Erfahrungsbericht: Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide (3) – Ausflugstipps

Bei so einer Mutter-Kind-Kur sind nicht nur Einrichtung selbst und der Therapieplan wichtig, sondern auch das Drumherum. Auch wenn die Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide so ziemlich im Nirgendwo liegt, mangelt es nicht an Ausflugsmöglichkeiten.

Für zwei Ausflüge haben wir die Wochenend-Angebote der Klinik genutzt. Neben Fährfahrten zu den nahen Inseln und der obligatorischen Kutschfahrt werden hier Wattwanderung und Seetierfangfahrt angeboten. Böse Zungen würden behaupten, wir wären genau dafür so weit in den Norden gereist. Und wirklich waren beide Ausflüge für Landratten wie uns genau richtig.

Wattwanderung

Die Wattwanderung wird im nahen Lüttmoorsiel bei Niedrigwasser gemacht. Der Weg dorthin dauert keine 20 Minuten mit dem Bus. Nach einer kurzen Einleitung führt Georg de Jong die Gruppe dann direkt auf den Meeresboden. Der Mann ist den Kindern dann als Betreuer im Haus „Junge Lüüd“ bekannt, aber auch bei den kleineren sehr beliebt.

Während der 1,5 stündigen Führung buddelt er Krebse, Wattwürmer und anderes Getier aus, erklärt Unterschiede der einzelnen Arten, was sie dem Watt Gutes tun und wer wen zum Fressen gern hat. Dabei beantwortet er geduldig Fragen von Groß und Klein, lässt sich aber nicht gern unterbrechen. Und Kinderfragen haben grundsätzlich Vorrang.

Seetierfangfahrt

Für die Fangfahrt werden die Ausflügler in zwei Reisebussen nach Schlüttsiel gebracht. Auch das dauert kaum 20 Minuten. Dann geht es auf die MS Seeadler, die mit der einsetzenden Ebbe aufs Meer hinaus fährt. Platz genug ist für alle- im gemütlichen Unterdeck oder etwas luftiger auf dem Oberdeck.

Irgendwann drosselt der Kapitän dann den Motor und wirft ein Schleppnetz aus. Nach etwa 10-15 Minuten holt er dieses wieder ein und kippt den Inhalt in ein Becken, dass einer größeren Duschwanne ähnelt. Der Fang wird dann gesichtet und fachkundig erläutert. Auch werden die Tiere so weit das möglich ist von Hand zu Hand gegeben. Das Highlight bei unserer Fahrt war eindeutig der Seestern, der selbst für eine Erwachsenenhand zu groß war.

Drängeln muss man übrigens nicht. Der Kapitän belässt den Fang noch 20-30 Minuten in dem Becken, bevor ihn die Kinder wieder ins Meer werfen dürfen. Es bleibt also genug Zeit, sich alle Tiere in Ruhe anzuschauen. Spätestens auf der Rückfahrt wollen die meisten Kinder dann nämlich lieber eine heiße Schokolade im Unterdeck trinken oder zum Kapitän und das Schiff selbst mal lenken. Genau das ist nämlich auch möglich und wurde gut angenommen.

Die Seetierfangfahrt erlebten wir ebenso wie die Wattwanderung bei bestem Wetter: leichter Wind und Sonne satt. Trotzdem waren wir im April froh über dicke Jacke und Mütze. Bei beiden Ausflügen sollte man sich mit der Buchung beeilen, da sie sehr beliebt sind. Also lieber gleich morgens zur Rezeption der Eltern-Kind-Fachklinik und nicht erst bis zur Mittagspause warten. Bezahlt werden muss übrigens direkt bei der Buchung.

Husum und Tonder

An den anderen beiden Wochenenden haben wir Ausflüge auf eigene Faust gemacht. Hier können wir auf jeden Fall Husum empfehlen. Die Stadt ist auch leicht mit dem Bus erreichbar und auf jeden Fall einen Besuch wert. Hafen, Schloss und Städtchen selbst sind einfach hübsch und gepflegt. Wir waren an einem Sonntag dort und konnten gemütlich flanieren, ohne von Menschenmassen bedrängt zu werden.

Wer ein Auto hat, sollte die Gelegenheit nutzen und die Nähe zu Dänemark nutzen. Wir haben an einem Samstag den Abstecher nach Tonder gemacht. Etwa 40 Minuten dauerte die Fahrt mit dem Auto, dann waren wir in dem frühlingshaft verschlafenen Städtchen. Auch hier im April kein Touristenrummel, dafür leckeres Eis, gepflegte Häuschen und Marienkäfer-Invasion. Wohin man auch schaute: Überall saßen die kleinen Glücksbringer im Pulk von bis zu 30 Tieren herum und sonnten sich.

Unser letztes Wochenende ließen wir etwas ruhiger angehen. Eine Wattwanderung auf eigene Faust und ein Ausflug ins benachbarte Bredstedt zum Flohmarkt und der ersten Pizza seit fast vier Wochen mussten reichen. Aber auch das können wir durchaus empfehlen.


Meine Erfahrungsberichte zur Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide findet ihr HIER (Einrichtung) und HIER (Therapieplan). Außerdem habe ich auch über meine erste Kur in der Ostseeklinik Zingst ausführlich berichtet. Den Einstieg hierzu findet ihr HIER (Ostseeklinik Zingst)

Kategorie Kinderkram, Leben
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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