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Erfahrungsbericht Ostseeklinik Zingst (1)

Eine Mutter-Kind-Kur zu machen, ist eine feine Sache. Zumindest solange man sich da wohlfühlt, wo man diese Kur macht. Wo man sich gern aufhält, auch wenn das Wetter mies und die Stimmung eigentlich im Keller ist. Wo man sich und seine Kinder gut aufgehoben sieht. Für mich und meine Kinder sollte das die Ostseeklinik Zingst sein. Meine Eindrücke von der Klinik lest ihr hier. Im ersten Teil geht es dabei um die räumlichen Gegebenheiten.

Ostseeklinik Zingst ©Tulpentopf
Ostseeklinik Zingst ©Tulpentopf

Die Lage:
Die Ostseeklinik Zingst liegt etwa zwei Kilometer weit weg vom Ortszentrum von Zingst. Um zum Ostseestrand zu kommen muss man dagegen nur über eine kleine Straße, über den Deich und dann noch über die Düne. Vom Haupteingang der Klinik bis zum Sandstrand sind das dann wenn überhaupt 50 Meter. Jetzt im Winter hat man diesen Strand quasi für sich allein. Es ist nichts los. Einkaufen kann man zu Fuß in einem der drei Edeka-Märkte. Der nächstgelegene ist etwas 800 Meter entfernt.

Die Klinik:
Die Ostseeklinik Zingst sieht auf Postkarten und Luftbildern aus wie ein Komplex aus mehreren Gebäuden. Dieser Eindruck täuscht und wird durch einige grasbewachsene Dächer hervorgerufen. Die Klinik ist ein zweistöckiges Gebäude in Fischgrätenform. Es gibt also einen langen Hauptflur, der am Haupteingang beginnt und sich dann quasi bis in die Flossenspitze hinzieht. Von diesem gehen rechts und links kleinere Flure ab, die zu jeweils 12 Appartements führen.

Mein Lieblingsbild in der Ostseeklinik Zingst ©Tulpentopf
Mein Lieblingsbild in der Ostseeklinik Zingst ©Tulpentopf

Im vorderen Teil befinden sich die großen Appartements, die über Türen nach außen (also ins Freie) erreichbar sind. Auch die Gruppenräume für Kinder ab neun Jahren befinden sich außerhalb des Haupthauses. Ansonsten könnte man quasi den ganzen Tag in Hausschuhen herumlaufen. Vom eigenen Appartement erreicht man Seminar-, Therapie- und Kindergruppenräume genauso bequem, wie den Speisesaal, das medizinische Zentrum und das Schwimmbad. Alles ohne auch nur einen Fuß ins Freie gesetzt zu haben.

Überall im Haus (Flure und Appartements) hängen große Leinwandbilder mit dem allgegenwärtigen Zirkusthema. Einige sind eindeutig von Kindern gemalt. Bei manchen war ich mir aufgrund der offensichtlichen Kunstfertigkeit nicht so sicher. Hier seht ihr mein Lieblingsbild.

Die Zimmer:
Die Einrichtung der Appartements würde man im Reisekatalog wohl als „zweckmäßig“ bezeichnen: Kein Luxus, aber so, dass man zurecht kommt. Zum Appartement gehören ein Flur mit Garderobe und großem Wandschrank, ein Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und Toilette und zwei Zimmer zum Wohnen. Im Wandschrank ist ein kleiner Safe, dessen Schlüssel mit am Zimmerschlüssel hängt. Die Dusche hat ein tiefes Becken, so dass man quasi eine Sitzbadewanne daraus machen kann.

Das Bad mit Dusche ©Tulpentopf
Das Bad mit Dusche ©Tulpentopf
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Der Flur mit Garderobe @Tulpentopf
Doppelstockbett @Tulpentopf
Doppelstockbett @Tulpentopf

Das Hauptzimmer verfügt über das Bett für die Mama, einen Schreibtisch mit Fernseher, einem kleinen runden Tisch, zwei Stühlen und einer Kommode. Im Zimmer nebenan stand ein Doppelstockbett aus Metall, wo ich mit meinen 1,70m im oberen Bett noch gut nach dem rechten sehen konnte. Außerdem stand noch ein recht massives Gitterbett im Zimmer, das wir natürlich nicht brauchten, aber als Wäscheständer für „Kann man noch mal anziehen“-Klamotten nutzten. Leider war es dadurch für den Tisch mit zwei Stühlen in dem kleinen Raum doch recht eng.

(Mehr Bilder von unserer Räuberhöhle zeig ich euch an dieser Stelle mal lieber nicht.^^)

Der Speisesaal und das Essen:
In den ersten Tagen und an den Wochenenden essen Mamas gemeinsam mit den Kindern Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Morgens gibt es von 7:15 Uhr bis 8:45 Uhr Frühstück, abends ab 17 Uhr Abendessen. Unter der Woche gibt es für die Mamas ab 12:30 Uhr Mittagessen. Wird mit Kindern gegessen, richtet sich die Essenzeit nach der Tischnummer: Tisch 1-10 bekommen ihr Essen schon um 11:30 Uhr, die letzten um 12:30.

