Erfahrungsbericht Ostseeklinik Zingst (2)

Erfahrungsbericht Ostseeklinik Zingst (2)

Wenn man zur Mutter-Kind-Kur fährt gibt es eine große Frage: Was haben die dort mit mir vor. Denn es ist ja leider nicht so, dass man vorher schon gesagt bekommt, was nachher auf dem Therapieplan stehen wird. Und selbst wenn man den dann in der Hand hält, heißt das noch nicht, dass man schlau daraus wird. Darum berichte ich heute mal so ein bisschen, was man in der Ostseeklinik Zingst verordnet bekommt. Und was das dann eigentlich ist.

Therapieplan  ©Tulpentopf
Therapieplan ©Tulpentopf

Da nicht jeder die gleichen Therapien verschrieben bekommt, erzähle ich hier einfach mal was wir bekommen haben. Hier wird als nichts darüber stehen, wie die Kunsttherapie für Mutter und Kind war oder die Atemtherapie oder oder oder. Zum Beispiel Vorträge zu Selbstfürsorge, Abgrenzung/Nein-Sagen, Schlafstörung und positiver Kindererziehung. Diese Vorträge werden mehrmals angeboten. Wenn man sie also nicht sowieso schon im Therapieplan stehen hat, findet man sicher einer Termin, um sich das anzuhören.

Einige der Themen finden sich auch in den psychologischen Gesprächsrunden wieder. Aber keine Angst, niemand muss sich und sein Seelenleben in diesen Runden von etwa zehn Müttern ausbreiten. Hier gibt es einfach die Möglichkeit, die Themen aus den Vorträgen mit Problemen aus dem eigenen Alltag zu besprechen. Wer nichts dazu sagen wollte, musste das auch nicht. Aber es ist auch schon vorgekommen, dass die Zeit nicht für alles gereicht hat.

Ob es Einzelgespräche mit einem Psychotherapeuten gibt oder nicht, wird im psychologischen Aufnahmegespräch gemeinsam mit der Mutter entschieden. Man kann sich aber auch noch später dazu entschließen und relativ unkompliziert einen Termin dafür bekommen. Wie effektiv das dann ist, hängt vom Therapeuten ab. Also von dessen Herangehensweise und ob man sich menschlich versteht. Allein schon deswegen sollte man diese Gespräche nur als Auftakt für die Fortführung zu Hause sehen.

Für die körperliche Entspannung sollten bei mir Massagen, Melissenbäder (bei anderen mit Lavendel) und Progressive Muskelentspannung sorgen. Massiert wird, was gewünscht wird oder was nötig ist. Die medizinischen Bäder dauern etwa 15 Minuten.Für diese Zeit ist man ganz für sich in einer riesigen Badewanne, wird leicht mit unaufdringlicher Entspannungsmusik beschallt und kann in sich hinein oder an die Malereien oberhalb des Fliesenspiegels starren. Wenn die Sanduhr fast durchgelaufen ist, heißt es Wasser rauslassen und gemächlich wieder anziehen,

Bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson geht es darum, seine Muskeln bewusst anzuspannen und sie dann auch wieder bewusst zu entspannen. Körperteil für Körperteil und ganz bequem im Liegen. Mir persönlich brachte die morgendliche Meditation mehr. Leider war ich in der zweiten vollen Kurwoche zu entspannt, um morgens um acht schon mit unserer Morgenroutine durch zu sein. Aber es gab ja jeden Tag die „Inhalation in der Brandungszone“, auch bekannt als Strandspaziergang. Für den war täglich mindestens eine halbe Stunde Zeit.

Vom bösen „Terrain Kur“ habe ich ja schon berichtet. Dies bedeutet nichts weiter als Walken oder Joggen in dem Terrain wo man sich befindet. In diesem Fall hieß dass: Auf dem Deich Richtung Zingst und dann am Strand wieder zurück zur Kurklinik. Das war nicht wirklich effektiv aber immer noch interessanter als „Swingstick“. Dabei hält man etwas in der Hand, was entfernt an einen Skistock erinnert, aber größer ist. Und an den Enden und in der Mitte gepolstert. Dieses Ding soll die Muskeln unter den sonst trainierten Muskeln ansprechen, weil wir beim Schwingen unser Gleichgewicht behalten wollen. Nun ja.

