KinderkramLeben

Hilfe, ein männlicher Erzieher!

Im Kindergarten meiner Kinder tauchte eines Morgens ein männlicher Erzieher auf. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Eltern daran gewöhnt hatten. Bis es so normal war, dass dieser Erzieher nicht mehr oder anders beäugt wurde als jede neue weibliche Erzieherin gemustert worden wäre. Und dann war dieser männliche Erzieher plötzlich wieder weg. Was fast für mehr Verwirrung sorgte, als sein Auftauchen. Denn die Frage war, warum?

Ein männlicher Erzieher?
©www.helenesouza.com / pixelio.de

Ein männlicher Erzieher in Kita oder Hort? Die sind doch pädophil! Um diesen Vorwurf ging es heute in einem Artikel des SZ-Magazins und infolge dessen auch bei Google+. Dort entspann sich eine Diskussion rund um Vorurteile, überbordende Ängste und den Unterschieden diesbezüglich bei Mann und Frau. Also zum einen, bezüglich der Einstellung gegenüber männlichen Erziehern und zum anderen, was das Geschlecht der Erzieher selbst angeht.

Also kam die Frage auf den virtuellen Tisch, wer denn mit dem männlichen Erzieher am ehesten ein Problem hätte. Bei einer Umfrage wäre sicher das gleiche Ergebnis herausgekommen wie in dieser Diskussion: Mütter sehen das skeptisch, Männer bleiben gelassen. Das ist kein Kunststück, sind es doch immer noch meistens die Mütter, die die Kinder in die Kita bringen und auch wieder abholen.

Klar, dass diese sich dann mehr damit beschäftigen, wer sich wie den ganzen Tag mit ihren Kindern beschäftigt. In etwa so, wie es nach wie vor eher Männersache ist, sich ums Wohlbefinden des Autos zu kümmern. Was nicht heißen soll, dass ich Kinder und Autos gleichsetzen möchte. Oder einem der Geschlechter unterstellen möchte, sich nur mit Autos oder nur mit Kindern auszukennen.  Es geht eben nur darum, dass man sich mit seinem Aufgabenbereich mehr auseinandersetzt, als mit Dingen, für die der Partner zuständig ist.

Demnach wird eben der, der sich ums Kind kümmert, den männlichen Erzieher eher kritisch unter die Lupe nehmen, als der zweite Elternteil. Wie kritisch dieser Blick dann ausfällt, hängt mit dem persönlichen Hang zur Ängstlichkeit zusammen. Wer seinem Kind nicht zutraut, allein über eine Ampelkreuzung zu gehen oder die fünf Meter von der Parkbank zur Eisdiele, der wird wahrscheinlich auch hier kein Vertrauen ins Universum haben.

Schließlich hört man fast täglich von Idioten, die über rote Ampeln heizen, Kinder zwischen Parkbank und Eisdiele entführen und Männern, die den engen Kontakt zu Kindern für ihre pädophilen Vorlieben nutzen. Männliche Erzieher sind damit quasi mit dem Totenkopfzeichen oder dem Symbol für Radioaktivität gebrandmarkt.

Und ja, ich gebe zu, dass ich bei meiner ersten Begegnung mit dem männlichen Erzieher in unserer Kita verwirrt war. Erst hielt ich ihn für einen Vater, der sich einfach auch noch mit anderen Kindern unterhält, bevor er los muss. Dann sah ich den Aushang, mit dem er sich vorstellte. Ein Ex-Soldat. Wow.

Als ich das las musste ich schmunzeln, weil ich an den Kindergarten-Cop mit Arnold Schwarzenegger denken musste. Und das half! Denn als alleinerziehende Mama bin ich froh um jede männliche Bezugsperson für meine Kinder. Männer sind einfach anders, auch im Umgang mit Kindern. Oftmals fassen sie sich wesentlich kürzer, drücken sich einfach anders, manchmal klarer aus und handeln entschlossener. Verzichten manchmal einfach auf Erklärungen, was es angespannten, müden Kindern leichter macht, den Anweisungen zu folgen.

