KinderkramLeben

Fernseh-Picknick: Pädagogisch voll daneben – na und?

Ob alleinerziehend oder nicht: Als Mutter hat man bei der Erziehung der Kinder eine wichtige Rolle. Und die hat man so gut wie es nur irgendwie geht zu erfüllen. Pausenlos, versteht sich. Alles, was eine Mama mit und für die Kinder tut, muss also pädagogisch wertvoll und richtig sein. Versaut wird der mühevoll erreichte Erziehungsstandard ja sowieso schon viel zu oft. Von laschen Erziehern, überforderten Lehrern, den viel zu lieben Großeltern und anderen Kindern. Und von mir. Denn ich liebe unser Fernseh-Picknick. Pädagogisch voll daneben, aber eben auch voll schön.

Fernseh-Picknick beim @Tulpentopf
Fernseh-Picknick beim @Tulpentopf

„Mama, sind wir heute Abend bei uns Zuhause?“. Wenn ich diese Frage mit „Ja.“ beantworte, herrscht schon morgens Jubelstimmung. Denn abends Zuhause zu sein bedeutet bei uns Picknick vorm Fernsehgerät. Und noch genauer: Ein Decke vor dem Sofa mit Kissen als Räuberlager, Schnittchen und Salat und dazu läuft die Glotze für mindestens eine Stunde. So circa ab dem Sandmann lassen wir uns vom Kinderkanal mit „Mia and me“, „Peter Pan“, „Wissen macht AH“ oder „Checker Tobi“ berieseln. Nach den Logo-Nachrichten geht es dann ins Bett. Natürlich nicht ohne Protest, Mama-Belagerung und mindestens irgendwas Süßem als Nachtisch.

Wenn ich anderen Müttern von unserem Fernseh-Picknick berichte, sind die meistens empört. Sowas macht man nämlich nicht. Wo bleiben denn da die Tischmanieren, die man doch am Besten täglich übt? Und jeder weiß doch, dass man auch als Erwachsener nicht beim Essen fernsehen soll. Weil man sonst kein Gefühl für das Essen bekommt und auch nicht merkt, wenn man eigentlich schon satt ist. Und so lange am Stück in die Glotze sollten Kinder sowieso nicht starren. Und dann auch noch mit Süßigkeiten belohnen.

Also das ist ja nun wirklich pädagogisch voll daneben. Ja, ist es. Und ich, nein, wir genießen es trotzdem. Weil man am Tisch nicht kuscheln kann, beim Fernseh-Picknick aber schon. Weil dann niemand mit der Butter am Messer kämpfen muss, denn die ist ja schon auf dem Brot. Weil man eben nicht schon wieder ordentlich und diszipliniert am Tisch sitzen muss. Weil alle zur Abwechslung mal das Gleiche tun und miteinander über das Gleiche reden. Weil es so herrlich unvernünftig ist und es in den Augen meiner Kinder viel zu selten passiert.

Denn es kommt nicht allzu oft vor, dass wir abends Zuhause sind. Nach acht Stunden Arbeit bzw. fast neun Stunden Kita und Schule+Hort stehen meist noch viel zu viele andere Dinge auf dem Plan, die allesamt verhindern, dass wir eine Stunde fürs Abendessen hätten. Manchmal ist es nur der Wocheneinkauf, oft so regelmäßige Dinge wie Training und Tanzstunde. Und wenn der Papa Frühschicht hat, sind die Kinder an zwei Tagen in der Woche sowieso erst zum Schlafengehen wieder da.

Wen wundert es da, wenn wir unser Abendessen nicht pädagogischen Normen unterwerfen? Ich jedenfalls mache mir keine Sorgen darüber, dass unser Fernseh-Picknick meinen Kindern schadet. Sie wissen trotzdem wie man sich bei Tisch benimmt und können dieses Wissen bei Bedarf auch umsetzen. Sie teilen bereitwillig Kekse, Schokolade und Chips – aber beim Salat und den Apfelspalten hört die Freundschaft auf. Da wird um, jeden Löffelvoll gekämpft und gestritten, wer das größere der beiden letzten Apfelstücke bekommt. Und wenn sie könnten, würden sie auf unserem Räuberlager übernachten, solange nur die Mama auch zum Kuscheln da bleibt und sie quasi in mich hineinkriechen können. Das macht unser Fernseh-Picknick vielleicht nicht pädagogisch wertvoller, aber viel zu schön, um es abzuschaffen.

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