Leben

Glücksgefühle an der Ostsee

In den „99 Fragen für Eltern“ im letzten NIDO-Magazin findet man auch diese hier: „Wann haben Sie zuletzt vor Glück geweint?“ Jetzt, nach unserem Urlaub an der Ostsee, kann ich diese Frage beantworten, ohne Wochen oder Monate zurückdenken zu müssen. Denn sie sind immer noch da, diese Glücksgefühle. Weil sie aus Wellenrauschen, Wind und Sonne gemacht sind und gerade mal ein paar Tage zurückliegen. Und in mir immer noch nachklingen.

Glücksgefühle an der Ostsee
Glücksgefühle an der Ostsee ©Tulpentopf

Es war am späten Nachmittag unseres ersten Urlaubstages. Wir waren gerade mal vor drei Stunden angekommen, hatten die erste Verwüstung unseres Feriendomizils geschafft und nun nutzten nun die ersten richtigen Sonnenstrahlen des Tages für einen Spaziergang. Der führte uns an der schönen Salzhaff-Promenade in Rerik entlang, zu einem Spielplatz und auch hin zu den Segelbooten und Ausflugsschiffen.

Es gab jedoch nur ein richtiges Ziel: Die Ostsee. Der Moment, als wir den Hauptzugang zum Strand erreichten und dann zum ersten mal in diesen sieben Tagen Ostseesand unter den Füßen hatten, war unbeschreiblich. Die Kinder gerieten völlig aus dem Häuschen, kamen kaum 10 Meter weit, bevor die ersten Muscheln sie von Sturm auf die Wellen ablenkten. Es mussten sofort die ersten Schätze geborgen werden.

Diese drei Muscheln, die unglaubliche Weite der Ostsee und das ausgelassene Geschrei meiner inzwischen doch schon wellenjagenden Kinder trieben mir die Tränen in die Augen. Ich zog die Schuhe aus und ließ die Füße im Sand versinken und vom salzigen Wasser umspülen. Dann schloss ich die Augen und genoss in vollen Zügen die Sonne auf der Haut, den Wind im Haar und Kinderjubel und Wellenrauschen in den Ohren.

Darauf hatte ich ein Jahr lang gewartet. Monate, in denen ich mich sonnenhungrig nach dem Meer und freier Zeit gesehnt hatte. In denen ich Stück für Stück das Geld für diesen Traum zusammengespart hatte. Und in denen ich auch respektvoll auf die Aufgabe geschaut hatte, uns drei heile, mit guter Laune und rundherum bestens versorgt hier her zu bringen.

Aber es hatte alles geklappt. Fünf Stunden Autofahrt fast ohne „Sind wir bald da?“-Gequengel. Das Feriendomizil in bester Lage gleich neben dem Spielplatz im Feriendorf. Und jetzt endlich Sonne, Strand und Meer. Der Moment war perfekt. Glücksgefühle pur.

Ich war stolz auf mich, weil ich es geschafft hatte, uns hierher zu bringen. Ich war stolz auf meine Kinder, die genau genau dann ohne Murren mitgemacht hatten, wenn es nötig war und jetzt in vollen Zügen das Hiersein genossen. Gute Gründe also, um die ein oder andere Glücksträne kullern zu lassen. Von diesen Glücksgefühlen gab es in unserem Urlaub noch einige mehr.

Einfach, weil es für uns alle drei noch einige Herzmomente mehr gab. Beim Mama-im-Sand-Einbuddeln, Quallen retten, Muscheln sammeln, Krebscheren entdecken. Bei den kleinen Routinen, die sich beim Abendessen im Feriendorf-Restaurant ergaben. Bei der Selbstverständlichkeit, mit der meine Kinder einfach auf den Spielplatz stürmten, weil Mama sowieso gleich wieder auf der Terrasse der Ferienwohnung sitzt und jeder von uns weiß und sieht, wo der andere gerade ist. Bei jeder Seite im Buch, die ich am helllichten Tag lesen konnte, ohne dass jemand irgendwas von mir wollte.

Selbst der Abschied von der Ostsee am Abend vor der Abreise war so ein Augenblick. Als die große Tochter fragte, ob wir denn bald wieder hierher kommen würden. Und beide Kinder ganz enttäuscht und traurig waren, dass wir Rerik so schnell nicht wiedersehen werden. Da war es nur ein winziger Trost, dass der Ostseeurlaub fürs nächste Jahr schon fest gebucht und damit fest versprochen ist. Für neue Glücksgefühle.

Sonnenuntergang an der Seebrücke Rerik
Sonnenuntergang an der Seebrücke Rerik ©Tulpentopf
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