern.

Wow, das ist ja mal hart. Schade, dass wenige fragen, worauf ich denn da stolz bin. Ich sage es euch: Darauf, dass dieses Land solche Männer hervorgebracht hat, wie die Spieler dieser Fußballmannschaft. Nicht allein wegen ihrer sportlichen Leistungen, sondern auch und vor allem wegen ihrer menschlichen Qualitäten.

Man kann ein (Fußball-)Spiel gewinnen und einfach nur triumphierend über den Platz hüpfen. Oder den Gegner trösten, Mut zusprechen und sogar noch faire Komplimente machen. Auch wenn man die Gegenspieler mit vernichtendem 7:1 im eigenen Land nach Hause schickt. Mesut Özil fand da die passenden Worte via Twitter. Auch der Rest der Mannschaft war sich für persönliche Anteilnahme auf dem Platz nicht zu schade.

Und habt ihr den Jungs in den Interviews mal zugehört? Allein Manuel Neuers aussage, dass es nicht um den einzelnen Spieler geht, sondern das Team. Und das Team hinter dem Team. Also alle, die irgendwie dafür gesorgt haben, dass die besten Spieler entdeckt, gefördert, gefordert und gepflegt wurden. Und auf dem Platz ihre Stärken zielgerichtet einsetzen konnten. Bestes Beispiel hier ein Sami Khedira, der beim Spiel der Spiele gegen das eigene Ego und für die Mannschaft auf die Teilnahme verzichtete.

Warum soll ich nicht stolz darauf sein, dass solche fairen, respektvollen und teamorientierten Männer aus unserem Land kommen. Und dann auch noch den Weltmeistertitel holen? Gerade weil in unserem Land, also in Deutschland so vieles im Argen liegt und wir und/oder unsere offiziellen Vertreter nicht immer so fair verhalten. Diese Mannschaft hat doch im sportlichen Bereich gezeigt, das Deutschland auch anders kann.

Abgesehen davon: Ich kann mich freuen, auch wenn überall auf der Welt Menschen umkommen, unter widrigen Bedingungen leben müssen oder von anderen Menschen bedroht werden. Der Sinn des Lebens besteht beim besten Willen nicht darin, sich für jede Freude, für alles Schöne, dass man erlebt, in Grund und Boden zu schämen.

Sinnvoller wäre es, die guten Eigenschaften dieser Fußballmannschaft in sein eigenes kleines Leben zu übernehmen. Und kann nun und sollte für unsere Jugend als Vorbilder gelten. Dafür, das Beste aus sich heraus zu holen, sich für etwas aktiv zu begeistern und wie man mit (für den Moment) schwächeren Menschen umgeht. Das muss ja nicht einmal beim Fußball sein. Vielleicht entsteht dann daraus eine Generation, die mehr richtig macht als die vor ihr.

Also von mir ein herzliches Willkommen zurück in der Heimat an die deutsche Fußballmannschaft. Ihr habt das toll gemacht und ich bin stolz auf euch.

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