Theater: „Coriolanus“ im Donmar Warehouse/London

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass mich Coriolanus von Shakespeare eine Weile beschäftigen wird. Gerade eben bin ich nun vom (vorläufigen) Höhepunkt wiedergekommen: Ich sah die Life-Übertragung des Theaterstücks aus dem Donmar Warehouse (London) im Kino.

Coriolanus im Kino

Coriolanus im Kino

Das Donmar Warehouse war einmal eine Markthalle, in der vor allem anderen mit Bananen gehandelt wurde. Das Interieur ist entsprechend spartanisch und so sind es auch die Kulissen für dieses Theaterstück. Die Zuschauer sitzen auf mehreren Etagen sehr nah und an drei Seiten der nicht sehr großen Bühne. Die wird hinten von einer einfachen Mauer begrenzt, vor der eine freistehende Leiter nach oben hin ins Nichts führt.

Viel mehr braucht diese Inszenierung an Requisiten nicht. Das Alte Rom und die damit verbundenen epischen Schauplätze wie das Capitol, der Marktplatz und ganze Schlachtfelder werden mit Lichtinstallationen, ein wenig Farbe und einer Reihe von Stühlen auf die Bühne gezaubert.

Auch bei den Kostümen geht es spartanisch zu. Zeitgemäße Kleidung wird zum Teil nur angedeutet. Durch den Schmuck etwa, den die Frauen tragen oder Brustpanzer über dem Hemd. Der würdevolle und überaus sympathische Menenius könnte sogar auf die Straße gehen, ohne dass er sich umziehen müsste und würde trotzdem nicht weiter auffallen.

Menenius ist übrigens genau die Figur, die mich neben Coriolanus am meisten beeindruckt hat. Mark Gatiss hätte den weisen Freund des aufbrausenden Coriolanus altklug referierend seine Gleichnisse und beschwichtigenden Worte sagen lassen können. Schön, dass er den treuen Gefährten einnehmend charmant, witzig und trotz allem oder gerade deswegen so wunderbar würdevoll gespielt hat.

Cominius (Peter De Jersey) erinnerte mich übrigens an meinen Sandkastenfreund Niels. Nicht nur vom Aussehen her, sondern auch vom Gebahren. Und so anders als Shakespeares Tragödien waren die Spiele, die wir uns damals sogar noch auf dem Schulhof ausdachten, auch nicht gerade. Vielleicht nicht ganz so brillant, aber mindestens so tragisch und mit der gleichen Intensität gespielt wie dieser Cominius es tut.

Intensität ist übrigens auch der Begriff, der mir spontan einfällt, wenn ich an die Darstellung des Coriolanus denke. Tom Hiddleston ist den meisten als Loki aus den Marvel-Comic-Verfilmungen bekannt. Doch auch wenn die Mädels in der Reihe vor uns die Pause dafür nutzten, die Szenen mit Loki-Touch aus dem Stück heraus zu filtern: Tom Hiddleston war weit mehr als das.

Ich sage bewusst, dass er es „war“ und nicht nur, dass er mehr geboten hat als das. Also mehr als ein paar Loki-Szenen. Denn er war Coriolanus: Atemlos aufbrausend, fürsorglich liebend, kameradschaftlich handelnd und unglaublich stolz. Seine Darstellung hat mehr verdient, als auf eine Dusch-Szene und ein knackiges Hinterteil reduziert zu werden. Weit mehr. Ich kann gar nicht sagen, wie viel mehr.

Fazit:
Ich bin eigentlich kein Fan von Neuinszenierungen, mag die modernen Kulissen und spartanischen Darstellungen von altehrwürdigem bis opulentem Stoff überhaupt nicht. Aber Coriolanus war beeindruckend, unterhaltsam und inspirierend. Inspirierend in dem Sinne, dass es Lust auf mehr macht. Vielleicht schau ich mir genau deswegen auch noch „King Lear“ an, wenn es im Mai auf die Leinwand kommt. In London dabei zu sein, ist mir leider nicht möglich.

Kategorie Kino+Theater, Theater
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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