Vom Leben ohne den Opi-Kater

Vom Leben ohne den Opi-Kater

Henry an seinem letzten Tag bei ©Tulpentopf-Tina
Henry an seinem letzten Tag bei ©Tulpentopf-Tina

Heute ist es genau einen Monat her, dass wir unseren Opi-Kater gehen lassen mussten. Unvorstellbar lang und doch verdammt kurz erscheint mir diese Zeit. Denn so still er auch in den letzten Wochen geworden ist, so sehr vermissen wir ihn doch. Unseren Sir Henry.

Sir Henry in seinen besten Jahren bei ©Tulpentopf-Tina
Sir Henry in seinen besten Jahren bei ©Tulpentopf-Tina

Er war ein stolzer Kater. In seinen besten Zeiten brachte er acht Kilo auf die Waage und lehrte die Tierärztin das Fürchten. Wenn er sich wohl und sicher fühlte setzte er beide Vorderpfoten eng zusammen und plusterte sein weißes Brustfell auf. Es gab auch Zeiten, da hockte er quasi nur hinterm Sofa. Alles was man von ihm sah waren zwei aufmerksam gespitzte Ohren und zwei riesige neugierige Augen.

Er war nie der große Kuschler. Abends zehn Minuten auf Frauchens Bauch, bei schlechter Laune mit dem Hintern vor meiner Nase. Bei guter Laune fing ich mir trotzdem bald ein paar Krallen ein. Das war sein Abschiedsgruß bevor er sich dann trollte. An Hochheben und durch die Gegend tragen war nie zu denken.

Bis zu seinen letzten Tagen.

Ja, die Tochter hatte sich einen Sonderstatus bei ihm erarbeitet. Von ihr ließ er sich knuddeln und kraulen und mit der Nase anstupsen. Zu ihr legte er sich auch mal länger hin und schlief die letzten Nächte neben ihr. Und auf sie hat er gewartet, asl es zu Ende ging.

Es war in den Herbstferien. Die erste Woche verbrachten die Kinder bei den Großeltern im Harz. In dieser Zeit leistete ich dem Opi-Kater im Juniorzimmer aka „Jungs-Chill-Zimmer“ Gesellschaft. Dann reiste ich für eine Nacht ab um die Kinder nach Hause zu holen.

Henry an seinem letzten Tag bei ©Tulpentopf-Tina
Henry an seinem letzten Tag bei ©Tulpentopf-Tina

Kaum waren die wieder da, stellte der Opi-Kater das Fressen ein. Es dauerte nur Stunden, bis er den Weg zum Katzenklo nicht mehr schaffte. Auf dem Rückweg fiel er meist einfach um. Wir konnten ihn dann hochnehmen und ins Zimmer der Zaubermaus tragen, wo er sich zudecken ließ.

Das war nicht mehr mein Kater, nicht Sir Henry.

Ein so stolzes Tier so klapprig und hilflos zu sehen, brachte ich nicht übers Herz. Der Weg über die Regenbogenbrücke ging mit sanfter tierärztlicher Hilfe schnell und verlief sehr ruhig. Wir blieben alle drei bei ihm bis zum Schluss. Das macht mich mächtig stolz auf meine Kinder, die dem Opi-Kater so tapfer beigestanden haben.

Jetzt ist es Zuhause viel zu still.

Der Opi-Kater hat seine Ruhe im Garten der Großeltern gefunden. Ich bin seitdem unruhig geworden. Natürlich habe ich gerade viel um die Ohren. Aber die Wohnung ist seltsam leer ohne den alten Herr Kater. Ohne sein Tapsen und Rufen in der Nacht. Ohne seinen neugierigen Blick. Einfach ohne ihn.

Das Leben ohne Katze scheint gerade so möglich. Weniger Dreck, weniger Haare und in einigen Ecken mehr Platz. Aber was heißt das schon, wenn man dafür in eine Wohnung kommt, in der man nicht von einer Fellnase begrüßt wird. Und nicht so lange umschnurrt wird, bis man lächelt und endlich die Büchse mit dem Futter öffnet. Oder sich Zeit für Streicheleinheiten nimmt.

Noch vermissen wir den Opi-Kater zu sehr, um neuen Fellnasen ein Zuhause zu geben. Noch reden wir viel zu gern davon, was unser Opi-Kater von diesem oder jenem gehalten hätte. Oder was er so angestellt hat. Noch ist er uns zu nah. Noch weinen wir ihm zu oft nach.

Spar-Katze für neue Gefährten bei ©Tulpentopf-Tina
Spar-Katze für neue Gefährten bei ©Tulpentopf-Tina

Aber in ein paar Monaten werden wir gern an ihn denken – und zwei anderen Fellnasen ein Zuhause geben. Wenn wir gemeinsam das Geld für Tierarztbesuche, Kratzbaum und Co zusammengespart haben. Dafür wurde eigens eine Katzenspardose angeschafft. Die Kinder haben ihr Erspartes schon hineingestopft. Reichen wird es aber erst im neuen Jahr.

Dann tut das Vermissen vom Opi-Kater bestimmt auch nicht mehr ganz so sehr weh.

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