KinderkramLeben

#99FragenfürEltern: Mein größter Kompromiss

Gestern fand ich bei Heikeland einen Blogpost zum Thema „Mein größter Kompromiss“ als Teil der #99FragenfürEltern Aktion vom NIDO-Magazin. Die Frage nach dem größten Kompromiss ist für mich wirklich nicht einfach zu beantworten, denn man geht beim Leben mit Kind(ern) täglich hunderte ein. Viele waren vorhersehbar, einige haben mich überrascht, wieder andere nehme ich gar nicht als solche wahr. Aber welcher von ihnen war und ist die größte Herausforderung für mich?

Der größte Kompromiss
Karin Jung / pixelio.de

Ich war nie Frühaufsteher und werde abends erst so richtig kreativ. Selbst wenn ich nicht dank Schule und Kindergarten früh raus müsste – mit Kindern ist Ausschlafen bis mittags nach durchlesener/durchfeierter/durchgearbeiteter Nacht einfach nicht drin. Inzwischen habe ich das Langschläfertum verlernt. Nur die Kreativität überfällt mich immer noch am häufigsten des Nachts.

Vor den Kindern war ich gern mal nur für mich. Gammelsonntage auf dem Sofa mit Uralt-Filmen und dösend die Zeit verstreichen lassen. Oder den ganzen Tag lesend im Bett. Oder einfach nur in herrlichster Stille vor mich hin träumend. Wehe, es hat mich da jemand gestört. Auch wenn es der Liebste war, der da einfach zum Kuscheln vorbeikommen wollte. Auweia, da konnte ich richtig giftig werden. Mit Kindern kann man froh sein, wenn man ungestört aufs Klo kann.

Der größte Kompromiss in Sachen Mamasein ist jedoch die Abhängigkeit. Ich liebe es, die Dinge selbst in der Hand zu haben, selbst in den Griff zu bekommen und auf eigenen Beinen zu stehen. Eigenes Geld, eigene Entscheidungen und bloß nicht um Hilfe bitten müssen. Aber ein weises Sprichwort sagt: Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf.

Nun hab ich zwei Kinder, der Papa lebt nicht mit uns zusammen und wirtschaftliche Unabhängigkeit ist auch ohne Kinder ein Luxus, den die wenigsten heute ihr Eigen nennen können. Egal ob Augenarzttermin, Schulungen am anderen Ende der Republik, reparaturbedürftige Haushaltsgeräte oder zu klein gewordenen Klamotten. Allein ist das nicht schaffbar.

Genauso wenig kann und darf ich die Tatsache ignorieren, dass Kinder mehr als eine Bezugsperson brauchen. Dabei geht es nicht nur um das Netzwerk, das einspringt, wann immer ich an zwei Orten gleichzeitig sein müsste. Es bedeutet auch, sich mit Menschen zu arrangieren, denen man in kinderlosen Zeiten mindestens temporär einfach aus dem Weg gegangen wäre.

Es kommt ja schon mal vor, dass man sich mit dem ein oder anderen nicht so super versteht. Oder, dass man den ein oder anderen von Anfang an nicht ausstehen kann. In beiden Fällen ist es eigentlich unnatürlich oder mindestens nicht gesund für die Seele, den Kontakt gezielt zu suchen, Eigenarten auszuhalten, ruhig zu bleiben und nach außen hin auch noch nach Friede, Freude, Eierkuchen auszusehen.

Und genau dieses Aushalten ist mein größter Kompromiss. Mit Kindern tut man, tue ich manchmal nämlich genau das. Weil es für die beiden wichtig ist. Weil es nicht von mir abhängen darf, ob es eine Beziehung zwischen den Kindern und der jeweiligen Person gibt. Und schon gar nicht darf es an oder wegen mir scheitern. Das ist in vielen Situationen hart. Dann sehne ich die Möglichkeit herbei, diesen Menschen einfach hinter mir lassen zu können.

Manchmal allerdings lohnt sich das Aushalten und überrascht mich mit einer schönen Erfahrung. Wenn sich der Kontakt plötzlich für beide Seiten als angenehm entwickelt, weil sich die Umstände, die Menschen, die Sichtweisen ändern. Das passiert nicht oft, aber es hilft, diesen großen Kompromiss weiter zu leben. Zusätzlich zu den anderen hundert pro Tag.

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