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Dunkelrestaurant Mondschein – Ein ganz anderer Restaurantbesuch

Nadjas Bericht über ein besonderes Restaurant

Neugierig war ich schon eine ganze Zeit als ich gehört habe, dass es auch in Leipzig ein Dunkelrestaurant gibt: Das Dunkelrestaurant Mondschein. Essen, ohne zu sehen, was und wie man das Gericht isst. Das klingt doch spannend.

Als ich den Gutschein für den Besuch im Dunkelrestaurant Mondschein in Leipzig verschenkt habe, hoffte ich mit zum Besuch gehen zu können und nun war es soweit. Für den Besuch muss man vorher reservieren, was problemlos online oder telefonisch geht und vom Restaurant per Email als Erinnerung noch bestätigt wird.

Wir waren etwas vor unserem Termin im Restaurant und wurden freundlich begrüßt. Im Sommer kann man vor dem Restaurant den ersten Drink bestellen und im Winter im hellen Barbereich.

Nachdem man sich mit der Getränkekarte vertraut gemacht hat bekommt man eine Speisekarte. Diese ist aber bei weitem nicht so wie man es von üblichen Speisekarten kennt. Man hat die Wahl zwischen vier Menüfolgen: Fleisch, Vegetarisch, Fisch oder Überraschung.

Je nachdem ob man ein 3 oder 4-Gängemenü bestellt hat bekommt man 1 – 2 Vorspeisen, ein Hauptgericht und eine Nachspeise. In der Menükarte werden diese liebevoll umschrieben. Nach der Auswahl werden noch ein paar allgemeine Regeln im Restaurant angesprochen (kein Handy, keine leuchtende Uhr oder Feuerzeug) und der Kellner, der einen im dunklen Bereich betreut, wird einem genannt.

Anschließend wird man zu seinem Kellner gebracht. Nach einer gegenseitigen Vorstellung geht es im Gänsemarsch (die Hände auf die Schulter des Vordermanns) in den dunklen Bereich. Und ja, man sieht die Hand vor Augen nicht bis man sie sich an die Nase/Augen haut, ich habe es ausprobiert.

Am Tisch gibt der Kellner eine kurze Orientierung: Wo ist das Besteck, wo findet man Ersatzservietten und Gewürze und wo stellt man am besten sein Getränk ab. Dann kommt die erste Vorspeise, eine Suppe. Neben der Frage was für eine Suppe man da vor der Nase hat und welche Einlagen in der Suppe sind fragt man sich auch ob man alles ohne zu kleckern gegessen hat.

Überhaupt ist neben dem Riechen und Schmecken das Tasten das Hauptgefühl. Und man stellt schnell fest wie viel man doch mit den Augen wahrnimmt, vor allem aber, dass der Spruch „Mit den Augen essen“ viel Wahres beinhaltet.

Der Kellner betreut seine Gäste sehr gut. Fragt – ohne aufdringlich zu sein – nach, wie es einem geht und ob man mit dem Gang fertig ist bzw. den nächsten Gang haben möchte. Bei jedem Gang fragt man sich erneut was man jetzt isst, einige Sachen erkennt man und bei anderen liegt man voll daneben. Zwischendurch spielen einem die Augen mal einen Streich und man meint Lichtblitze oder helle Punkte zu sehen. Ebenfalls verliert man etwas sein Zeitgefühl.

Ist man mit dem Essen fertig und wieder bereit ins Helle zu gehen, wird man vom Kellner im Gänsemarsch wieder zurück geführt. Durch die indirekte Beleuchtung ist die Wiedereingewöhnung ans Helle zwar trotzdem mit viel Blinzeln verbunden aber es geht schnell wieder.

Hier bekommt man dann anhand von Bildern gezeigt was man in den letzten Stunden gegessen hat, allerdings nicht ohne vorher einen Tipp abzugeben. Und oft ist man überrascht – sowohl wenn man richtig lag als auch, wenn nicht. Dazu muss man noch sagen, dass das Essen im Dunkelrestaurant Mondschein sehr lecker ist.

Die Erfahrung war sehr interessant und ich würde es jederzeit weiterempfehlen. Selbst wenn man weiß, dass man wieder sehen kann, bekommt man einen guten Eindruck dafür, worauf sich blinde Menschen einlassen müssen bei einem Restaurantbesuch. Auch wenn dies nur ein kleiner Einblick in so ein Leben ist.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sie nutzen, um so eine Erfahrung zu machen. Hier geht es zur Webseite vom Dunkelrestaurant Mondschein in Leipzig: Klick!

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