KinderkramLeben

1000 erste Male: Kinder allein unterwegs

Vom Loslassen und Zutrauen

Ein Kind zu haben bedeutet, dass das eigene Herz außerhalb deines Körpers herumläuft. Wie wahr dieser Spruch ist, merkte ich gestern. Da nämlich schickte ich meine Kinder allein auf den Weg in den Hort. Zum ersten Mal.

Es geschah Samstag früh. Beim Aufwachen zwischen meinen putzmunteren Kindern ereilte mich ein Wadenkrampf der Sonderklasse. Also stand ich auf, um ihn los zu werden – und es machte KNACK! Danach war ein Abrollen des Fußes undenkbar.

Mein Weg am Montagmorgen führte also zum Arzt. Blöd nur, dass der nicht auf dem Weg zum Hort liegt. Aber den ganzen langen Weg bis zum Hort und wieder zurück und weiter zum Arzt wollte ich auch nicht humpeln.

Also mussten meine Kinder allein los. Zumindest nach gut 500 Metern. Ich dann gerade aus, die beiden links runter, durchs verschlafene Zentrum und noch ein Stück weiter. Aber hey, es ist nur eine Kleinstadt.

Was soll da passieren? Das sagte ich mir und meiner großen Tochter, die von Natur aus eher ängstlich ist. Wenn uns jemand wegfängt oder verfolgt? Was wenn wir überfahren werden? An einer positiven Grundeinstellung dieser kleinen Dramaqueen arbeiten wir schon eine Weile.

Böses Kino im Kopf

Aber sie traf natürlich bei mir genau den mütterlichen Sorgennerv. Und so sah ich den beiden etwas länger nach, als ursprünglich von mir geplant. Natürlich nur, um zu gucken, dass sie nicht zu sehr trödelten. Warum denn sonst?!

Ja gut, ich gebe es zu: In meinem Kopf ging so einiges mit mir durch. Schnell noch einprägen, was die beiden heute anhaben. Sollte ich vielleicht im Hort anrufen, damit die mich anrufen, wenn die beiden nicht ankommen? Quatsch alles gut, die beiden sind groß.

Und hübsch. Viel zu hübsch. Da guckt jeder hinterher. Also auch die Perversen. Und dafür guckt der Junior, mein Träumer, eben nicht immer, wenn er über die Straße geht. Gnaaaaah!

Bloß gut, dass ich dann erstmal mit dem Ärzte-Pingpong beschäftigt war. Hausarzt, Chirurg, Hausarzt. Ergebnis: Muskelfaseranriss. Also Blutabnahme, um Thrombose auszuschließen und zur Sicherheit Kompressionsstrümpfe. Schick, was?

Nach zwei Stunden war ich wieder Zuhause. Und überraschend gelassen. Schrieb eine Rezension, machte mir etwas zu essen, genoss das beste Wetter und las 100 Seiten Buch. Man sollte ja aus jeder Situation das Beste machen.

Alles prima – natürlich!

Gegen halb drei ging ich dann zum Hort. Und spürte dann doch wieder diese Nervosität. Vor allem, weil man auf dem großen Gelände seine Kinder eben nicht gleich findet. Aber die Erzieher grüßten wie immer, also war es logisch, dass meine Kinder da sein mussten.

Und dann flogen sie mir auch schon in die Arme. Beide mindestens fünf Zentimeter gewachsen und wir alle drei stolz wie Oskar. Nun wollen sie das öfter machen. Aber nur, wenn es nicht so schweres Zeug zu schleppen gibt. Und nur bei gutem Wetter. Ist klar oder?

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