Papierboot in Not oder vom Schimpfen vorm Gastkind

Papierboot in Not oder vom Schimpfen vorm Gastkind

©Otto Wenninger / pixelio.de
©Otto Wenninger / pixelio.de

Spielbesuch ist bei uns nichts Neues. Auch nicht, dass nur eins meiner Kinder Besuch hat und das andere nicht. Trotzdem lief es am vergangenen Wochenende völlig aus dem Ruder. Und ich frage mich immer noch, warum.

Am Samstag hatte der Junior seinen Kumpel zu sich eingeladen. Weil das Spieldate der Großen nicht geklappt hatte, stellte ich mich darauf ein, mit ihr ein bisschen Mama-Tochter-Kram zu machen. Denn in der Regel sieht man von Jungs da recht wenig – abgesehen vom Chaos im Kinderzimmer hinterher.

Diesmal lief das irgendwie anders. Statt nur zum Trinken waren die Jungs irgendwie ständig bei uns im Wohnzimmer. Meiner kleinen Diva schien das ganz recht zu sein. Sie fing sogar an, mit den Jungs Papierschiffe zu basteln und genoss sichtlich die Aufmerksamkeit.

Blöd nur, wenn die danach auch wieder ohne sie auskommen. In diesem Fall die Schiffchen länger schwimmen ließen, als sie selbst Lust dazu hatte. Da durfte der Besuch dann plötzlich sogar in ihr Zimmer aka Sperrgebiet für doofe Brüder. Und der Besuch durfte sogar mit ins Handy starren, was beim Bruder ja mal gar nicht geht.

Der strampelte sich dann auch im Bad ab und versuchte, seinen Freund auf verschiedenste Weise zurück zu locken. Als ich ihn rufen hörte, dass er jetzt IN die Badewanne gehen würde, ging mir das dann aber doch zu weit.

Papierboot in Not

Also führte ich den Besuch zurück ins Bad und die Große ins Wohnzimmer – ohne Handy und mit klarer Meinung zu ihrem Verhalten. Allerdings kam auch so keine Ruhe rein. Wobei: Es wurde plötzlich verdächtig still im Bad, abgesehen von der Klospülung, die gleich mehrfach losging.

Wie sich herausstellte, hatten sich die Papierboote aufgelöst. Aber eben nur gerade so weit, dass sie beim Spielen störten, dafür aber das Klo gefährlich verstopften. Bevor der Junior jedoch mit der Wahrheit rausrückte, bekam ich einiges an Ausreden zu hören.

Unsinnige noch dazu, bei denen er auch das Gastkind mit ins Boot holte. Durchschaubare, so dass dieses gemeinsame Boot ziemlich schnell unterging. Und die dem Gastkind auch gar nicht in den Kram passten. Und das alles machte mich sauer. Stinksauer.

Aber schimpfen VOR dem Gastkind?

Also schickte ich das Gastkind ins Wohnzimmer. Dann verfrachtete ich den Junior auf den Wäschekorb und schimpfte. Dass Papierschiffe nicht ins Klo gehören, außer, er möchte sie beim nächsten Mal selbst wieder raus holen.

Dass man Freunde nicht mit reinzieht, wenn man selber Mist macht. Dass er auf mich hören muss, wenn ich was sage, weil sonst auch das Gastkind nicht hört (da gab es nämlich auch noch so ein paar Kleinigkeiten vorher). Und dass er so schnell niemanden mehr einladen darf, wenn es nun nicht besser wird.

Großes Kino also, nur eben kein schönes. Denn der Junior fing prompt an zu weinen. Besser wurde danach übrigens gar nichts. Auch wenn es beim folgenden Spiel um Teamplay ging und wir zu viert ums Spiel herum saßen und die Runde gegen die Geister gewannen.

Denn beim gemeinsamen Abendbrot kam, was kommen musste: Das Gastkind machte, was es wollte – wie eben meine beiden vorher auch. Da konnten meine Kinder ermahnen und sich selbst Mühe geben, wie sie wollten: Das Gastkind hatte Spaß und half nicht mit.

Aber schimpfen MIT dem Gastkind?

Schwierig. Aber da half dann zum Glück eine einfache und klare Ansage: Entweder mitmachen oder direkt nach dem Essen nach Hause. Bis dahin spekulierte die Bande nämlich noch auf einen lustigen Film nach dem Abendbrot. Der dann aufgrund der Tischmanieren ausfiel.

Nach diesem Nachmittag war ich platt wie eine Flunder. Sicher gab es schon vorher Tage, an denen es nicht rund laufen wollte. Aber mit Spielbesuch hatte ich solch ein Desaster noch nicht erlebt. Dass der Tag danach fast vollkommen harmonisch lief, war da fast schon ein Hohn.

Kennt ihr solche Situationen? Wie geht ihr damit um?

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