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Film: „Im August in Osage County“

„Im August in Osage County“ ist ein Film über ein großes Familientreffen. Und solche Zusammenkünfte sind ja irgendwie immer eine heikle Angelegenheit. Dafür braucht es nicht einmal, wie in diesem Fall, eine Beerdigung. Denn kleine und große Geheimnisse kommen dabei immer ans Licht und sorgen für mehr oder weniger positive Aufregung.

Im August in Osage County

Inhalt:
Violet (Meryl Streep) und Beverly Weston (Sam Shepard) leben irgendwo auf dem Land in Oklahoma. Er säuft, sie schluckt Pillen und beide streiten sich zur Genüge. Auch über die junge Indianerin Johnna (Misty Upham), die Beverly als Haushaltshilfe einstellt. Irgendwann verschwindet er einfach und wird ein paar Tage später tot aufgefunden. Natürlich kommt nun auch der Rest der Familie, um der Witwe beizustehen. Allen voran die drei Töchter Ivy (Julianne Nicholson), Barbara (Julia Roberts) und Karen (Juliette Lewis), aber auch Tante Mattie Vae (Margo Martindale) mit Mann Charlie (Chris Cooper) und Sohn „Little Charles“ (Benedict Cumberbatch).

Jede der drei Töchter hat ihr eigenes Leben und ihre eigenen Geheimnisse. Barbara erscheint zwar mit Ehemann Bill und Tochter Jean, kann ihrer Mutter aber nicht lange verheimlichen, dass sie inzwischen getrennt leben. Karen spielt die egoistische Lebefrau, die sich nimmt, was sie will. Doch bald schon wird klar, dass ihr lockeres Leben trotz Verlobtem mit Sportwagen nicht nur aus Glück besteht.

Ivy ist die einzige der drei, die in der Heimat und ohne Mann geblieben ist. Sowohl ihre Schwestern, als auch ihre Mutter nehmen es als selbstverständlich, dass sie sich um die Eltern gekümmert hat und nun bei der Witwe bleiben wird. Doch Ivy hat andere Pläne und im Geheimen eben doch einen Mann, mit dem sie eine verbotene Liebe verbindet.

So sehr sich die drei Töchter anfangs bemühen, ihre persönlichen Angelegenheiten für sich zu behalten, fliegt doch ein Geheimnis nach dem anderen auf. Und den Protagonisten zum Teil auch mächtig um die Ohren. Nicht zuletzt aufgrund der despotischen Mutter, die von Anfang an auf Streit aus ist und erst recht ausflippt, wenn sie auf ihre Tablettensucht angesprochen wird. Reichlich viel Zündstoff!

Meine Meinung:
Bei der Besetzung von „Im August in Osage County“ konnte eigentlich nichts schief gehen: Meryl Streep, Julia Roberts, Benedict Cumberbatch, Ewan McGregor und Chris Cooper. Dazu ein paar hübsche familiäre Verwicklungen, alte Sünden und ganz frische sowie bissige Kommentare und rührselige Momente. Beste Voraussetzungen für großes Kino also.

Aber am Ende ist es Meryl Streep, die den ganzen Film rettet. Neben ihr sind die anderen quasi unsichtbar. Hin und wieder hat Julia Roberts einen guten Moment, streckenweise hofft man allerdings, dass sie es einfach mit dem Botox übertrieben hat. Vielleicht spielt Meryl sie aber einfach nur an die Wand. Bringt diese doch selbst mit Riesensonnenbrille mehr mimischen Ausdruck zustande als Julia mit verzweifelt fuchtelnden Händen.

Dabei hätte gerade Julia in der Rolle eben jener Tochter mit den meisten Ähnlichkeiten zu Mutter die besten Chancen gehabt, ebenso aufzutrumpfen. Doch, ja, das muss ich zugeben, Meryl zieht alle Register, die ihre Rolle hergibt. Sie versprüht Gift, dreht durch, verzweifelt, bricht zusammen, lacht, wird still und dann gleich wieder fies. Sie tanzt, kriecht, stolziert. Sie hält Vorträge, sinniert vor sich hin, lallt, schweigt eindrucksvoll. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt zeigt sie alle Facetten, die irgendwie unterzubringen waren. Eine Augenweide.

Alle anderen spielen im wahrsten Sinne des Wortes eine Nebenrolle. Da kann Benedict Cumberbatch noch so herzzerreißend weinen, Ewan McGregor noch so ehrlich seine Liebe gestehen und Chris Cooper noch so schön seinen Sohn in Schutz nehmen. Alles nettes Beiwerk, ohne den die Story keinen Sinn machen würde. Aber eben nur Beiwerk.

Mein Fazit:
Man genießt es, Meryl Streep dabei zuzusehen, wie sie ihre Filmtöchter herunterputzt und dabei selbst eine tragische Figur abgibt. Ohne sie wäre „Im August in Osage County“ das was ich einen Sonntagsfilm nenne: Einen, der mir an einem verregneten Sonntag auf dem Sofa die Langeweile vertreibt und wo es nicht schade ist, wenn ich dabei einschlafe. Aber Mery ist ja da und macht den Film nicht toll aber Vier-Sterne-sehenswert.

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