Erfahrungsbericht: Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide (2)

Über die Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide selbst habe ich ja hier schon berichtet. Aber was haben wir drei dort eigentlich so alles gemacht, damit sich diese Mutter-Kind-Kur von einem Familienurlaub unterscheidet. Auf jeden Fall nur einen sehr kleinen Teil dessen, was dort möglich war. Aber meistens auch genau das, was uns gut tat.

Eltern-Kind-Fachklinik Noderheide ©Tina

Eltern-Kind-Fachklinik Noderheide ©Tina

Zuerst die Aufnahmeuntersuchung

Bevor es überhaupt mit den Therapien losgeht, werden die Baustellen bei Mutter und Kind abgeklärt. Das geschieht im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung, bei der auch die Kinder anwesend sind. Es ist aber durchaus möglich, erst die Therapien für die Kinder abzusprechen und diese dann für die fünf Minuten vor die Tür zu setzen, um den Rest allein zu besprechen. Natürlich nur, wenn sie dafür das entsprechende Alter haben.

Unser Arzt war Dr. Ralf Sens, der mir gleich erstmal vier Dinge klar machte:

  • Sie sind sicher mit mehr als einer Baustelle hier angekommen, aber alle können wir nicht in drei Wochen beheben. Also nehmen wir die wichtigste.
  • Wenn Sie von anderen Eltern oder Kindern von Therapien hören, die Sie für sich selbst als passend empfinden, sagen Sie das ruhig. Da lässt sich sicher was machen.
  • Wenn Sie mir einem Therapeuten und/oder einem Kurs nicht klarkommen, sagen Sie auch das, denn die Therapie kann nur anschlagen, wenn Sie sich dabei wohl fühlen.
  • Das alles gilt auch für Ihre Kinder.

Wir drei bekamen dann erstmal das Standardpaket. Bei den Kindern war dies dem Alter entsprechend angepasst. Mein 10jähriger Sohn bekam also „Entspannung für Kinder“ und seine 12jährige Schwester eben „Entspannung für Jugendliche“. Während die Große sich hier vor allem mit Traumreisen und Atemübungen entspannte, bekam der Junior auch noch Techniken für den Umgang mit Wut im Bauch. Abgesehen davon hatten beide Sport, Schwimmen, Ergotherapie und die Große auch noch „Rückenfit“ auf dem Zettel. Da sie außerdem ja auch noch Schule hatten, war das mehr als genug.

Einblick in den Therapieplan meiner 12jährigen Tochter

Meine wichtigste Baustelle war der permanente der Erschöpfungszustand.

Daher bekam ich die Klassiker verschrieben. Massage, Fango-Packung und Progressive Muskelrelaxation für die Entspannung. Walken, Wassergymnastik und Beckenbodentraining für mehr Bewegung. Einzel- und Gruppengespräche und einen der Ratgeberfilme „Die Brüllfalle“ (wie man Kinder eben nicht anbrüllt) oder „2 Welten“ (Umgang mit Medien). Ich nahm die „Brüllfalle“.

Das klingt nach nichts Besonderem. Vor allem, wo doch Klangschalentherapie, Entspannung für Eltern mit Kind, Therapiepferde und „Fit in den Morgen“ möglich gewesen wären. Aber es muss nicht immer alles und auch nicht immer das Besondere sein, was dich wieder aufbaut.Und auch von dem auf diesem Plan muss nicht alles gut tun, wie ich später beim „Walken an der Nordsee“ feststellen musste.

Aber zumindest für zwei Kurse kann ich meine absolute Empfehlung aussprechen.

Wassergymnastik bei Silvia Petersen ist für Untrainierte sicher hart. Nach der ersten Stunde schleppte ich mich völlig platt aus dem Becken und hatte zwei Tage lang Muskelkater in den Kniekehlen. Aber diese Frau achtet bei ihren Schützlingen streng auf die richtige Körperhaltung und darauf, dass man Spaß hat. Und so ließ ich mir extra mehr Wassergymnastik auf den Therapieplan packen. Meine letzte Stunde bei ihr war von den Übungen her wie die allererste – nur war ich bei weitem nicht so fertig hinterher, sondern spazierte fröhlich aus dem Schwimmbad.

