KinderkramLeben

Heyho, wir sind die guten Piraten

Freitag, 14 Uhr, in einem kleinen Dorf an der A9. Die Sonne meint es gut und lässt das Thermometer in sommerliche Höhen steigen. Alle Menschen haben sich in Garten verzogen, sind an den nächsten See gefahren oder müssen noch arbeiten. Alle Menschen? Nein nicht alle. Denn eine noch recht überschaubare Menge Erwachsener trifft sich gut gelaunt auf einem weitläufigen Sport- und Spielplatz. Die meisten sind schwer beladen mit Kuchen, Obst, Gemüse und Grillzeug. Und fast alle sind mindestens ein bisschen verkleidet.

Piratenfest 2015 ©Tulpentopf
Piratenfest 2015 ©Tulpentopf

Denn heute ist Piratenfest, das Kindertagsfest der Kita im Ort. Und wenn Piratenfest ist, dann wird auch piratenmäßig gefeiert. Also sind auf den Tischen gebastelte Piratenschiffe und zwischen den Bäumen bunte Girlanden mit Piratenmotiv. Und natürlich mutieren auch die Eltern und Erzieher zu diesem Anlass von vernünftigen Erwachsenen zu frechen Piratinnen und saustarken Piraten. Wer seinen Proviant in der Kombüse abgegeben hat, lässt sich auf einer der Picknickdecken nieder oder setzt sich um Piratenplausch an die geschmückten Tische. Alle sind entspannt.

Bis, ja bis die Meute der kleinen Piraten eintrifft. Die sind voller Tatendrang und stürmen das Gelände, um es ein für allemal in Besitz zu nehmen. Da wimmelt es von Totenkopf-Tüchern, zerfetzten Piratenklamotten und gefährlich klingenden Säbeln. Manch einer schwingt die Hakenhand, ein anderer lieber die Pistolen. Ohne einen Käptn sind die kleinen Seeräuber wohl kaum zu bändigen.

Die Kinder verehren ihren Käptn ©Tulpentopf
Die Kinder verehren ihren Käptn ©Tulpentopf

Der lässt nicht lange auf sich warten und bringt der Meute erst einmal Manieren bei. Zum Beispiel: Ein Pirat sagt niemals ja, sondern „Ay ay, Käptn!“ Muss man schon wissen, so als Seefahrer unter der Totenkopfflagge. Und Singen sollte man können, so Lieder wie „Alle Möwen sind schon da“. Aber da ist selbst der Käptn nicht perfekt und braucht Verstärkung. Stark sind die kleinen Räuber, bringen sie doch in Nullkommanichts Luftballons zum Platzen und bestehen auch sonst jede noch so knifflige Piratenprüfung. Wer es geschafft hat, zeigt stolz sein neuestes Tattoo und zieht mit der Polonaise über die sieben Weltmeere.

Danach geht es ab um die Welt, jeder auf seine ganz eigene Kaperfahrt. Also auch mal über Berg und Tal (Rutschen), hinauf in die Lüfte (Schaukeln), mit Kanonenkugeln durch jedes Tor (Fußball) und hin und wieder zum Proviantholen in den Heimathafen. Selbstverständlich mit angemessener musikalischer Untermalung für wilde Kämpfe, freche Streiche und spannende Abenteuer. Zum großen Finale vereinen schließlich kleine und große Piraten ihre Kräfte fürs Tauziehen. So klärt man unter Piraten nämlich manchen Streit und die Einrichtung des Wirtshauses bleibt heil.

Finale mit Tauziehen ©Tulpentopf
Finale mit Tauziehen ©Tulpentopf

Für die Piraten aus dem Hafen Scudici war es das letzte Piratenfest als fester Bestandteil der örtlichen Crew. Doch sie werden ihre alten Piratenkameraden bei ihrer jährlichen Kaperfahrt begleiten und den besten Festtag des Jahres sicher nicht verpassen. In diesem Sinne: Heyho heyho hey, wir sind die guten Piraten auf hoher See!

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Mein persönliches Dankeschön für dieses völlig entspannte letzte Piratenfest geht an den Elternrat und das Erzieherteam vom Kinderhaus „Die Schatztruhe“ in Wiedemar. Den Kindern hätte es sicher nichts ausgemacht, das einstudierte Theaterstück aufzuführen! So war das Piratenfest 2015 ein großes Picknick für große und kleine Freibeuter. Im nächsten Jahr sind wir sicher wieder mit dabei, auch wenn dann beide Kinder schon in die Schule gehen. Es gibt schließlich Traditionen, die man nicht so schnell ablegen mag.

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