Also freute ich mich über den männlichen Erzieherzuwachs. Leider blieb er nicht lang, sondern war mitten im Kindergartenjahr plötzlich weg. Die Erzieherinnen bedauerten das mindestens so wie ich, hielten sich aber über die Gründe bedeckt. Es liegt nahe, dass nicht alle Eltern mit dem Geschlecht des Erziehers umgehen konnten. Und das ist doof, um es mal salopp zu sagen.

Meine Kinder hatten Spaß mit diesem Erzieher. Er passte in die Gemeinschaft der Erzieher und in seiner Art auch zur „Atmosphäre“ der Kita. Natürlich wäre das auch eine prima Tarnung. Aber wenn ich so an die Sache herangehen würde, hätte ich keine ruhige Minute mehr. Schließlich hat meine Tochter inzwischen zwei männliche Erzieher im Schulhort, die sie vergöttert. Aber abgesehen von meiner Seelenruhe: Wie würden sich diese männlichen Erzieher wohl fühlen, wenn auch nur ein Teil der 160 Eltern dort sie für pädophil halten?

Ich hoffe, dass es nicht ein Elternteil gibt, die in diesen Erziehern ein Sicherheitsproblem für die Kinder sieht. Wir können uns nicht auf der einen Seite über zu wenig qualifizierte Erzieher aufregen und andererseits die Hälfte der Bevölkerung aufgrund ihres Geschlechts von diesem wichtigen Beruf ausschließen wollen. Aber zuzutrauen ist es uns, am besten noch per Gesetz. Dass dann am besten noch eine Wesensprüfung für männliche Erzieher vorsieht. So wie man bei Hunden eine macht, um sie als gefährlich oder harmlos einzustufen. Schlimm!

Tags
Zeig mir mehr

ommentare

  1. Da stimme ich dir zu. In der Kita hatten wir auch ne´n Praktikanten, den die Kinder toll fanden. Und auch jetzt im Hort ist einer ein Erzieher (sogar mit komplett eigener Gruppe + Ex-Soldat). Bei dem lernen die Zwerge auch mal was handwerkliches und das Schulgärtnern.

  2. Ich selbst bin Erzieherin. Und ganz ehrlich, es ist super schön, wenn auch ein Mann in der Kita arbeitet oder ein männlicher Azubi da ist. Die Kinder sind begeistert. Und es kommen halt nochmal ganz andere Einflüsse, Fähigkeiten den Kindern zu Gute.

  3. Huhu,
    also ganz ehrlich. Ich weiß nicht was an einem männlichen Erzieher falsch sein soll. Außerdem leben wir doch in einem allgemein toleranten Zeitalter. Bei meinem Sohn in der Schule ist derzeit ein männlicher Praktikant in der OGATA und die Kinder sind total vernarrt in ihn. Ebenso hatte Sohnemann in seinem letzten Kindergartenjahr einen männlichen Praktikanten mit dabei und auch dieser war von den Kindern akzeptiert und bei ihnen beliebt. Ich verstehe das Problem also wirklich nicht, das einige haben.

  4. Interessantes Thema und leider bei uns gerade wieder aktuell. Es gab hier schon einen Fall, bei dem ein männlicher Erzieher sich an den Kindern vergangen hat und nun wurde ein neuer eingestellt und die Eltern stehen Kopf. Ich kann die Vorurteile zwar verstehen, aber finde schon, dass man jeden eine Chance geben sollte ohne Vorurteile, nicht jeder Mensch ist bekanntlich ein schlechter Mensch

  5. Hi,
    sehr aktuell war das Thema auch in unserer KiTa, in dem der Wunsch einiger Eltern aufkam dem männlichen Bufdi nicht zu gestatten ihre Kinder zu wickeln. Völliger Blödsinn! Warum sollte es nur weibliche Erzieherinnen geben? Wie langweilig für die Kinder, zumal die ja meist nicht Fußball spielen oder miteinander ringen.
    Egal, jedem das seine. Ich kriege da echt Bauchweh, wenn ich darüber nachdenke.
    GLG,
    Mel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden More Info | Ok