KinderkramLeben

Hurra, ich bin ein Schulkind

„Hurra ich bin ein Schulkind“ – das trällert der Junior nun spätestens seit Samstag in Dauerschleife. Denn vergangenen Samstag war seine Einschulung. Vor zwei Jahren war die große Schwester dran. Seitdem konnte es der Junior kaum erwarten selbst ein Schulkind zu werden. Und das, obwohl er sie regelmäßig über Hausaufgaben schwitzen und manchmal auch verzweifeln sah. Aber Schulkinder sind groß und ganz am Anfang gibt es eine Party und eine große Zuckertüte. Das muss man einfach wollen.

Einschulung bei ©Tulpentopf
Einschulung bei ©Tulpentopf

Am Freitag fiel dem Junior das Einschlafen natürlich richtig schwer. Dafür war das Aufstehen am Samstag umso einfacher, denn zur eigenen Einschulung kommt man nicht zu spät. Also schnell gewaschen, Zähne geputzt, feine Klamotten angezogen und Ranzen geschultert. Blöd nur, wenn die Mama da noch im Schlafanzug rumsteht und etwas von Frühstücken erzählt. Wo man doch vor lauter Aufregung gar keinen Hunger hat.

Dann endlich ging es los. Oder eher so halb, denn erstmal musste die große Schwester hinter die Bühne für die letzten Vorbereitungen zum Rahmenprogramm der Einschulungsfeier. Für alle anderen hieß es draußen warten, warten, warten. So lange, lange, lange. Im Saal dann die Erkenntnis, dass es gar nicht so cool ist, zu den Hauptpersonen zu gehören, weil man dann ganz vorn sitzt und alle Lieben ganz hinten. Wenn sie denn bei der Ellenbogenmentalität anderer Gäste überhaupt einen Sitzplatz abbekamen.

So richtig geheuer war dem Junior das Ganze selbst dann nicht, als die große Schwester mit den anderen Kindern der Noch-Zweiten-Klassen für ihn sang. Beim Mitmachlied forderte sie ihn dann aber von der Bühne aus resolut zum Mitmachen auf. Mit all den fremden Kindern um sich herum, hatte der kleine Sturkopf nicht wirklich Lust dazu. Als die Große dann ihr Sprüchlein über die Federtasche selbstbewusst, klar und fehlerfrei in den vollen Saal sprach, verdrückte Mama weiter hinten im Saal schon das erste Stolz-Tränchen. Hachz!

Das zweite Tränchen war dann fällig, als der Junior mit drei anderen Kindern auf die Bühne gerufen wurde. Dort bekam er von der Direktorin das obligatorische Blümchen in die Hand gedrückt, rang sich ein Lächeln ab und winkte scheinbar lässig und mit links in die Menge. Auf dem Weg in den Klassenraum scannte er die Massen nach mir ab und grinste dann erleichtert, als er mich entdeckte. Danach begutachtete ich zur Beruhigung noch die Outfits der Kinder seiner Parallelklasse. Echt schlimm und echt schick, was die da teilweise anhatten.

Als die Meute der ABC-Schützen dann schließlich aus dem Schulhaus kam, gab es nur noch ein Ziel: Die Zuckertüte. Natürlich mit Fotosession, wobei das Grinsen diesmal wegen des Gewichts der Zuckertüte zusehends schwerer fiel. Bei Oma im Garten durfte die Zuckertüte – in Form des liebsten alles Superdrachen „Ohnezahn“ –  dann zwar noch nicht geplündert, dafür aber endlich getobt werden. Während die Erwachsenen also ihren Stress bei den letzten Vorbereitungen hatten, baute der Junior seinen beim Schaukeln und Bäume erklettern ab.

Mit der Zahl der Gäste stieg dann auch die Zahl der Zuckertüten. Und der Berg an Süßigkeiten. Auf den ist zwar niemand drauf geklettert, aber es wird wohl bis Weihnachten dauern, bis er verspeist ist. Bei den Kuchenmengen sah er zunächst ähnlich aus. Und wirklich brauchte ich für den Geburtstag der Tochter zwei Tage später auch nix neues zu backen. Es waren noch genug knallbunte Muffins und quietschblauer Drachenkuchen da. Trotz des Auftritts unseres Lieblingschores, der extra ein paar Lieder fürs Schulkind einstudiert hatte und dafür eben auch beim Kuchen zugreifen durfte.

Anschließend saßen die Erwachsenen gemütlich beisammen, während die Kinderhorde drumherum und zwischendrin tobte. Es wurde ein langer, entspannter Tag, der erst endete, als beide Kinder so gegen 23 Uhr ausdrücklich nach ihren Betten verlangten. Und auch der Sonntag war irgendwie eine kleine (Aufräum)Party, die aber schon am Nachmittag endete, weil ja doch noch einiges für den allerersten Schultag des Juniors und den Start der großen Schwester in die dritte (!) Klasse vorzubereiten war.

Als es dann am Montagmorgen wirklich losging, war der Junior doch sichtlich nervös. Zwar war die große Schwester nachsichtig gestimmt, doch der Junior ging ihr doch mächtig auf den Geist. Also erlöste ich sie vom nervig-überdrehten Bruder, der dann eben mit mir kuschelte. Sobald seine Lehrerin vorm Schuleingang erschien, schaltete er jedoch auf tapfer und stellte sich brav mit den anderen in Zweierreihen auf.

Zum Glück liebt der Junior seinen Ranzen und hatte so auch gleich ein Gesprächsthema mit dem fremden Jungen neben sich. Ich habe keine Ahnung, ob nun sein Tyranno mit Flammen oder der Ninjago seines Nebenmanns besser abschnitt. Aber das sah schon witzig aus, wie die beiden sich da immer wieder gegenseitig ihre Rückseite zudrehten, um dem anderen die coolen Motive auf den Ranzen zu zeigen. Mich hatte er da schon völlig vergessen. Angesichts einiger verheulter Gesichter bei seinen 23 Klassenkameraden, war ich darüber doch sehr erleichtert.

Und als die frischgebackene 1a dann ins Schulhaus stiefelte, musste ich dann doch noch ein paar mehr Tränchen verdrücken. Mein kleiner Held ganz groß. Ganz so schlimm wie bei der Mutter neben mir, war es dann aber doch nicht. Die murmelte unablässig vor sich hin: „Ich muss loslassen, ich muss loslassen, ich muss loslassen“. Für mich war es einfach nur ein weiteres schönes erstes Mal im Leben mit dem Junior.

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