Im Grundschul-Abgänger-Blues

Im Grundschul-Abgänger-Blues

Der Ranzen für die Grundschule hat ausgedient. ©Tulpentopf
Der Ranzen für die Grundschule hat ausgedient. ©Tulpentopf

Da sind sie vorbei, die vier Grundschuljahre der Zaubermaus aka großen Tochter. Gerade eben drückte ich ihr die viel zu schwere Zuckertüte in die Hand und nun sind es nur noch sechs Wochen, bis sie zu den Großen gehört. Das treibt sie und mich in den Grundschul-Abgänger-Blues.

Schon vor einem Jahr haben wir uns verschiedene Schulen angesehen. Neben dem Gymnasium also die drei Oberschulen, die in akzeptabler Reichweite liegen. Damals war ich die treibende Kraft, denn ich wollte alle Möglichkeiten kennen. Die Tochter war eher so semi interessiert. Aber da lag der Wechsel auf eine andere Schule auch noch in weiter Ferne.

Diese Ferne ist plötzlich ganz nah.

Nach den Winterferien ging es Schlag auf Schlag. Erst die Bildungsempfehlung, dann immer öfter „letzte Male“. Letzte Osterferien, letzter Wandertag, letzte Klassenarbeit. Für mich schon aufregende Vorzeichen. Für die Zaubermaus noch nicht als solche greifbar.

Denn immerhin stand noch die Klassenfahrt bevor. Die erste und letzte in diesem Klassenverband. Das war ein echtes Highlight für den Pre-Teenager: Gleich mit mehreren Freundinnen bis spät in die Nacht quasseln. Ohne Eltern auf Entdeckertour. Wie die Großen.

Dann nur ein paar Tage später das Abschlussfest. Aufregung vorm Auftritt beim eigenen Programm für die Eltern. Vorfreude auf lustige Spiele, Ponyreiten und Hüpfburg. Am nächsten Tag später als alle anderen in die Schule kommen. Und dann schließlich gleich danach der Zeugnistag.

Und mit dem Zeugnis war er dann da: Der Grundschul-Abgänger-Blues.

Plötzlich war der Abschied greifbar. Die Klassenlehrerin hatte über vier Jahre die Regeln festgelegt und entließ ihre Schützlinge. Sie selbst geht in Rente. Vier Jahre lang kannte man die Macken der anderen Kinder. Hatte miteinander gestritten, gelacht und gespielt. Vorbei.

Nach den Sommerferien würde alles anders sein.

Die einen auf dem Gymnasium, die anderen in der Oberschule. Neue Kinder, neue Lehrer, neue Regeln, neue Mutproben. Und wieder ein Stück weiter in die Welt der Erwachsenen hinein. Klar möchten die Kleinen das – irgendwie. Oder doch nicht?

So fertig vom vergangenen Schuljahr sieht es nach einer großen Herausforderung aus. Plötzlich sind da Tränen um die „alte“ Lehrerin, die man „nie“ wiedersieht. Plötzlich muss wieder ganz viel extra gekuschelt werden. Plötzlich ist das klein sein wohl doch viel schöner – sicherer.

Deshalb schleppt die Zaubermaus auch wieder mehr Plüschtiere herum. Und auch ich kann sie sehr gut verstehen. Heißt es doch für mich wieder ein Stück mehr loslassen. Klar kommen ohne den Hort als sicheren Aufenthaltsort fürs große Kind. Daran glauben, dass sie sich auch gegen „halbwüchsige Spinner“ durchsetzt.

Ganz schön hart, dieser Grundschul-Abgänger-Blues. Für uns beide. Aber erstmal werden wir die Ferien genießen und Kräfte für den neuen Abschnitt sammeln. Dann packen wir das mit links. Wir beide.

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