Film „Only lovers left alive“

Es ist viel zu lange her, dass ich mir einen Film anschaute, der es bei uns nicht in die großen Kinos geschafft hat. Aber auch das soll jetzt wieder anders werden und „Only lovers left alive“ war der beste Anfang, den man sich da vorstellen kann. Stimmungsvoll, witzig und einfach anders. Und nicht zu vergessen: mit absolut genialer Musik.

#OLLA im Leipziger Passagekino

#OLLA im Leipziger Passagekino

Der Film beginnt mit einem Sternenhimmel, der sich dreht. Und mit dem wechselnden Blick auf Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton). Dieses Wechselspiel dauert genau so lange, wie die 120 Menschen gestern im Kinosaal brauchten, um hörbar und sichtlich „herunterzufahren“. Sich also auf einen Film einzustellen, der weit entfernt von unserem allzu schnellen Alltag ist und der so viel zu bieten hat, dass man ihn mehr als einmal anschauen muss, um alle Facetten, kleinen Wortwitze und liebevollen Details zu erfassen.

Doch zuerst mal zum Inhalt:
Adam und Eve sind Vampire und seit Jahrhunderten ein Paar. Doch obwohl sie unsterblich ineinander verliebt sind, führen sie eine Fernbeziehung – und sind in ihrer Einstellung zum Leben so unterschiedlich wie man nur sein kann. Eve lebt in Tanger (Marokko) und genießt ihr Dasein auf eine ruhige Weise und mit Blick auf die Schönheiten der Welt. Adam hat sich in Detroit (USA) niedergelassen, haust zurückgezogen zwischen Musikinstrumenten und betrauert vor allem den Verfall alter schöner Dinge, statt neue an sich heran zu lassen.

(Achtung Spoiler)
Eve reist zu Adam, um ihn aus seiner Schwermut heraus zu helfen. Doch noch ehe ihr das gelingt, taucht ihre Schwester Ava (Mia Wasikowska) auf und bringt mit ihren Teenagermanieren nicht nur Leben in das überaus ruhige Miteinander von Adam und Eve, sondern auch jede Menge Ärger mit. Der gipfelt darin, dass sie Adams Assistenten aussaugt (Klingt im Englischen übrigens viel besser: „You drank Ian“ (Adam)) und es damit eine Leiche gibt, die verschwinden muss. Und die das auch auf eine Weise tut, die selbst Vampire noch beeindrucken kann.

Natürlich kann keiner der drei Vampire nun noch in der Stadt bleiben. Ava wird fortgeschickt, Adam und Eve gehen nach Tanger. Für Adam ist das viel schwerer als für Eve, denn er muss seine Instrumente zurücklassen. Außerdem erwartet Adam und Eve in Tanger eine traurige Überraschung: Marlowe (John Hurt) – ebenfalls Vampir, uralter Freund und Eves Quelle für sauberes Blut – liegt im Sterben. So sind sie gezwungen, sich selbst Nahrung zu suchen. Und Adam mit Eves Hilfe neue Inspiration.

(Spoiler Ende)

Der Film ist dabei mindestens ein Universum weit von den aktuellen Vampirfilmen und -serien mit glitzernden Blutsaugern und rettungslos verknallten Backfischen entfernt. Er lebt von eindrucksvollen Bildern, die es nicht nötig haben, durch Spezialeffekte oder plakative Schönheit zu protzen. Er lebt von dem umfassenden Wissen, das Adam und Eve in den Dialogen durchblicken lassen – zwei Vampire mit allem im Kopf, was Wikipedia zu bieten hat. Wenn nicht sogar mehr.

Auch enthält der Film mehr als nur ein bisschen Gesellschaftskritik. Vor allem Adam verzweifelt ja gerade daran, dass die Menschen – oder wie er sie nennt „Zombies“ – verhöhnen ihre genialsten Vertreter, zerstören die schönsten ihrer eigenen Schöpfungen und am Ende auch sich selbst.

Feiner Wortwitz und die Anspielungen auf geschichtliche Ereignisse und berühmte Wissenschaftler, Musiker und Dichter lassen die Zuschauer schmunzeln. Der melancholische Grundton bleibt dabei erhalten und wird durch erlesene Musikauswahl einfühlsam untermalt. (Ein Soundtrack mehr, den ich unbedingt haben muss.)

Dazu Schauspieler, die ihre Charaktere glaubwürdig verkörpern. Tom Hiddleston (Adam) als wortkarger, trauriger Vampir, der nur bei Eve seine Lass-mich-in-Ruhe-Haltung aufgeben kann. Eine Tilda Swinton (Eve), die alles um sich herum mit Bewunderung und offenen Armen aufnimmt. Eine quirlige, kindische Mia Wasikowska (Ava), der außer Adam wohl niemand lange böse sein könnte. Und John Hurt als ein in Würde gealterter Mann und zuverlässiger Freund.

Durch einen kleinen Zufall sah ich „Only lovers left alive“ übrigens in der Originalfassung mit deutschem Untertitel. Selbst wenn man kaum Englisch spricht/versteht ist dies die beste Art, den Film zu erleben. Es werden keine ellenlangen Monologe geführt, so dass man auch dann mitkommt, wenn man die Untertitel lesen muss. Manch Pointe kommt im Original einfach besser als in der deutschen Übersetzung.