Richtig Laune macht dagegen Stockkampf. Die 1,80m langen Holzstöcke sind doppelt so dick wie ein Besenstiel, mindestens. Und natürlich schwerer. Zum Glück geht es nicht darum, den Gegenüber umzuhauen, sondern um Rhythmus und das Konzentrieren auf das Hier und Jetzt. Was hervorragend funktioniert. Wenn man nämlich an etwas anderes denkt, als „links, rechts, rechts, links“ haut man schon mal ins Leere. Das ist aber auch lustig.

Den gleichen Effekt soll übrigens das Trommeln haben, was meine Tochter auf dem Therapieplan hatte. Rhythmus und Klangfolgen nachtrommeln, um Kummer und Sorgen zu vergessen und einfach aktiv Spaß zu haben. Auch das hat richtig gut geklappt. Für mehr Ausdauer und Konzentration nahm mein Sohn am „Spinnen und Weben“ teil. Wie der Name schon sagt, werden hier als Wolle ein Bindfaden gesponnen und dann kleine Deckchen und Taschen gewebt. So richtig mit Spinnrad und Webstuhl.

Das hauseigene Zirkusprojekt fördert außerdem Selbstvertrauen, körperliche Selbstwahrnehmung, zwischenmenschliche Kompetenzen und Entspannung. Hier hatte ich eine Akrobatin, die Teil menschlicher Pyramiden wurde und damit lernte, sich auf andere zu verlassen. Und dass andere ihr vertrauen, denn auch sie darf ja nicht wackeln, wenn jemand auf ihren Knien steht. Mein stolzer Häuptling, der statt der Friedenspfeife einen drehenden Teller von Stab zu Stab weiterreichte, behauptete zwar, dass es ihm meist zu lange dauerte, strahlte bei der Vorstellung am letzten Tag dann aber doch von einem Ohr zum anderen.

Wenn man bedenkt, dass es effektiv nur zehn Tage zum Einstudieren der Kunststücke waren, sich die Kinder untereinander nicht kannten und alles in einer völlig neuen Umgebung stattfand, war das Ergebnis beachtlich. Auf einem riesigen Ball zu laufen, Diabolos tanzen zu lassen und selbst mit süßen vier Jahren schon Choreographien mit Tüchern hinzubekommen – das hat schon was. Zur Hausaufgabenbetreuung kann ich nichts sagen, da während unseres Aufenthaltes gerade Ferien waren. Da findet dann auch in der Klinik kein Unterricht statt.

Meine beiden Kinder kamen in ihren Gruppen und mit den Erziehern sehr gut zurecht. Hier wurde mit Pinsel und Wasserfarben gemalt, wurden Sachen gebastelt, mit Salzteig gearbeitet, bunte Sandfläschchen kreiert und Topflappen geknüpft. Die kleineren Gruppen fahren einmal mit der Kutsche. Die größeren Kinder schleifen Bernsteine und tragen diese dann als Kette. Bei uns gab es dazu noch ein Faschingsfest mit Polonaise durchs ganze Haus und einem Gruppenfoto in Kostümen.

Da auch dieser Beitrag schon lang genug ist, werde ich zu den zusätzlichen Angeboten wohl noch einen dritten Teil schreiben. Hier geht es zu Teil 1 mit der Beschreibung der räumlichen Gegebenheiten.

9 Kommentare

  1. ich finde es sehr schön wie sie die kurklinik beschreiben besser könnte ich es auch nicht. und nach all dem gelesenen sehne ich mich zurück an die ostsee und der kurklinik leider dauert es jetzt noch eine lange bis ich mit meinen kindern wieder fahren darf. aber nochmal zu dem text ich finde es super was sie hier schreiben 🙂

    • Hallo Antje,
      vielen Dank für dieses Lob.
      Vor meiner Abreise gab es viele „Schlechte“ Beiträge in der Facebookgruppe der Ostseeklinik. Allein deswegen musste ich nach meiner Kur einfach mal schreiben, wie ich es dort fand.

