Und plötzlich ist da Weihnachtsstimmung

Nicht mal mehr zehn Tage sind es noch bis Weihnachten. Das bedeutet überfüllte Kaufhäuser, Sonderwerbung überall und völlig überdrehte Kinder. Wenn da eine Stimmung aufkommt, dann kann man die höchstens mit „nah am Nervenzusammenbruch“ betiteln. Denn irgendwie ist alles viel zu bunt, viel zu laut und viel zu teuer. Wie soll denn da Vorfreude und Lust auf Weihnachten aufkommen? 

Weihnachtssimmung im Hause ©Tulpentopf

Weihnachtssimmung im Hause ©Tulpentopf

Zack, wieder eine Woche rum. Wir waren beim Training, beim Tanzen, beim Einkaufen, auf dem Weihnachtsmarkt, wieder beim Einkaufen und meistens viel zu spät und viel zu wenig Zuhause. Der dritte Advent steht vor der Tür, die Kinder wissen aus dem Effeff, welches Türchen vom Adventskalender sie morgen aufmachen müssen und sind nicht zuletzt auch deswegen völlig aus dem Häuschen.

Und das so komplett und absolut und unverrückbar allumfassend, dass sie innerhalb von Sekunden die Stimmung wechseln können. Eben noch total verliebt und einander knutschen (und Viren/Bazillen austauschend) auf dem Sofa, jetzt schon türenknallend und lauthals heulend in ihren Zimmern verschwunden. In zwei Augenblicken dann schon wieder kichernd oder friedlich malend mit Weihnachtsgeschichte im Ohr.

Und in eben solch einer Geschichte war dann die Rede vom Weihnachtsbaum. Einen Wimpernschlag später standen beide vor mir und fragten, wann wir denn eigentlich unseren Weihnachtsbaum holen und aufstellen würden. Tja, gar keine so üble Frage. Das sollte schließlich im Hellen, mit etwas Zeit und nicht auf den letzten Drücker passieren. Und erst um den vierten Advent herum.

Pustekuchen! Das dauert ja noch ewig. Da waren sich die Kinder einig. Und ich kapitulierte. So kam es, dass wir bereits am Samstag vor den dritten Advent losfuhren, um unseren Baum zu finden. Die Tochter verliebte sich dann auch umgehend in ein Exemplar, der – naja, sagen wir – individuell gewachsen war und sicher nicht meine erste Wahl gewesen wäre. Aber wer bin ich, dass ich mich gegen solch eine Liebe stelle?

Natürlich durfte unser neues Familienmitglied dann auch vorn im Auto „sitzen“. Auch musste er sofort aufgestellt werden. Sicher wäre er auch sofort geschmückt worden, wenn ich nicht etwas von „Eingewöhnungszeit“ und „Entfaltenlassen“ erzählt hätte. So wurde der neue grüne Mitbewohner ausgiebig umarmt und besungen, blieb aber noch eine Nacht schmucklos.

Natürlich ging es mir eher darum, dieses nervenraubende Ding von Lichterkette in Ruhe dranbasteln zu können. Und dem Baum ein paar Zweige zu klauen, die einfach mal nur wild in den Raum wucherten. Und mich seelisch und moralisch darauf vorzubereiten, dass meine überdrehten Kinder so fünf bis zehn Weihnachtsbaumanhänger an einem Zweig aufhängen wollen und sich dann noch darum streiten, wer welchen so und nicht anders schmücken wird.

Die eigentliche Weihnachtsbaum-Anputz-Aktion verlief dann am Sonntagmorgen fast schon gesittet. Es ging nicht mal etwas zu Bruch und ganz nicht ein einziges Tränchen. Zwar musste ich auch dieses Mal alle zwei Minuten daran erinnern, dass der Baum mehr als zwei Äste hat. Am Ende jedoch strahlte ein bunt geschmückter Baum mit den Kinderaugen um die Wette.

Und was so schön ist, muss ausgiebig bestaunt werden. Also holten die beiden sämtliche Kissen und Decken aus ihren Zimmern, bauten auf dem Sofa ein kuscheliges Nest und verlangten nach der Mama mittendrin. Wer kann da bitte Nein sagen? Genau, nicht mal der Kater. Der sonst eher scheue Geselle bekam seine eigene Decke direkt unter den Baum gepackt und ließ sich gnädiger Weise sogar darauf nieder.

Als dann auch noch „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ lief, was die Weihnachtsstimmung perfekt. Ja, sogar bei mir. Rechts und links von zwei Kuschelmäusen eingefangen und festgehalten, mit dem Lieblings-Weihnachtsfilm und einem bunte geschmückten Weihnachtsbaum – da ging auch in mir ein kleines Licht an. „Weihnachten kann kommen“, dachte ich erst. Was Blödsinn war. Denn Weihnachten war längst schon da. Und die Stimmung dafür auch.

Kategorie Kinderkram, Leben
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.