Das falsche Geschenk oder der Sturm ums Wasserglas

Das falsche Geschenk oder der Sturm ums Wasserglas

Es ist lange her, dass ich diesen Blog dafür genutzt habe, mir etwas von der Seele zu schreiben. Aber heute, ja, heute muss ich. Denn dieser Montag kann weg: Danke der „lieben“ Kollegin, die mich auf „nette“ Art erziehen will.

Mobbing am Arbeitsplatz, hübsch verpackt.
Mobbing am Arbeitsplatz, hübsch verpackt.

Genau genommen fing der Tag schon vorher scheiße an. Die große Tochter hatte mir eine kurze Nacht beschert und der Opi-Kater torkelte am Morgen wieder einmal völlig verstört durch die Wohnung. Natürlich war es für alles zu früh und ich dann auch beinahe zu spät auf Arbeit.

Dort erwartete mich ein Geschenk. Es stand auf dem Schreibtisch, der eigentlich nicht meiner ist, den ich aber in den letzten Wochen nutzen durfte. Einen eigenen festen Arbeitsplatz habe ich nicht.

Das Geschenk war in eine Gänseblümchen-Serviette eingewickelt. Hübsch passend dazu stand es auch noch auf einer Serviette. Nur die Luftschlange als Geschenkband störte irgendwie. Und der fehlende Absender. Dass es für mich bestimmt war, stand auch nirgends.

Meine Chefin vermutete spaßeshalber Bestechung. Aber dazu bin ich als Neuling, der gerade die Probezeit überstanden hat, wohl nicht in der richtige Position. Auch der Verdacht eines Muttertagsgeschenks konnte sich nicht festigen, denn nur ich hatte eins bekommen.

Schließlich öffnete ich das Geschenk – und fand ein nagelneues Wasserglas vor. Mit dem Schriftzug eines bekannten Erfrischungsgetränkeherstellers, Größe 0,4 l. Darin eine Serviette, zwei Schokopralinen und ein Zettel mit folgenden Zeilen:

„Hallo Tina, ein kleines Geschenk für Dich. Bitte auch benutzen!“

Mein Herz fing an zu rasen. Ich erinnerte mich vage daran, dass meine Tischnachbarin vor ein paar Wochen einen Kommentar abgelassen hatte, weil ich mein Wasser aus der Flasche trinke. Nach dem Motto, man müsse mir wohl mal was schenken und wann ich denn Geburtstag hätte.

Günstiger Weise ist diese Kollegin diese Woche im Urlaub. Die zweite Kollegin in der Tischgruppe sagte gar nichts dazu. Mein Kollege hatte nichts mitbekommen. Aber ich hätte explodieren können. Das war eindeutig übergriffiges Verhalten.

Gleichzeitig fragte ich mich, ob ich da nicht überreagierte. War ja schließlich nur nett gemeint. Und es ist ein Geschenk. Doch dann fielen mit die Macken ein, die mir Tag für Tag an den Kollegen um mich herum auf die Nerven gingen.

Macken, mit denen ich lebte, ohne sie ihnen unter die Nase zu reiben. Geschweige denn abgewöhnen zu wollen. Nach dem Motto „Leben und leben lassen“. Aber diese Kollegin hier startete ernsthaft einen Erziehungsversuch. Als würde ich im kommende Jahr nicht 40 sondern vier Jahre alt werden.

Was muss in einem Menschen vorgehen, der solche Aktionen startet? Sie sind nicht nett, nicht einmal nett gemeint. Sie sind herablassend, verletzend und bringen den „Beschenkten“ in eine schwer zu ertragende Zwickmühle.

Ich weiß noch nicht, wie ich diese Angelegenheit für mich löse. Aber ich werde dieses Wasserglas sicher nicht benutzen. Höchstens als Blumenvase (Danke, liebe Anna, für den grandiosen Tipp!). Wie ich der Kollegin gegenübertrete, kann ich mir nun eine Woche lang überlegen. Gefallen lassen kann ich mir solche Spielchen jedenfalls nicht!

Kennt ihr ähnliche Situationen? Wie habt ihr reagiert? Habt ihr Tipps für mich?

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