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Gestatten: Bridget Jones, 39, Zeitarbeitskraft

Eins vorweg: Diesen Text schrieb ich mir im vergangenen Jahr nach einem Höllentag von der Seele. Die Angelegenheit ist also NICHT mehr aktuell. Inzwischen habe ich einen neuen Job und konnte diese bescheidene Erfahrung hinter mir lassen. Trotzdem muss ich sie loswerden.


„Ich schätze Sie als Zeitarbeitskraft und als Mensch, aber ich sehe Sie nicht als Festangestellte in meinem Team.“ Was für eine Aussage! Und ich Trottel bedanke mich keine 75 Sekunden später auch noch, dass sie reinen Tisch macht. Ich bin wie Bridget Jones!

Mal ehrlich, wie blöd kann man sein? Was das angeht, überrasche ich mich jedes Mal aufs Neue. Seit Monaten sitze ich in diesem Großraumbüro, prüfe Daten und versuche diese in so korrekter Form wie irgend möglich ins Nirvana der hauseigenen Datenbank zu entlassen.

„Da gibt es bei Ihnen einfach noch zu viele Prozessschwierigkeiten.“ Mir schwant allerdings, dass der einzige Prozess, den ich nicht verstanden habe, der des Nicht-fragen-einfach-machen ist. Denn es ist ja nicht so, dass die Leute um mich herum keine Fragen hätten.

Sie fragen halt nur andere Leute als ich. Nämlich einfach die fünf Leute um sich herum und nicht den „Prozessverantwortlichen“. Auch wenn das eine alle paar Wochen im Teammeeting aufs Neue verboten und das andere ausdrücklich erwünscht ist.

Warum sonst habe ich das dumme Gefühl, dass die Ungehorsamen ungeschoren davon kommen. Und ich Bridget Jones-mäßig dank Bravsein mit dem Hintern in der Kuhscheiße lande. Vor laufenden Kameras und in Großaufnahme.

„Ich hätte Ihnen auch was von fehlenden Kapazitäten erzählen können. Aber Sie hätten ja bald gemerkt, dass wir doch welche einstellen.“ Ja, danke, immerhin. Da waren sie um, die 75 Sekunden. Die Kameras laufen natürlich immer noch. Mein Hirn offensichtlich nicht mehr.

„Ich hoffe, Sie bleiben trotzdem bis zum Ende der Frist bei uns.“ Heißt übersetzt dann auch nix anderes als: „Ich will Sie nicht behalten, aber für den Moment brauche ich Sie noch.“ Dafür habe ich mich nicht bedankt. Aber selbst Bridget Jones findet bekanntlich auch mal ein paar einsatzbereite Hirnzellen.

Wann meine Frist als Zeitarbeitskraft abläuft, weiß noch keiner so genau. Da gibt es nämlich noch nichts Schriftliches und vorerst sind alle Verantwortlichen im Urlaub. Im besten Fall ist in sechs Monaten. Im Bridget Jones Fall sollte ich mir schneller einen neuen Job besorgen. Vielleicht sogar besser in jedem Fall.

Was tut man nach so einem Gespräch? Mit Freunden reden, Junk Food einwerfen und den Sekt kaltstellen. Und dann statt „All by my self“ zu johlen lieber zu „Jump arround“ hiphoppen. Dazu dann der echten Bridget Jones zuschauen, wie sie meine peinlichen Momente in den Schatten stellt. Danke dafür, Schwester!

Und morgen – ja morgen stellen wir dann mal wieder ein paar Job-Mail-Assistenten ein. Irgendwann wird er schon auftauchen: Der fairere Job beim wertschätzenderen Arbeitgeber. Oder vielleicht – endlich, endlich- Mr. Darcy!


Schlusswort:
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass dieses Erlebnis schon eine ganze Weile zurückliegt. Allerdings steht es für einen Führungsstil, der leider immer mehr „in Mode“ kommt. Weil ich das echt daneben finde, musste dieser Text einfach raus. Ihr habt ja vielleicht schon ähnliches erlebt.

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