Leben

Wie ich meinen Kinder Pegida und NoPegida erklärte

Seit Wochen marschiert Pegida durch die Städte unseres Landes, bildet Ableger, macht überall braune stinkende Häufchen. Am vergangenen Montag stand Leipzig auf dem Plan und ich wäre nur zu gern für NoLegida /NoPegida mitgelaufen. Allein traute ich mich mit meinen Kindern nicht dorthin. Niemand konnte sagen, ob die Menschenmassen friedlich bleiben würden. Stattdessen erklärte ich ihnen anhand von Spielfiguren, was Pegida ist und warum es so wichtig ist, dagegen aufzustehen. 

Die Welt aus deutscher Sicht ©Tulpentopf
Die Welt aus deutscher Sicht ©Tulpentopf

Dazu beschränkte ich die beteiligten Menschen auf vier Gruppen: Muslime, Juden, Pegida und NoPegida. (Man möge mir verzeihen, dass ich es für meine 6 und 8jährigen Kinder so einfach wie möglich und dafür natürlich unvollständig erklären wollte. Unser Sofa und ein paar bunte Blätter wurden zum „Spielfeld“, die Sofakissenränder sind die Ländergrenzen. Rechts stehen die Muslime mit ihrem Glauben in der Farbe Rot. Links die Juden mit ihrem Glauben in Grün. Gelb ist Deutschland, die Pegida-Leute sind es auch. IN Türkis sind die Menschen unseres Landes, die ein buntes, weltoffenes Deutschland haben wollen.

Muslime und ihr Glaube (Geist) ©Tulpentopf
Muslime und ihr Glaube (Geist) ©Tulpentopf

Zunächst erklärte ich die Muslime. „Das sind Muslime, deren Frauen manchmal mit einem Kopftuch unterwegs sind. Ich zeige auf den roten Menschen. Manche Frauen werden dazu gezwungen, andere machen es freiwillig. Ihr Glaube, der Islam, schreibt es so vor. Viele machen es trotzdem nicht mehr, halten aber an ihrem Glauben fest. Und es gibt auch Islam-Gläubige, die streng nach den Regeln leben und auch darauf bestehen, dass andere es so tun. Tun die anderen das nicht, werden diese strenggläubigen Menschen wütend und tun böse Sachen. Deshalb fliehen viele aus diesem Land und kommen zu uns.“

Kommentar von der aufgebrachten Tochter: „Das ist so gemein. Wenn ich so einen Menschen sehe, der zu uns flieht, dann helfe ich dem.“

Die Juden und ihr Glaube (Geist) © Tulpentopf
Die Juden und ihr Glaube (Geist) © Tulpentopf

Dann waren die Juden dran. „Das sind die Juden. Ich zeige auf den grünen Menschen. Man erkennt sie manchmal an kleinen schwarzen Kappen, aber meistens fallen sie gar nicht auf. Als mein Opa jung war, gab es aber einen König, der sagte: ‚Juden sind wertlose Menschen und müssen alle vernichtet werden.‘ Dieser König war der Herrscher über Deutschland und er hat sehr sehr viele Juden verfolgen, eingefangen und töten lassen.“

Kommentar der Tochter: „Hat er das mit deinem Opa auch gemacht?“ Verflixte Kacke, nein, der hat als Hufschmied gedient. Aber was sagt man da. „Nein Maus, der hat ja noch gelebt, als ich geboren wurde.“

Aber zurück zu den beiden Gruppen: „Juden und Muslime vertragen sich nicht. Hier lasse ich die Geister als Vertreter für den jeweiligen Glauben gegeneinander kämpfen. Beide wollen ihren Glauben durchsetzen, weil sie den für den richtigen halten. Deshalb und aus noch vielen anderen Gründen gibt es Krieg im Land der Juden und auch im Land der Muslime. Deshalb fliehen viele Menschen von dort zu uns nach Deutschland. Hier können sie ihren Glauben leben, ohne dass sie jemand deswegen töten will.“

Kommentar der Tochter: „Das ist doch blöd, die sollen sich vertragen.“ Wenn es doch nur so einfach wäre.

Achtung jetzt kommt Pegida ins Spiel: „In Deutschland gibt es aber Menschen, die Angst vor den Muslime (rot) haben, weil sie zum Beispiel die Sache mit dem Kopftuch nicht verstehen. Der rote Geist schwebt zu den verängstigten gelben Pegidas rüber. Erinnert euch, wie ihr geschaut habt, als ihr im Türkei-Urlaub zum ersten Mal eine Frau mit Burka/Kopftuch gesehen habt.“

Einvernehmliches Nicken, denn beide waren damals sehr verunsichert. Daran kann sich auch der Junior erinnern, dem nun auch die lustige Bäckerin einfiel. Was sie zu ihm gesagt hat, hat er zwar nicht verstanden, aber ihre Fladen waren die leckersten der Welt.

