Mama muss Fußball gucken – oder auch nicht

Oder auch: Wenn die Mama mit dem Sohne mal allein ist. Dann wird endlich mal Jungskram gemacht ohne, dass die Schwester dazwischen funkt. Also Fußball geguckt. Bietet sich ja an zur Fußball-WM. Und ist eindeutig klassisches Jungskram. Offensichtlich ist mein kleiner Kerl für diesen klassischen Jungskram aber weniger zu haben, als die Mama selbst. Auweia!

Fußball-WM beim ©Tulpentopf

Fußball-WM beim ©Tulpentopf

Gestern verbrachte das Tochterkind den ganzen Tag beim Papa, während der Junior einen Tag lang die Mama mal ganz für sich allein hatten Spontan durfte das Tochterkind dann auch beim Papa übernachten. Und damit war klar, womit Sohnemann und Mama den Abend verbringen würden.

Richtig! Fußball gucken. Schließlich haben wir gerade eine Weltmeisterschaft am Laufen und wenn dann auch noch Deutschland spielt… Ich selbst hatte eigentlich geplant, frühestens ab dem Achtelfinale in dieses Sportspektakel einzusteigen. Jetzt kam ich aber nicht mehr drumherum.

Und das nicht, weil mein kleiner Piratenkönig so ein absoluter Fußballfreak ist, der die Lebensläufe aller Nationalspieler im Schlaf aufsagen kann. Ist er nämlich nicht, auch wenn er gern und gut mit dem Ball umgehen kann. Sondern, weil es Jungskram ist. Von dem hat der kleine Kerl in diesem Frauenhaushalt mit dem Frauenüberschuss im Freundeskreis nämlich nicht allzu viel.

Also saß ich mit dem Junior pünktlich zum Anpfiff auf dem Sofa. Zur besten Schlafenszeit, mit Schokonüssen, Gummibärchen und zwei Decken extra für die Gemütlichkeit. Man war der kleine Kerl aus dem Häuschen. Das waren nämlich gleich mindestens drei Verstöße gegen die interne Hausordnung. Plus 1,5 Stunden extra Kuschelzeit mit Mama und das ohne Konkurrenz.

Da war Fußball für den Junior nicht nur beinahe nebensächlich. Zugegeben: Bis auf wenige Momente fand ich das Spiel sowieso nicht gerade inspirierend. Am Ende war ich allerdings mehr davon gefesselt, als der Junior. Scheinbar bolzt er den Ball lieber selbst durch die Gegend, als sich die Aquariumversion eines Spiels anzusehen.

Ist das nun schlimm? Eigentlich nicht. Aber irgendwie doch. Denn es ist nunmal so, dass der Junior recht wenig Männer um sich hat. Beim Minihandball sind es gleich drei. Wenn Pärchen zu Besuch sind, ist eben auch mal ein Mann dabei. Aber der eine Opa wohnt weit weg und der andere ist nur am Wochenende da. Das zu kompensieren, fällt schwer.

Mit einer Fußball-WM jedenfalls lässt sich das nicht lösen. Zumindest nicht so, wie ich dachte. Denn auch wenn der Junior sich kaum für das Geschehen in der Glotze interessierte, hat er das Spiel in vollen Zügen genossen. Weil es exklusive Mamazeit war. Die gibt es selten genug in unserem straffen Terminplan, der die Wochen dahinfliegen lässt.

Kein Wunder also, dass der Junior weder still sitzen nicht still bleiben konnte. Vielmehr krabbelte er auf mir herum, wühlte sich von allen Seiten quasi in mich hinein und plapperte und plapperte und plapperte. Und schlief am Ende selig und vollkommen erschöpft ein. So gesehen hätte ich mir das Fußballspiel sparen können. Der kleine Kerl wäre genauso glücklich gewesen, wenn ich mit ihm bei einem Koch- oder Strickkurs gewesen wäre. Selbst wenn dort alles voll mit rosa Mädchenkram gewesen wäre. Hauptsache Mama.

Kategorie Kinderkram, Leben
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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