Hörbuch: „Sandor – Fledermaus mit Köpfchen“ von Dorothea Flechsig

Hörbuch: „Sandor – Fledermaus mit Köpfchen“ von Dorothea Flechsig

Fledermäuse sind cool, Sandor ist cooler. Zumindest für meine Kinder. Denn nach diesen Geschichten hätten sie auch gern so einen Fledermaus-Kumpel wie Jendrik. Der wird dank Sandor zum Held, was für ihn ziemlich neu ist. Jendrik ist nämlich wirklich ein ziemlich normaler Junge, der dank Sandor echte Abenteuer erlebt.

"Sandor - Fledermaus mit Köpfchen"
„Sandor – Fledermaus mit Köpfchen“ beim ©Glückschuh Verlag

Zum Inhalt:
Jendrik lebt mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Tom in einer 3-Zimmer-Mietwohnung. Sein Vater lebt weit weg in Norwegen und spielt in seinem Leben keine (aktive) Rolle. In der Schule wird er von den Lehrern eher als Störenfried gesehen, weil er hin und wieder zu spät kommt und immer wieder so seltsame Geräusche macht.

Dabei kommen die Geräusche von einer kleinen Fledermaus, die sich im alten Rollladenkasten über seinem Platz eingenistet hat. Diese Fledermaus ist nicht irgendeine Fledermaus, sondern Sandor. Sandor hat in all der Zeit, die er an seinem Schlafplatz verbracht hat, Sprechen, Lesen und Schreiben gelernt. Und eines Tages beschließt er, dass er Jendriks Freund werden will.

Nachdem Jendrik über den Schreck hinweg gekommen ist, dass er Fledermäuse versteht und diese ganz besondere auch noch sein Freund sein will, gibt der kleine Sandor Jendrik richtig Aufwind. Er verrät ihm, wo ein Dieb einen Schatz vergraben hat und nachdem Jendrik den zur Polizei gebracht hat, ist er der Held des Tages.

Meine Meinung:
Das Schöne an den Hauptfiguren ist, dass Jendriks Familie nicht dem uralten Mutter-Vater-Kind entspricht, sondern aus einer alleinerziehenden Mutter und ihren zwei Söhnen besteht. Sie wird auch nicht als die Superfrau dargestellt, sondern als berufstätige, verantwortungsbewusste Frau, die vom hektischen Alltag mit zwei Kindern durchaus mal überfordert ist. Meine Kinder finden sie sogar eine Spur zu streng und ein bisschen blöd.

Jendrik wird auch erst nach und nach zum Helden. Man merkt auch ihm an, dass der Vater fehlt, der Bruder im Kindergartenalter manchmal nervt und es gar nicht so einfach ist, unter Gleichaltrigen seinen Platz zu finden. Schon gar nicht, wenn man sich verliebt hat, so wie Jendrik in Lilli. Sandor dagegen ist von Anfang an eine Super-Fledermaus. Schlau, gebildet und hilfsbereit. Ein echter Kumpel mit Köpfchen eben.

Die Geschichten rund um Sandor (gesprochen „Schandor“, da transsilvanisch/rumänisch) werden von Nicolas Alexander Böll gelesen. Der schafft es, seiner Stimme viele verschiedene „Gesichter“ zu geben, ohne dass es nervt. Auch außerhalb der Dialoge, wenn er also als Erzähler die Handlung beschreibt, tut er dies im ruhigen und ausdrucksstarken Ton. Eine Wohltat für Eltern-Ohren.

Ein Manko bei den Sandor-Geschichten ist die Logik. Es ist eine Sache, dass Jendrik sich mit einer Fledermaus wie mit einem anderen Menschen unterhalten kann. Wenn ein Schulkind allerdings bei der Polizei erzählt, es würde mitten in der Nacht zufällig auf Diebe stoßen und diese dann auch noch verfolgen, würde das in Deutschland eine Behördenlawine lostreten. Das Jugendamt lässt grüßen.

Mein Fazit:
„Sandor – Fledermaus mit Köpfchen“ schafft den Spagat, ein Kindergartenkind genauso gut zu unterhalten, wie ein Schulkind. Zumindest klappt das bei meinen so gut, dass sie ihre Plüschfledermäuse wieder vorgekramt haben und nach den Fortsetzungen der Sandor-Geschichten verlangen. Natürlich sind ihnen die Realitätspatzer dabei völlig egal. Sie sehen nur, dass ein Junge aus einer unperfekten Familie einen tollen kleinen Freund hat und spannende Abenteuer erlebt. Dafür volle Sternenzahl.

Infos zum Hörbuch:
Die Geschichten von „Sandor – Fledermaus mit Köpfchen“ stammen aus der Feder von Dorothea Flechsig und werden von Nicolas Alexander Böll gelesen. Erschienen sind sie als Hörbuch und Buch im Glückschuh Verlag.

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel