Film: „Hin und weg“ mit Florian David Fitz

Mit Mitte 30 denkt niemand übers Sterben nach – bis es für ihn zum erlösenden Ausweg wird. Im Falle einer unheilbaren Krankheit zum Beispiel. Bei Hannes ist das ALS und er hat sich vor dem selbst gewählten Tod einen ganz besonderen Abschied von seinen Freunden ausgesucht. Die sind am Anfang nicht so begeistert. Doch schon bald bewirkt diese besondere gemeinsame Zeit auch bei ihnen einige „Wunder“.

©Annamartha/ <a href="http://www.pixelio.de/media/506745" target="_blank">pixelio.de</a>

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Zum Inhalt:
Hannes (Florian David Fitz) Vater ist an ALS gestorben. Vor zwei Jahren hat man die Krankheit auch bei ihm festgestellt. Und seit einem halben Jahr geht es wirklich bergab mit ihm. Weil er weiß, welches Elend ihn erwartet, will er sich in Belgien beim Sterben helfen lassen. Da kommt ihm die alljährliche Radtour mit den Freunden gerade recht. Doch warum es ausgerechnet nach Belgien gehen soll, weiß bis zum Antritt der Reise nur seine Freundin Kiki (Julia Koschitz).

Die Freunde wundern sich zwar, warum es ausgerechnet Belgien sein soll. Aber bei einem gemütlichen Abendessen kommt der wahre Grund dann auf den Tisch. Die Freunde sind geschockt und stellen sich anfangs gegen das Ziel der Reise. Jeder von ihnen findet jedoch seinen eigenen Weg, mit dem Ziel und Hannes zunehmender Schwäche umzugehen. Hin und wieder muss Hannes aber dann doch auf den Campingtisch hauen, wenn die Freunde zu viel Rücksicht nehmen oder ihn behandeln, als wäre er schon tot.

So legt er besonders Wert darauf, dass alle ihre traditionellen Urlaubsaufgaben erfüllen. Diese werden am Anfang der Reise untereinander ausgetauscht und sind immer etwas, was der Betreffende noch nie gemacht hat. So kommt es, dass Gigolo Michi (Jürgen Vogel) als Frau verkleidet auf die Piste geht, die eher biedere Mareike (Victoriy Mayer) etwas Verbotenes tut, ihr Mann Dominik (Johannes Allmayer) einen Gangbang erlebt und Kiki aus einem Flugzeug hüpft.

Am Ende der Reise steht dennoch der bewegende selbst gewählte Tod dank ärztlicher Sterbehilfe.

Meine Meinung:
Dass es nach dem Sommer des Icebucketchallenges nun ausgerechnet ALS ist, dass den 36jährigen Hannes nach Belgien in den unterstützten Freitod führt, ist sicher ein Zufall. Der Film entstand schon 2013. Im Grunde spielt die Krankheit selbst in „Hin und weg“ auch eine eher untergeordnete Rolle oder könnte durch eine andere unheilbare ersetzt werden.

Worum es bei „Hin und weg“ eigentlich geht, ist vielmehr die Freundschaft dieser jungen Leute, die verschiedenen Lebenskonzepte, den ganz normalen Wahnsinn. Und darum, wie man denn bitte von einem geliebten Menschen Abschied nimmt, der beschlossen hat, zu gehen. Der von kleinen Schwächeanfällen und einer etwas verkrampften Haltung immer noch der alte Freund ist. Mit dem gleichen lieb gewonnenen Humor, der gleichen Verlässlichkeit und dem gleichen Vertrauen.

Auch wenn ich bei diesem Film sehr viele Taschentücher brauchte, so weinte ich doch eher mit den Freunden. Und eben nicht um Hannes, der zwar reichlich dünn ist, aber immer noch mehr Kilometer auf dem Rad schafft, als manch Couchpotatoe das von sich behaupten könnte. Hier kommt eben doch die Frage auf, ob er nicht zu früh aufgibt. Oder die Filmemacher uns einfach den Anblick eines wirklich kranken Menschen ersparen wollten.

Von der schauspielerischen Leistung gefiel mir einmal mehr Jürgen Vogel. Der Typ scheint einfach nur sich selbst auszuleben und ist im Paillettenkleid eine Augenweide. Was Hannelore Elsner als Hannes Mutter dort zu suchen hatte, will mir nicht in den Kopf. Ihr Gesicht ist für dieses Schauspieler-Ensemble zu bekannt und dominant. Ansonsten bringen die Darsteller der Clique die ganz persönliche Schrulligkeit ihrer Figuren wirklich gut rüber.

Mein Fazit:
„Hin und weg“ ist harte Kost, wenn man in der Lage ist, sich da hinein zu denken. Also ein Kinderspiel für mich. Schon allein, weil ich ja auch 36 bin und ganz sicher niemanden aus meinem Freundeskreis jetzt schon für immer verabschieden möchte. Aber wenn, dann doch eben genau so. Nämlich mit einer richtig guten Zeit und hinterher nicht allein mit dem Verlust. Punktabzug gibt es für die Darstellung des Totkranken, der fitter ist als manch Normalbürger.

„Hin und weg“ erscheint im April 2015 auf DVD.

Kategorie Kino, Kino+Theater
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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