Film: „Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft“

Film: „Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft“

©KFM / pixelio.de
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Vom Ringen um jedes Wort

Wie muss man eigentlich gestrickt sein, um einen Roman von 5000 Seiten zu schreiben? Und wie kürzt man das dann, ohne das Werk zu verschandeln? Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr wird klar: Autor und Lektor haben sicher eine Hassliebe zueinander. So wie diese zwei.

Zum Inhalt:
„O lost“ nennt Thomas Wolf (Jude Law) seinen tausenseitigen Roman und ist Absagen von Verlagen gewohnt. Als er von Max Perkins (Colin Firth) dann aber eine Zusage bekommt, ist der eh schon extrovertierte Autor vollkommen aus dem Häuschen.

Perkins und Wolf knieen sich tief in die Arbeit. Während Wolf seine ausufernden Beschreibungen banaler Momente verteidigt, mahnt Perkins immer wieder zur Konzentration aufs Wesentliche.

Das verbindet und verkracht die beiden Männer ein ums andere Mal. Dabei entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Doch Wolfs Mäzenin und Geliebte Aline Bernstein (Nicole Kidman) fühlt sich so vernachlässigt, dass sie Selbstmordversuche unternimmt und Perkins lässt seine Familie allein in den Urlaub fahren – für die Arbeit am zweiten Buch.

Doch nachdem auch dieses Buch zum Bestseller wird, kommt es zum Bruch. Wolf steigt der Erfolg zu Kopf und er vergrault seinen Lektor und Freund mit unmöglichem Benehmen. Der hat seinen Schützling lange vor anderen Größen wie Hemmingway und Fitzgerald verteidigt.

Schließlich gehen die beiden getrennte Wege. Doch auch der hässliche Streit kann nichts daran ändern, wie einer am anderen hängt. Dabei schmollt Wolf wesentlich länger als Perkins, der sich zumindest eingesteht, Wolf zu vermissen. Doch als der sich besinnt, ist es für die Freundschaft zu spät.

Meine Meinung:
Zuviel Handlung darf man bei diesem Film nicht erwarten. Die meiste Zeit hängt jemand hochkonzentriert über einem Stapel Papier. Entweder er schreibt wie ein Besessener oder er redigiert mit gezücktem Rotstift.

Dazwischen sieht man drei geniale Schauspieler, die zeigen was sie können. Nicole Kidman spielt die ältere Mäzenin von Wolf und hat dabei die undankbare Rolle der verlassenen Geliebten, die sie souverän auslebt.

Jude Law spielt den exzentrischen Wolf herrlich überdreht. So überdreht, dass er eigentlich auf eine Bühne gehört und nicht an einen Tisch mit jungen Mädchen, wo er mit den Armen wedelnd wirklich allen Raum einnimmt. Und genau das soll er ja zeigen.

Und Colin Firth? Mädels, wisst ihr noch: Der Blick von Mr. Darcy (egal welcher), wenn er DIE eine anschaute. Er kann das immer noch. Und noch viel mehr mit nur einem simplen Blick. Alt ist er geworden, der Colin Firth. Aber auch besser denn je.

Ansonsten ist „Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft“ ein Kostüm- und Kulissenfilm. Das New York von 1929 mit all den schönen Kleidern, den massenhaft gerauchten Zigaretten, den Automobilen, den Zügen, den Hüten – herrlich.

Und wo wir gerade bei Hüten sind. Es scheint als würde Colin Firth aka Max Perkins mit seinem Hut schlafen gehen. Wer sehen will, ob das Ding wirklich festgewachsen ist, muss bis zum Ende des Films durchhalten. Für manchen wird das der einzige Sinn des Films sein. Leider.

Mein Fazit:
„Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft“ ist nichts fürs Massenpublikum. Schon ganz zu Beginn, wenn Wolfs Stimme aus dem Off kommt und den lesenden Perkins aus seinem Weg nach Hause begleitet ist klar: Das hier wird anstrengend. Denn Wolf ist anstrengend. Was den Film darüber hinweg trägt ist die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller. Und die ist erstklassig.

Vom Ringen um jedes Wort Wie muss man eigentlich gestrickt sein, um einen Roman von 5000 Seiten zu schreiben? Und wie kürzt man das dann, ohne das Werk zu verschandeln? Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr wird klar: Autor und Lektor haben sicher eine Hassliebe zueinander. So wie diese zwei. Zum Inhalt: "O lost" nennt Thomas Wolf (Jude Law) seinen tausenseitigen Roman und ist Absagen von Verlagen gewohnt. Als er von Max Perkins (Colin Firth) dann aber eine Zusage bekommt, ist der eh schon extrovertierte Autor vollkommen aus dem Häuschen. Perkins und Wolf knieen sich tief in die Arbeit.…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung/Regie
Schauspielerische Leistung
Synchronisation

Schwierig, aber gut... irgendwie

Man muss schon Lust auf etwas anderes haben, wenn man die Schönheit in diesem Film sehen können will. Viel Handlung ist da jedenfalls nicht. Aber wer die Ohren spitzt und Feinheiten in Mimik und Gestik beachtet, wird mit sehr gut gespielten Charakteren belohnt. Ein Film den man nicht wegen der Geschichte, wohl aber wegen der Details gut finden kann.

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