Nopegida(Türkis) und Pegida (Gelb) ©Tulpentopf
Nopegida(Türkis) und Pegida (Gelb) ©Tulpentopf

„Außerdem finden manche Menschen, dass der König Recht hatte, der die Juden damals vernichten wollte. Der kleine grüne Geist schwebt rüber nach Deutschland, wird von Pegidas aber gejagt. (Kommentar der Tochter: „Na die sind ja dumm.“) Dehalb wollen sie die Juden nicht in unserem Land haben. Und dann gibt es noch die Menschen in unserem Land, die Angst davor haben, dass die Muslime und Juden ihren Krieg mit zu uns bringen. Oder den Menschen in unserem Land die Arbeit oder das Geld wegnehmen. All diese Menschen versammeln sich gerade und demonstrieren dagegen, dass die roten und die grünen Menschen zu uns kommen.“ Roter und grüner Mensch bewegen sich auf Deutschland zu, werden von den gelben Pegida-Leuten aber verjagt. (Töchterlein stemmt entrüstet die Fäuste in die Hüften.)

„Aber es gibt viele Menschen, die keine Angst haben und für ein buntes Deutschland sind. Das sind die NoPegida-Leute. Ich lasse den roten und den grünen Menschen wieder nach Deutschland wandern. Diesmal stellt sich aber der Mensch in Türkis so hin, dass die gelben Pegidas nicht an die Flüchtlinge rankommen, so dass sie rein können. Die NoPegida-Menschen versammeln sich auch und demonstrieren gegen die gelben Pegida-Menschen. Und genau das passiert auch heute in Leipzig. Die gelben sind dabei 2.000 Leute und die für ein buntes Land sind 10.000, also viel viel mehr. Und so sieht es ganz vielen Städten über all in Deutschland aus.“

Meine Kinder jubeln, als würden sie höchstpersönlich dieses „Spiel“ zum guten Ende bringen. Ich wette, beim nächsten Spiele „Geister, Geister, Schatzsuchmeister“ möchte jeder von ihnen der Mensch in Türkis sein. Recht so meine Liebsten.

Ein buntes Deutschland ©Tulpentopf
Ein buntes Deutschland ©Tulpentopf

Im Anschluss suchte ich im Internet nach aktuellen Infos zum Stand der Demonstration in Leipzig und zeigte ihnen die Menschenmassen von NoPegida / NoLegida, die gegen die ausländerfeindlichen Pegida-Leute unterwegs waren. Darüber freuten sie sich mindestens so sehr wie ich. Natürlich kamen dann noch einige Fragen und Sorgen auf den Tisch. Darüber berichte ich euch ein andermal.

Tags
Zeig mir mehr

ommentare

  1. Schön kindgerecht erklärt, jedoch eine sehr einseitige Betrachtungsweise. Alle Pegida Demonstranten in die rechte Ecke zu stellen ist genau so falsch wie alle Muslime Terroristen zu nennen. Das Totschlagargument des braunen Sumpfes ist eben doch das Einfachste. Und da ist das Problem des fehlenden Dialogs, für die eine Gruppe halt alles Faschisten und für die andere Gruppe halt alles Terroristen.

    1. Hallo Billy,
      ich wollte meinen Kindern nicht auch noch Arbeitsmarktpolitik, Schulsystem, Gleichstellung und die Grundprinzipien der EU aufdrücken. Es war schon für meinen Sohn (6) schwer genug, bis hierhin folgen zu können.
      Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie ein Grundschulkind darauf reagiert, wenn man ihm sagt, dass seine Schule und das System dahinter Scheiße ist. Das stimmt zwar leider, aber bringt in dem Zug nichts als Verunsicherung nach dem Motto: Lerne ich gerade etwas Falsches?
      Und ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Tochter davon begeistert wäre, dass Berufe geschlechterspezifisch ausgeübt werden sollen, da alles andere unsinnig ist. So steht es aber in den Erläuterungen des Positionspapiers von LEGIDA. Nach diesen Erläuterungen soll es für Eltern lernbehinderter Kinder auch keine freie Schulwahl mehr geben.
      Ach ja, und die Gleichstellung der Frau in Deutschland ist schon lange da, dafür muss man sich nicht mehr einsetzen.

      Nein, ich glaube nicht, dass dies Punkte sind, die ich meinen Kindern im gleichen Zuge mit aufs Auge drücken sollte.
      Wer Pegida wegen seiner Kritik an der Regierung gut findet, sollte sich ner anderen Gruppierung anschließen.
      Pegida spielt den Hanseln da oben nur in die Hände, weil eben die braune Masse es gegen die schwächsten in dieser Gesellschaft ausnutzt.
      Aber wenn schon treten, dann doch nach oben. Und das tut Pegida nicht.

    1. Hallo Richard,
      nein, das tue ich nicht. Was einem und damit auch Kindern bei den Demonstrationen ins Auge springt, ist aber nun mal zu allererst die „Ausländerfrage“ (ich mag das Wort nicht).
      Und bei der Begriffserklärung von PEGIDA steckt die Islamisierung drin. Damit war für mich klar, womit ich bei meinen Kindern den Anfang mache.

      Was also spricht dagegen, den Grundsatz beider Seiten für Kinder erstmal daran fest zu machen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Artikel

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden More Info | Ok