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Erfahrungsbericht Ostseeklinik Zingst (3)

Eine Mutter-Kind-Kur besteht nicht nur aus dem, was im Therapieplan steht. Am Wochenende ist der ja eh leer. Aber auch sonst hat man durchaus Freiräume, die man füllen kann. Ob nun mit Kind oder ohne, ob nun kreativ, informativ oder sportlich. Was also neben der verordneten Therapie in der Ostseeklinik Zingst noch so angeboten wurde, lest ihr in diesem dritten Teil meines Erfahrungsberichts.

Gespenster-Bastelei ©Tulpentopf
Gespenster-Bastelei ©Tulpentopf

Eigentlich geht es schon mit der Anreise los. Wenn sich ab 15 Uhr alle Muttis noch aufgeregt und mindestens leicht gestresst an der Rezeption oder bei den Reha-Begleitern anstellen, werden die Kinder gleich mal von einem Clown begrüßt. Und mit Luftballons beschenkt. Der wird auch in den kommenden drei Wochen immer irgendwie da sein. Dann meistens aber ohne Kostüm und außerdem ist es eine Frau.

Nämlich als DIE Ansprechpartnerin fürs Kreative. Ob nun Sandbilder, Bernsteinbäumchen oder maritime Schlüsselanhänger und Gespenster – dieses freundliche Gesicht erkennt man mit und ohne Clownschminke. Die Schlüsselanhänger und Gespenster habe ich dann auch mit meinen Kindern gebastelt. Bei allem anderen habe ich mich jedoch weitestgehend ausgeklinkt.

Das lag zum Teil an den Kosten, zum Teil aber auch am jeweiligen Termin. Und manchmal schlicht daran, dass mir das Thema nicht gefiel. Für eine bemalte Tasse oder Müslischüssel mochte ich einfach keine 15 Euro ausgeben.Unter dem Töpfern hatte ich mir etwas anderes vorgestellt und was beim Nassfilzen herauskommt finde ich einfach nicht schön. Spaß gemacht hat dagegen aber das Bernsteinschleifen, wo man immerhin selbst wählen konnte, wieviel Geld man für den jeweiligen Stein ausgeben will.

Angebote in der Übersicht ©Tulpentopf
Angebote in der Übersicht ©Tulpentopf

Viele Kreativangebote fanden vormittags statt. Um sie mit den Kindern wahrzunehmen, hätte ich sie also aus den Gruppen nehmen müssen. Da kollidiert dann aber mit den Aktivitäten in der Gruppe und mit dem Vorsatz, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Manche Angebote waren aber auch abends, wo dann wieder das Betreuungsproblem aufkam, falls der Nachwuchs desinteressiert oder schlicht noch zu klein ist. Bei Zumba war es ähnlich.

Die Sportangebote sind aber sowieso heiß begehrt und daher schnell ausgebucht. Kurse wie Yoga und Tae-Bo sind aber grundsätzlich einzelne Trainingseinheiten im Sinne von Schnupperkursen und bauen nicht aufeinander auf. Wer also einmal beim Yoga mitmachen konnte, sollte auf weitere verzichten. So kommen auch andere Mütter in den Genuss und man selbst ist nicht frustriert, weil nichts neues dazu kommt.

Für alle Freizeitangebote gilt der Grundsatz der Klinik, dass man sich bewusst für ein Angebot entscheiden und die To-Do-Liste des Tages kurz halten soll. Deshalb überlappen sich die meisten Angebote zeitlich – entweder miteinander oder mit den verordneten Therapien. Dann heißt es, erst einen Platz im Kurs sichern und dann zur Therapieplanung, um die Massage oder die Teilnahme am Vortrag auf einen anderen Termin zu verlegen.

Alle Freizeitangebote werden zwei Tage im Voraus an den Infotafeln gegenüber der Rezeption ausgehängt. Außerdem wurde für jede Woche ein kleines, kopiertes Heftchen ausgegeben, auf dem alle Angebote für die Woche mit Tag und Uhrzeit aufgeführt waren. Für einige Angebote musste man sich an der Rezeption in Teilnehmerlisten eintragen lassen. Dort werden auch evtl. anfallende Kursgebühren entrichtet.

Schildkröte im Meeresmuseum Stralsund ©Tulpentopf
Schildkröte im Meeresmuseum Stralsund ©Tulpentopf

Für die therapiefreien Wochenenden wurden jeweils zwei Ausflüge angeboten. (Am ersten Wochenende steht nur die Kutschfahrt durch Zingst zur Verfügung zum Preis von vier Euro pro Erwachsenen und zwei Euro pro Kind.) So konnte man nach Stralsund ins Meeresmuseum, zum beliebten Karls Erdbeerhof, zum Indoorspielplatz „Pandino“ und zum Darßer Leuchtturm fahren.

Die Ausflugsziele waren jeweils nicht weiter entfernt als eine Stunde mit dem Bus und kosteten pauschal 15 Euro für Erwachsene und 10 Euro pro Kind. Da wir nur den Ausflug nach Stralsund mitgemacht haben kann ich zu den anderen nichts sagen. Der Besuch des Meeresmuseums war jedenfalls eine schöne Idee. Allerdings hat man danach noch so viel Zeit, dass man (zumindest im Winter) ziemlich dumm dasteht.

Hätten wir das vorher gewusst, wären wir schnurstracks zum Ozeaneum gelaufen, um das auch noch „mitzunehmen“. Leider haben wir den Weg dorthin zu spät gefunden und konnten auch nicht abschätzen, wie weit dieser zu erlaufen ist.Die vielen schönen Kirchen in Stralsund machen samstags leider Punkt 12 Uhr mittags zu. So kann man sie nur noch von außen bestaunen. Wenn man nicht Shoppen gehen will, steht man also ziemlich dumm herum bis der Bus wieder fährt.

Drachensteigen in Zingst ©Tulpentopf
Drachensteigen in Zingst ©Tulpentopf

Die beste Freizeitbeschäftigung in der freien Zeit mit und ohne Kinder war aber sowieso der Gang an den Strand. Abgesehen davon stand der als „Inhalation in der Brandungszone“ sowieso im Therapieplan. Auf das „Wassertreten im Spülsaum“ haben wir bei den Temperaturen großzügig verzichtet. Aber Sandburgen bauen, Drachensteigen lassen und Schätzesuchen geht fast immer. Solange die Ostsee nicht den ganzen Strand für sich beansprucht.

Hier geht es zu den Teilen Eins (räumliche Gegebenheiten) und Zwei (verordnete Therapien) des Erfahrungsberichtes. Vielleicht sage ich in einem vierten Teil auch noch etwas Thema Krankheiten und andere Meckereien.

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