LebenStudium

Ab jetzt wieder Student

Bevor es den Tulpentopf-Blog gab, gab es Tinas-Tag. Dann kam eine fixe Idee, die ganz viel mit Büchern und ganz viel mit Geschichte(n) zu tun hat und es brauchte einen Neuanfang. Die fixe Idee war ein neues Studium, der Neuanfang ein Blog, der zu der Idee passt. Trotzdem dauerte es noch gut zwei Jahre bis aus der fixen Idee Realität werden sollte. Jetzt ist es soweit.

Studienmaterial für Tina vom ©Tulpentopf
Studienmaterial für Tina vom ©Tulpentopf

Vor zwei Jahren war ich gefrustet vom Alltagstrott. Mein Job nervte, die ehrenamtliche Arbeit für den Kulturverein war nur noch Stress und Papierkram und ich beneidete meine Kinder um die Möglichkeit, so viele spannende neue Dinge zu lernen. Bis mir einfiel, dass es ja wohl meine Sache ist, ob ich nochmal was Neues lerne oder nicht.

So landete ich bei den Kulturwissenschaften an der Fern-Uni Hagen. Genauer beim Studiengang Bachelor of Arts für Literatur und Geschichte. Da ich ganz nebenbei noch ein paar Brötchen verdienen muss, geht das natürlich auch nur in Teilzeit. Dann wird es aber auch nicht so teuer, nämlich 171 Euro pro Semester.

Bevor ich mich aufs neue Wissen stürzen konnte, musste ich aber noch ein wenig aufräumen. Also Platz in meinem Leben und in meinem Kopf schaffen. Und das war es auch, was ganze zwei Jahre gedauert hat.

Zum einen stand die Einschulung vom Junior an. Er sollte seinen Schulstart haben, ohne dass Mama ihre Nase nur noch in IHREN Büchern stecken hat. Schließlich lässt sich einfach nicht absehen, wie gut oder schlecht es in der Schule laufen wird. Egal was die Kindergärtnerinnen prophezeien. Schließlich braucht auch die Große jedes Jahr mehr seelischen Beistand bei den Schulaufgaben.

Zum anderen gibt man den Vorstandsposten eines Kulturvereins nicht mal eben so nebenbei ab. Dafür gibt es die Mitgliederversammlung mit Neuwahlen, die an recht festen Terminen stattfinden. Bis zu denen man nach Möglichkeit auch einen Nachfolger gefunden haben sollte. Und dann dauert es immer noch eine Weile, bis man da wirklich raus ist.

Aber jetzt, ja jetzt ist es soweit. Zum Sommersemester 2016 geht es los mit dem Studium. Ich bin eingeschriebener Student an der Fern-Uni Hagen, habe meine Matrikelnummer zugewiesen bekommen, die Studiengebühren sind bezahlt und das erste Studienmaterial zum Durcharbeiten ist auch schon eingetroffen.

Rein theoretisch geht es morgen mit dem Semester los. Ab morgen bin ich also wirklich Student. Aber aus der Ferne studieren ist halt irgendwie anders. Keine Vorlesung, zu der man hin muss, kaum Termine die einzuhalten sind. Nur 150 Seiten Text, die ich offline durcharbeiten muss. Und zwei weitere ähnlich lange PDFs, die da online auf dem virtuellen Studienplatz rumliegen.

Der einzige feste Termin: Am 05. September 2016 ist Prüfung. Was auch immer ich mir während der kommenden Monate im „Modul K: Kulturwissenschaftliche Grundlagen“ an Wissen aneigne, sollte an diesem Tag im September auch abrufbar sein.

Der Stoff für dieses Modul K klingt nicht sehr spannend. Es geht ums wissenschaftliche Arbeiten und um wissenschaftstheoretische und argumentationstheoretische Grundlagen. Der Urschleim für Studium also, quasi das, womit man dann später arbeitet. Oder besser das Wie.

Vor 15 Jahren wäre ich total aufgeregt gewesen. Was muss ich tun? Wo muss ich hin? Was ist, wenn ich was nicht verstehe? Wen kann ich fragen? Wo muss ich mich melden? Was darf ich nicht verpassen?

Heute gehe ich da gelassen ran. Denn ich mach das zum Spaß und nicht, um dieses Studium mit Auszeichnung abzuschließen. Dieses Mal geht es wirklich um das Wissen und nicht darum, was ich später mit dem Abschluss anfangen will. Wenn ich also ein Tutorial verpasse und später in der Klausur deswegen 10 Punkte weniger bekomme – was soll´s!

Ich freue mich einfach auf den Input. Auf den geistigen Anspruch, den dieses wissenschaftliche Arbeiten mit sich bringt. Auf Erkenntnisse in Sachen Literatur und Geschichte, die ich ohne dieses Studium nicht erhalten würde. Und auf die intensive Beschäftigung mit dem geschriebenen Wort und Ereignissen aus der europäischen Geschichte.

Ich werde an dieser Stelle nun häufiger berichten, wie es im Studium läuft. Worum es geht, was für Menschen ich begegne und wie es ist, mit Ü30 noch mal Student zu sein. Dann gibt es vielleicht weniger Rezensionen über „normale“ Bücher zu lesen. Aber sicher auch interessante Einblicke in die „brotlose“ Kunst, viel über Literatur und Geschichte zu wissen.

Tags
Zeig mir mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Artikel