Happy Tag der Deutschen Un-Einheit

Happy Tag der Deutschen Un-Einheit

©Gabi Schoenemann / pixelio.de
©Gabi Schoenemann / pixelio.de

Gestern beim Discounter war wieder die Hölle los. Klar, Feiertag voraus, da könnte man ja verhungern. „Was feiern wir gleich noch mal?“, fragt die eine Kassiererin die andere mit Hohn in der Stimme. „Na die Einheit!“, kommt es spöttisch zurück. Eins sind wir offensichtlich noch lange nicht.

Dabei ist eigentlich egal, wo sich dieser Discounter befindet. Im Westen sind sie angepisst, weil sie immer noch Soli für den blühenden Osten zahlen. Im Osten sind sie angepisst, weil sie immer noch nicht das gleiche Geld für die gleiche Arbeit bekommen. Und immer ist der andere Schuld.

Also der da drüben. Der, der sich hier bei uns ne goldene Nase verdient und sich trotzdem noch beschwert. Der uns ausnimmt und dann so tut, als wäre er furchtbar arm dran. Der, der das Arbeiten sicher nicht erfunden hat, aber den Rachen nicht voll bekommt. Egal wie viel man hinein stopft.

Aber wer ist da wer?

Ossi oder Wessi – wer beklagt sich da über wen? Denn von welcher Seite man es auch betrachtet: Es passt „nüber wie rüber“ (wie manch Sachse sagt) auf beide Seiten. Wahr haben will es keiner. Deutsch sein, wollen sie alle.

Und dieses „Die da drüben“ war nie ganz weg, ist jetzt aber wieder lauter geworden. Nach der Wahl gibt es wieder dumme Ossis und Besserwessis. Die Rufe nach der Mauer sind wieder lauter geworden. „Zieht sie wieder hoch.“ kommt es von beiden Seiten.

Woran liegt das?

Die, die die DDR noch richtig „erlebt“ haben, sind inzwischen alt. Die Generation 60+ hat keine Lust mehr, etwas dazu zu sagen. Die Generation meiner Kinder kennt Deutschland nur als ein großes Land. Was wir da feiern, muss ihnen mühsam erklärt werden und klingt nach Steinzeit und Höhlenmenschen.

Alle dazwischen haben nie gelernt, damit umzugehen.

Jetzt werden einige sagen: „Quatsch, sieh mich doch an. Ich lebe die Einheit.“ Glückwunsch. Aber siehst du auch die, die auf der Strecke geblieben sind? Interessiert sich noch jemand für deine Zeit vor der Einheit? Ist dieses Davor etwas wert?

Es war nicht alles schlecht.

Wer diesen Satz sagt, erntet vieles, nur selten Zustimmung oder Respekt. Und danach hört kaum noch jemand zu. Wer will schon noch wissen, was da war. Wir haben doch jetzt alles. Vor allem Möglichkeiten.

Nur die eine wichtige Möglichkeit, die haben wir vergeigt. Das Voneinanderlernen. Das Abholen der Menschen, von dort, wo sie die Wende zurückgelassen hat. Auf beiden Seiten, auch wenn das eben alles nach Ossi klang.

Denn es hat auch niemand gefragt, wie der „Goldene Westen“ den Umbruch erlebte. Und wie sich das anfühlte, sich solchen hochgesteckten Erwartungen gegenüber zu sehen. Alles bunt und laut hieß ja schon damals nicht gleichzeitig auch toll und sicher.

Was passiert mit Paaren, die nicht reden und nicht zuhören? Sie landen bestenfalls beim Paartherapeuten, schlimmstenfalls beim Scheidungsanwalt. Ich bin für die Variante mit dem Eheberater. Denn Mauern gibt es noch genug andere auf der Welt. Lasst uns diese bitte endlich einreissen.

Kommentieren Sie den Artikel