Wie kann man einen Stift verkaufen

Wie kann man einen Stift verkaufen

Ich habe vor Jahren eine Ausbildung im Außendienst einer Versicherung gemacht. Die Verkaufsstrategien im Film „The Wolf of Wall Street“ waren deshalb für mich nichts neues. Aber ich habe die Perfektion Belforts doch sehr genossen. Unter anderem eben seine Art, einen simplen Stift zu verkaufen. Und das dann einem Haufen Verlierer beizubringen.

©Tulpentopf
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Das Team, mit dem Jordan Belfort sich einst selbstständig machte, bestand ja nicht gerade aus Überfliegern der Verkaufs. Das zeigt sich im Film „The Wolf of Wall Street“, als Jordan Belfort seine Truppe auffordert, ihm eben so einen simplen Stift zu verkaufen. Alle tun sich damit schwer, fangen an, den üblichen Werbeslang runterzuleiern. Von wegen Eleganz des Stifts, seine Griffigkeit und solide Machart.

Natürlich haut nichts davon vom Hocker. Dieser Stift ist ein Stift ist ein Stift. Ein stinknormaler Gebrauchsgegenstand. Doch einer macht daraus eine zwingende Notwendigkeit. Er nimmt den Stift von Belfort entgegen und bittet diesen im nächsten Moment um eine Unterschrift. Für die Belfort den Stift braucht, den er gerade abgegeben hat.

Die Verkaufsstrategie dahinter ist so einfach wie genial: Es gibt tausende Stifte und alle können das gleiche. Aber wenn man einen braucht und keinen hat, wird dieser eine Stift etwas Besonderes. Und dieser Stift hier steht für das Verkaufsprinzip, das Jordan Belfort seinen „Jüngern“ eintrichtert: Du brauchst diesen Stift unbedingt. Weil du jetzt einen brauchst und ich dir genau jetzt einen anbiete.

Es ist das, was uns Werbung jeden Tag einbläuen will. Dass wir Dinge brauchen, von denen wir teilweise nicht mal wussten, dass sie existieren. Das letzte mal, dass mir das selbst aufgefallen ist, war bei einer Werbung gegen Falten am Hals. Meine erste Reaktion, war ein Kontrollgriff in eben diese Region meines Körpers und bei nächster Gelegenheit ein Blick in den Spiegel.

Die zweite Verkaufsstrategie, die der „The Wolf of Wall Street“ perfektioniert und mit der ersten kombiniert, ist der „Falsche Freund“. Der Verkäufer stellt erst eine verbindliche Atmosphäre her, gibt sich ganz kumpelhaft und gewährt auf dieser Basis dann Vorteile, die er anderen Kunden nicht gibt. Zumindest denkt das der Kunde, den der Verköufer gerade in diesem Moment am Wickel hat.

Freundschaftspreise, Sonderkonditionen, Ausnahmen vom regulären Prozedere. Der Kunde fühlt sich gebauchpinselt, bevorzugt behandelt, ja auf einen Thron gehoben. Dabei sind alle Extras keine Ausnahmen und Vorzugskonditionen, sondern das, was alle Kunden bekommen. Doch der Kunde glaubt, heute ist sein Glückstag und sieht sich schon im neuen schicken Flitzer am neidischen Nachbarn vorbeifahren.

Natürlich gibt es inzwischen Gesetze und Regelungen, die leichtgläubige und unwissende Normalverbraucher vor solchen Geschäftspraktiken schützen (sollen). Haustürgeschäfte und Vertragsabschlüsse am Telefon unterliegen strengen Regeln , wenn diese verbindliche Verträge darstellen sollen. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass einige Millionen Zuschauer diese Szenen im Film „The Wolf of Wall Street“ doch empört und verunsichert aufgenommen haben.

Unsicher darüber, was sie sich zum Freundschaftspreis haben aufschwatzen lassen und empört, weil sie sich wohl im dummen unwissenden Kunden wiedererkannten. Denn wer glaub, dass es diese Verkaufstaktiken nicht mehr gibt, ist naiv. Und auch der Größenwahnsinn ist durchaus real. Schließlich spielt „The Wolf of Wall Street“ in den späten 1980er und frühen 1990er, was nicht so lange her ist. Und beruht auf wahren Begebenheiten.

Denken Sie daran, wenn Ihnen demnächst mal wieder jemand einen Stift verkaufen will, just wenn Sie einen brauchen.

3 Kommentare

  1. Toller Artikel. Ich würde das allerdings am Ende nicht so negativ sehen. Letztendlich geht es doch darum, dass jemand ein Problem hat und ein Verkäufer dieses löst. Wichtig ist in der heutigen Zeit einfach, dass man ehrlich ist. Das ist der Unterschied zu der damaligen Zeit wo man noch sehr viel ausschmücken konnte. Heute gibt es das Internet. Oft sind Kunden besser informiert, als der Verkäufer.

  2. bla bla bla

    es bleibt wie es ist du musst dich nur anstrengen

    die welt tickt halt mehr
    wegen der entwicklung

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