Gymnasium vs. Oberschule oder Dann eben nicht Elite!

Gymnasium vs. Oberschule oder Dann eben nicht Elite!

Schulwahl: Gymnasium oder Oberschule? ©Tulpentopf-Tina
Schulwahl: Gymnasium oder Oberschule?

Wie finde ich für mein Kind die richtige weiterführende Schule? Diese Frage stellt sich hier schon in der dritten Klasse. Dann will die Klassenlehrerin wissen, ob es später mal aufs Gymnasium gehen soll oder „nur“ auf die Oberschule. Die Entscheidung ist schwerer als gedacht.

Als meine Kinder in den Kindergarten gingen, war sich jeder sicher: Die sind schlau, die gehen ihren Weg. Wenn man selbst auf dem Gymnasium war und ständig solches Lob hört – tja, dann geht man davon aus, dass die wohlgeratenen, intelligenten Kinder dort auch landen.

Zumindest hatte ich mir das so vorgestellt.

Aber es kommt sowieso meistens anders, und so auch bei der Zaubermaus. Denn nach und nach wurde Mathe zum Arschloch und der Rest anstrengend. Abgesehen von den kreativen Fächern und Sachkunde lief es nur noch semi-optimal. Und aus eigenem Antrieb wurde nur noch gemacht, was nötig war.

Damit kommt man auf dem Gymnasium nicht weit. Doch das wollten anfangs weder ich noch die Zaubermaus wahr haben. Für mich war klar: Sie ist ja nicht dumm, nur vielleicht langsamer.  Für sie war es vor allem aber die Trennung von der besten Freundin, die den geplatzten Plan vom Gymnasium so tragisch machte.

Aber wenn schon, denn schon.

Als klar war, dass es nichts wird mit dem Gymnasium, wurde genau das mein Motto. Wenn mein Kind schon nicht „Elite“ wird, dann geht es nicht auf irgendeine Oberschule. Nur die beste von den irgendwie erreichbaren sollte es werden. Und das war sicher nicht die „Ghettoschule“ hier im Ort mit nichts als Neubaublocks drumherum und unzähligen Ausfallstunden.

Also sahen und hörten wir uns um. Wir nutzten Tage der offenen Tür, checkten Schulwege ab und unterhielten uns mit anderen Eltern. Bis die Zaubermaus ein Machtwort sprach: Sie wollte auf die Schule im Ort. Was bisher als „geht gar nicht“ verschrien war, war jetzt die Wunschschule der Hauptperson.

Natürlich wegen der Freundinnen, die auch dort sein würden. Aber durfte das für uns als Eltern überhaupt eine Rolle spielen? Mussten wir nicht mit Weitblick auf die berufliche Zukunft auf die offenbar bessere Schule bestehen? Oder war das persönliche Wohlbefinden der Zaubermaus die beste Voraussetzung für gute Zensuren?

Sie hat sich durchgesetzt – zum Glück.

Inzwischen geht sie seit gut einem Monat auf eben diese Oberschule. Mit vier weiteren Mädchen aus ihrer alten Grundschulklasse lernt sie nun neue Fächer wie Biologie und Geschichte kennen, hatte aber noch nie Geographie, weil der Lehrer dafür langzeitkrank ist. Der Vertretungsplan ist fester Bestandteil der Schulwebseite.

Doch jeden Tag bekomme ich Herzen per Whatsapp zugeschickt. Wenn sie mich nach der Schule anruft, höre ich meist ein fröhliches Kind, das nebenbei mit seinen Freundinnen rumalbert. Ein Kind, das mit sich zufrieden ist und Zeit zum Kind sein hat. Und übrigens auch keine Spur mehr vom Grundschul-Abgänger-Blues.

Es gibt keine Diskussionen um Hausaufgaben. Dafür schimpft sie umso mehr, wenn mal wieder eine Stunde ausfällt oder eine tolle Lehrerin wegen Krankheit vertreten wird. Vielleicht noch von einer der wenigen „Hexen“ oder „Langweiler“, die einem für das Tragen eines Schals eine Sechs geben wollen oder alles drei mal erklären.

Richtig oder falsch entschieden? Keine Ahnung!

Wie richtig oder falsch die Entscheidung für genau diese Oberschule war, wird sich noch zeigen. Ich bin jedoch sehr froh, dass wir sie nicht aufs Gymnasium gezwungen haben. Auch wenn es scheinbar zum guten Ton gehört, seine Kinder dorthin zu schleifen und dann irgendwie durchzubringen, nur damit sie vielleicht irgendwann irgendwas studieren.

Vielleicht wird der Junior ja aufs Gymnasium gehen. Wenn er den Willen und die Leistungen hat, die für ein halbwegs entspanntes Dasein als (Vorsicht: Ironie!) „Bildungselite“ nötig sind. Momentan würde es am Willen scheitern, aber wir haben ja noch ein halbes Jahr bis zur vorläufigen Entscheidung. Und ich habe absolut noch keine Ahnung, wie die wohl aussehen wird.

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