Speisesaal ©Tulpentopf
Speisesaal ©Tulpentopf

Es wird ausdrücklich darum gebeten, sich vor und nach dem Essen die Hände zu desinfizieren. Dazu gibt es direkt vor dem Speisesaal zwei Sprühdesinfektions-Stationen: Eine auf Normalhöhe und eine für die Kids. Kinder dürfen erst ab 8 Jahren allein ans Buffet, weil die jüngeren doch gern mal die Finger statt der Anlegegabel nehmen. Die Auswahl ist reichlich und vielseitig. Wenn man von Salami absieht, die immer schnell weg ist.

Mit Tischkarten wählt man jeden Tag sein Mittagsmenü für den nächsten Tag. Dabei hat man die Wahl aus drei Gerichten, von denen eins „vital“, eins „Normal“ und eins als „Kinderessen“ angesehen werden kann. Und genauso unterschiedlich ist es auch von der Qualität. Mal gibt es Makkaroni mit Tomatensoße wie zu Schulzeiten mit Jagdwurstschnitzel, mal gefüllte Backkartoffel wie im guten deutschen Restaurant. Ein Gericht ist immer vegetarisch.

Rezeption, Cafeteria und der Aufgang zum medizinischen Zentrum ©Tulpentopf
Rezeption, Cafeteria und der Aufgang zum medizinischen Zentrum ©Tulpentopf

Das medizinische Zentrum:
Auch um zum Arzt zu kommen, kann man die Hausschuhe einfach anlassen. Man muss dazu nur im Eingangsbereich eine große Treppe hoch und ist schon da. Es gibt Sprechzeiten für den Arztbesuch. Es ist allerdings auch immer eine Sprechstundenhilfe oder Krankenschwester da, die einem fiebernden Kind auch nachts um drei eine Portion Fiebersaft verabreicht. Man kann dort also rund um die Uhr und auch am Wochenende auf eine erste Hilfe zählen.

Die Ärzte sowohl für die Kinder, als auch für Erwachsene sind sehr unterschiedlich. In Heransgehensweise, Umgang mit den Patienten und in der Beurteilung des Krankheitsbildes. Während ein Arzt der Meinung ist, dass sich ein Ausschlag von allein geben muss und durch die Entspannung auch wird, bekommt man bei einem anderen gleich zwei verschiedene Mittelchen und noch zwei drei Hausaufgaben. Wenn einem also die Meinung eines Arztes nicht passt, einfach am nächsten Tag um einen Termin bei einem anderen Arzt bitten. Das funktioniert völlig unkompliziert.

Hauptflur mit Zugang zu den Gruppenräumen ©Tulpentopf
Hauptflur mit Zugang zu den Gruppenräumen ©Tulpentopf

Die Kinderbetreuung
Die sechs Gruppenräume für die Kinder zwischen 0 und 8 Jahren liegen zwischen Cafeteria und dem Gebäudeteil mit den Appartements. Sie bestehen aus einem kleinen Flur, Waschraum, Toilette und dem eigentlichen Gruppenraum. Dieser hat eine Glasfront zum großen Spielplatz hin und eine zweite Etage, die über eine Wendeltrepper erreichbar ist. Dort oben ist quasi Rückzugsort und Kuschelecke. Natürlich gibt es an der Glasfront eine Tür zum Freigelände, so dass die Kids unkompliziert und schnell den Spielplatz stürmen können. Dieser hat einen eingezäunten Bereich nur für die kleinsten und ist insgesamt schön großzügig angelegt.

Die Kinder werden in Gruppen betreut, bei denen der Altersunterschied maximal ein Jahr beträgt. Es stehen meist drei Betreuer zur Verfügung, die die Betreuungszeit von 7:45 Uhr und 15 Uhr gut abdecken. Ab 15:15 Uhr gibt es außerdem noch eine Auffanggruppe, falls Mama noch einen Termin hat. Kinder der kleineren Gruppen bekommen grundsätzlich das Kinderessen, größere dürfen wählen. Bis zur Gruppe K04 (5-6 Jahre) wird im Gruppenraum gegessen, größere Kinder gehen mit ihrer Gruppe in den Speisesaal – bevor die Mamas kommen.

Außenansicht der Gruppenräume ©Tulpentopf
Außenansicht der Gruppenräume ©Tulpentopf
Hauptspielplatz der Ostseeklinik Zingst ©Tulpentopf
Hauptspielplatz der Ostseeklinik Zingst ©Tulpentopf

Die Aktivitäten in den Gruppen sind vielseitig. Natürlich geht es viel raus an den Strand und mindestens einmal am Tag öffnen sich die Glastüren zum großen Spielplatz. Ansonsten wurden bei uns mit Salzteig gebastelt, Bilder mit Pinsel und Wasserfarbe gemalt, bunte Sandflaschen gestaltet und Topflappen gefädelt. Die Kleinen machten eine Kutschfahrt, die Großen waren beim Bernsteinschleifen und auch zweimal im Schwimmbad. Für neugierige Mütter stand der Tagesplan auf einem A4-Blatt im Eingangsbereich der jeweiligen Gruppe.

Weiter geht es in Teil 2 mit den Therapie- und Freizeitangeboten. Meine Erkenntnisse aus der Mutter-Kind-Kur kann man hier nachlesen.

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