KinderkramLeben

Die beste Mama der ganzen Welt

Als Mama hat man schon fast grundsätzlich ein schlechtes Gewissen gegenüber den eigenen Kindern. Zu viel arbeiten, zu viel schimpfen, zu viel fordern, zu viel kontrollieren. Oder eben von allem zu wenig. Selten, aber dringend nötig, wäre da ein ehrliches Lob. Also regelmäßig eins und nicht einmal nur eines. Eher täglich. Und nicht nur dann, wenn es gut läuft. Und die gibt es sogar. Auch wenn man sie schnell mal überhört.

Beitrag zu Blogparade von  Lucie Marshall
Beitrag zu Blogparade von Lucie Marshall

Meine Kinder sind gerade beide in so einer Phase, die mich in den Wahnsinn treibt. Regelmäßig, täglich, manchmal stündlich wird ausprobiert, was meine Nerven aushalten. Bei der Tochter ist es so ein Autonomie-Ding: Mit ihren acht Jahren steckt sie mitten drin in dieser seltsamen Vorpubertät, wo die Mädels gern testen, ob sie wirklich alles nach Anweisung machen müssen.

Da werden Aufgaben einfach ignoriert, um zu sehen, ob Mama wirklich darauf achtet, dass sie erledigt werden. Das geht mir gehörig auf den Keks, weil ich eben keine Helikoptermutter bin und auch nicht sein will. Wenn ich ihr dann sage, dass ich ihre Ziele durchaus durchschaut habe, ernte ich ein verschmitztes Grinsen. Ganz nach dem Motto: „Hast mich erwischt. Aber ich probiere es weiter.“

Der Junior steckt dafür in einer ausgewachsenen Trotzphase. Sein letztes Jahr im Kindergarten signalisiert ihm, dass er eigentlich schon zu den Großen gehört. Dumm nur, dass er dann immer noch wie ein Kleiner behandelt wird. Also wie ein Kindergartenkind. Auf dessen Status er sich aber genauso gern und oft ausruht: Das muss ich noch nicht können, erst wenn ich ein Schulkind bin.“ Und in diesem Spannungsfeld zwischen Noch-nicht-Schulkind und Fast-nicht-mehr-Kindergartenknirps reibt er sich und mich auf.

Kein Wunder also, dass es zwischen uns drein immer wieder knallt. Die Schwester ist genervt vom nachweislich kleinen Bruder. Der Bruder ist genervt von seiner zickigen Schwester. Mich nervt jeder sinnlose Streit zwischen den beiden und die Böckchen jedes einzelnen. Und sie sind von mir genervt, weil ich regelmäßig ausflippe oder ihrer Meinung nach gerade mit dem falschen Part schimpfe. Dazu kommt die aufregend blinkende, glitzernde, überfordernde Weihnachtszeit. Yeah!

Alles zusammen ergibt sich regelmäßig, täglich, manchmal stündlich mehr als ein Grund für ein schlechtes Gewissen und Versagensgefühle. Bad Mama Days gibt es einige. Bedauern genauso. Und von Außenstehenden die gesamte Palette vom milden Lächeln über schiefe Blicke bis hin zu Vorwürfen.

Gar nicht gut, überhaupt nicht gut. Denn so vergisst man schnell, warum gerade bei uns alles überkocht. Weihnachten ist aufregend ja. Großwerden auch. Und beim Großwerden muss man sich ausprobieren, wenn man zu einem gesunden, vernünftigen Erwachsenen werden soll. Das geht am Besten in einer sicheren Umgebung. Und „sicher“ heißt in dem Fall vor allem „geliebt“.

Wo sollte man sich selbst besser ausprobieren können, als dort, wo es im „Ernstfall“ eben keine ernsten Konsequenzen hat. So verwundert es auch nicht, dass die Kids bei Ausflügen mit Kita oder Schule, im Urlaub mit den Großeltern und auf großen Familienfeiern vor allem durch vernünftiges Auftreten glänzen. Da sind sie dann folgsam, wissen, wann sie still sein müssen und werden auch nicht frech. Wie die Deckchen!, sagt die Oma immer so schön.

Aber Ausflug, Urlaub und Familienfeiern sind ja nicht der Alltag. Und ein Lob für die meisterhafte Erziehung dementsprechend selten. Mit einem „Deine Kinder waren echt toll. Die hast du gut hingekriegt.“, das man ab und zu mal bekommt, bekommt man das schlechte Gewissen im Alltag also nicht weggezaubert. Weil es eben immer Ausnahme-Ereignisse und damit eben gefühlt auch Ausnahme-Gründe, stolz und zufrieden mit sich zu sein.

Wenn es da nicht diese Menschen gäbe, die mit dem Lob für die Mama nicht sparen. Das kann die Oma sein, die einfach sagt: „Sind völlig normale Kinder. Die müssen auch mal laut sein.“ Oder die Typ an der Supermarktkasse, der erzählt, dass er sich mit seiner Schwester auch immer fast geprügelt hat. Oder das Pärchen auf dem Gehweg, dass sich eben kurz mal trennt, um das ganz toll rückwärts gehende Kind durchzulassen. Oder das wissende Lächeln einer Mutter auf dem Parkplatz, die im Schritttempo und bremsbereit durch die Reihen fährt.

Das schönste Lob kommt aber immer noch von den Kindern selbst. Wenn sie nach einem sinnlosen Streit miteinander heulend die Türen zuknallen und zwei Minuten später zaghaft beieinander anklopfen. Wenn die Große nicht nur wie gefordert die Wäsche aus dem Trockner holt, sondern auch noch anfängt, ihre Sachen zusammenzulegen. Wenn der kleine Mann sich die Tränen trocknet und statt sich zu Verweigern plötzlich am schnellsten von allen komplett angezogen ist. Oder wenn beide nach einem fürchterlichen Krach mit mir am Tisch sitzen und sich lautstark einig sind: „Unsere Mama ist die beste Mama der ganzen Welt!“

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade von Lucie Marshall.

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