      Uns hat es sehr gefallen und auch sehr sehr gut getan. Was nicht heißt, dass wirklich alles gut und sinnvoll war. Aber vom Perfektionismus sollen wir Mamis ja eh Abstand nehmen^^

      LG Tina

      • es ist eine kur und kein urlaub ich glaube das vergessen manche. ich denke es gibt überall gutes und schlechtes. ich finde es immer noch schön dort, ich denke das die gegend einen großen teil dazu beiträgt das es dort toll ist.

  2. Wir waren nicht sehr zufrieden mit dem Aufenthalt in der Klinik.

    Negatives:

    Wir haben eine Mutter- Vater-Kind Kur beantragt,damit wir mit den Kindern noch einmal eine Kur hätten machen können.

    Die Klinik war allerdings der Meinung unsere Kinder nicht als Begleitung mitaufzunehmen sondern als Patienten.

    Somit konnten wir dann keine Kinderkur mehr beantragen.

    Die Ärztin war fürchterlich ( und sehr von sich überzeugt,ich frage mich allerdings wo Sie aprobiert hat).

    Unfreundlich und hatte meine Frau der es zu dieser Zeit gesundheitlich sehr schlecht ging hat Sie zum Powerwalking eingetragen

    Die Kinderbetreuung war unmöglich,die Kinder fragten uns immer müssen wir wirklich dahin?

    Teilweise waren auch die Therapeuten unfreundlich und überfordert.

    Positives:

    Der blinde Masseur ist zauberhaft und seine Massagen waren sehr entspannend -also wirklich zu empfehlen

    Das Küchenpersonal war sehr freundlich und das Essen war viel besser als befürchtet

    Was mich besonders geärgert hat war das wir kaum Anwendungen bekommen haben und wenn dann welche die wir nicht haben wollten weil sie uns nichts bringen.

    Am besten fand ich den Hinweis im Kurbuch Atemtherapie in der Uferzone.

    Was für ein Quark.

    Alles in allem war das eine Kur auf die wir hätten verzichten können.

    Zingst allerdings war sehr schön und die Gegend ist sehr zu empfehlen.

    Mit freundlichen Grüßen Roman Heit

    • Sehr schade, dass ihr die Kur nicht genießen konntet. Kann mich ehrlich gesagt auch nicht beklagen. Und bei mehr Anwendungen: Arzt Feedback geben – dann gibt es mehr. Nur vergessen darf man nicht: es ist eine Kur – keine Reha – da hast du Anwendungen ohne Ende! Dass die Kinder jetzt auch negativ waren, wundert mich nicht – die Kinder nehmen eure Stimmung auf und so wie es den Eltern geht, geht es auch Ihnen. Zum Thema Arzt kann ich nur sagen: wenn man nicht zufrieden ist kann man auch diesen wechseln nur mitteilen muss man das selber 😉
      Sicherlich wird man keine Klinik finden wo alles zu 100% passt – Gegebenheiten hinnehmen und das beste draus machen. Gruß carmen

  3. Roman Heit, ich denke, genau das ist das Problem, wenn man in Familie fährt.
    Man putscht sich gegenseitig hoch, ist ein geschlossenes System und nur bedingt bereit sich zu öffnen.
    Ich glaube, es ist einfacher wenn man als Erwachsener allein mit einem Kind ist.

  4. Liebe Carmen,

    das der Kuraufenthalt meinen Kindern nicht gefallen hat ist wohl eher den genervten Erzieherinnen der Klinik zu verdanken.
    Danke das Du mir dann noch den Unterschied zwischen einer Kur und einer Reha erklärt hast.
    Man kann natürlich alles immer so toll finden wie die meisten Mitmenschen es auch tun oder erzählen.
    Nur was Sie wirklich darüber denken trauen sich die wenigsten zu sagen.

    Ich jedenfalls bleibe bei meiner Aussage.

    Ich bin eben der der ich bin.

    Liebe grüße aus Berlin

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