Die zweite Empfehlung geht an Progressive Muskelrelaxation bei Birgit Wesch. Ich hatte PMR schon in den zwei Geburtsvorbereitungskursen und bei meiner ersten Kur. Immer fand ich das ganze eher so lala. Deshalb erwartete ich nicht allzu viel davon und wurde positiv überrascht. Es hängt sicher davon ab, ob man mit der Therapeutin klar kommt. Aber ich war in jeder Stunde mindestens einmal komplett weggepennt. Und habe für mich und meine Kinder Entspannungs-CDs von ihr gekauft.

Therapieplan Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide

So sah der Therapieplan in der Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide für mich aus.

Allgemeine Infos und Regeln

Was die übrigen Therapiepunkte angeht, kam es immer darauf an, wann und in welcher Reihenfolge diese auf dem Plan standen. Wenn um 9 Uhr Walken auf dem Plan stand und ich um 10 schon wieder im Schwimmbecken sein sollte, ließ ich das Walken sausen, drehte dafür schon um 8 Uhr meine eigene Runde durch die Umgebung und ging dann entspannt zur Wassergymnastik.

Das ist alles kein Problem in der Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide. Man sollte nur fairerweise so früh wie möglich an der Rezeption oder im Therapiezentrum absagen. Generell ist es so, dass man mit seinem Therapieplan zum jeweiligen Termin geht, damit der Therapeut die Teilnahme auf dem Therapieplan gegenzeichnet. Die Ausgabe der Therapiepläne erfolgt immer donnerstags ab 19 Uhr an den Rezeptionen und gilt bis zum folgenden Donnerstag.

Änderungen sind je nach Therapie durchaus möglich. Da ich bereits Wassergymnastik verschrieben bekommen hatte, waren mehr Stunden ohne Arztbesuch möglich. Ich musste meine Bitte nur in der Ambulanz vorbringen. Will man etwas komplett Neues oder etwas komplett absagen, also nie mehr zum Walken, muss man das mit einem Arzt absprechen. In der Regel ist dafür auch die Zwischenuntersuchung da, aber die fiel bei uns aufgrund krankheitsbedingtem Ärztemangel aus.

An der Rezeption Uphusum gibt es WLAN und die Therapiepläne

Wo wir gerade bei Krankheiten sind: Die Ambulanz ist Tag und Nacht besetzt und für Notfälle immer erreichbar. Wenn man also schnell mal eine Rotlichtlampe und Schmerzmittel braucht, muss man dort nur anklopfen und bekommt Hilfe. Bei schwerwiegenderen Notfällen wird die Fahrt ins nächste (Kinder)Krankenhaus organisiert und auch die Abholung von dort.

Auch physiotherapeutische Maßnahmen wie Ultraschall, Wannenbäder oder Elektrotherapie sind zum Beispiel bei chronischen Beschwerden unkompliziert möglich und werden einfach in den Therapieplan eingefügt.Jede Änderung führt dann zur Ausgabe eines aktuellen Therapieplans, den man sich wieder abends an der Rezeption abholt und bei der Gelegenheit gleich den nicht mehr gültigen abgibt.

Mein Fazit:
Auch vier Wochen nach der Kur in der Eltern-Kind-Fachklinik Norderheide kann ich sagen, dass nur sehr wenig auf dem Therapieplan stand, was gar nichts für uns war. Über das Walken an der Nordsee hatte ich ja schon geschrieben. Meine Kinder und ich hatten Spaß, erlebten ein entspanntes Therapeuten-Team und kamen gut erholt nach Hause. Einiges haben wir in unseren Alltag integrieren können, anderes bleibt zumindest in guter Erinnerung.Und eigentlich wollen wir immer noch unbedingt wieder hin.

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