Dass der Film in seinen ruhigen Gewässern ganze zwei Stunden vor sich hinplätschert, fällt erst auf, wenn er zu Ende ist. Wer Action sucht, ist bei „Only lovers left alive“ also im falschen Film. Wer komplexere Inhalte, pointierte Dialoge, stimmungsvolle Bilder und gute Musik mag, sollte sich diesen Film auf jeden Fall anschauen. Ich werde es auf jeden Fall wieder tun.

ONLY LOVERS LEFT ALIVE

USA 2013
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Tom Hiddleston, Tilda Swinton, Mia Wasikowska, John Hurt
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 120 Min.

Kategorie Kino, Kino+Theater
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

12 Kommentare

  1. Avatar

    Filme mit Tilda muss man sich sowieso grundsätzlich ansehen, finde ich. Aber nicht nur Tilda hat in Only Lovers Left Alive beeindruckt, sondern auch die Poesie, die Metaebenen, die Inszenierung der Kulissen. Und weil das alles zusammen so stimmig ist, potenziert sich das ein bisschen gegenseitig. Quasi alles richtig, was du geschrieben hast.

    • Tulpentopf
      Tulpentopf

      Ich bin immer noch beeindruckt und würde den Film nur zu gern noch einmal sehen. Vielleicht klappt es ja noch mal.

      • Avatar

        Na einfach noch mal reingehen. 😉 Die Musik fand ich allerdings sehr durchmischt. Teilweise überragend. Teilweise 08/15. Einen Soundtrack zum Film scheint es nicht zu geben. Find ich auch schade.

        • Tulpentopf
          Tulpentopf

          Ich glaube, der kommt erst noch. In manchen Ländern ist der Film noch gar nicht angelaufen. Also nur Geduld.

          Einfach nochmal hingehen ist nicht ganz so einfach. Brauche erst wieder jemanden, der auf die Kids aufpasst. Aber vielleicht läuft er ja noch ein Weilchen. Die Vorstellung in der ich war, war jedenfalls fast ausverkauft.

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            Ja, das kann ich nachvollziehen, mit Kindern ist das nicht ganz so einfach. Nebenbei, in meiner Vorstellung saßen noch nicht mal 20 Leute drin. Aber das war auch keine beliebte Uhrzeit …

            Ich glaube, Soundtracks erscheinen immer parallel. Es ist ganz selten, dass nach Filmstart noch etwas nachkommt. Man muss dann halt in den sauren Apfel beißen und jedes Lied einzeln recherchieren. Macht aber nichts, ich hab schon Ya Nass entdeckt und mir ein Album gekauft. Das war die Sängerin von Tanger und diese Musik fand ich im Film am Besten.

  2. Tulpentopf
    Tulpentopf

    Wenn man bei IMDB nach dem Film schaut, kann man sich alle Lieder anzeigen lassen, die drin vorkamen. Mir gefallen da schon noch einige andere, aber ja, das war schön.

    Bei uns gab es eine Vorstellung um 16:30 Uhr in Deutsch und eine 21:15 Uhr in OmU. Die hatten wir uns angeschaut.

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      Mensch, bin ich ein Doofie. Die Soundtracks in der IMDB zu recherchieren, darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Dabei bin ich so oft auf IMDB. Werde ich mir merken. Danke. Da hätte ich mir in der Vergangenheit aber auch viel Arbeit gespart. :-)))

      Die „Eigenkompositionen“ von Adam waren noch sehr gut.

      In meiner Stadt gibt es auch nur zwei Vorführungen täglich. Ähnliche Zeiten wie bei dir. Ich war gestern Abend, 21:30 Uhr, synchronisierte Fassung. Die ist mir auch lieber. Hatte nicht auf den Ton bei der Auswahl geachtet. OmU wird im Kino immer mal wieder eingestreut.

      • Tulpentopf
        Tulpentopf

        Oh ich fand die OmU gerade gut. Ist kaum ein Schauspieler dabei, der zu sehr nuschelt. Man versteht sehr gut, was sie sagen.

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          Ja, ab und an ist OmU auch okay. Aber mir sind synchronisierte Fassungen irgendwie trotzdem lieber. Es nimmt mir einfach Aufmerksamkeit weg, das hab ich nicht so gern. Ich will doch mit der Aufmerksamkeit voll drin sein, in dem Film.

          • Tulpentopf
            Tulpentopf

            Okay, bei mir kommt es auf die Schauspieler an und ob ellenlange Dialoge zu fürchten sind. Wenn ich den ein oder anderen Hauptdarsteller schon zu Hause auf DVD hab, hör ich mir da sein Englisch an und weiß dann, ob ich es wage.

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      Tatsächlich!
      Du Glückspilz. 🙂

      Ob die Lieder im Original drauf sind? Würd mich freuen, wenn du berichtest. Der Soundtrack erscheint Ende Februar, soweit ich das sehe.

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