Buch: „Tacho-Man“ von Christian Eisert

Buch: „Tacho-Man“ von Christian Eisert

Wenn ich einen Mann aus einem Porsche steigen sehe, habe ich sofort ein gewisses Klischee im Kopf. Entweder es ist ein Proll oder ein Proll oder ein Proll. Also entweder ein Proll mit zu viel Geld oder ein Proll mit Defizit oder ein Proll mit Lebenskrise. Aber wird man automatisch zum Proll, wenn man sich einen Porsche kauft? Christian Eisert hat es ausprobiert.

"Tacho-Man" von Christian Eisert bei ©Blanvalet
„Tacho-Man“ von Christian Eisert bei ©Blanvalet

Zum Inhalt:
Christian Eisert verdient sein Geld mit Gag-Schreiberei. Er textet für Harald Schmidt. die Sesamstraße und Erotiksendungen um Mitternacht. Dann verliebt er sich in ein Auto und spart so lange, bis er Anzahlung und die ersten Raten zusammen hat. Doch es ist nicht irgendein Auto, in das er sich verguckt hat.

Es ist eines, das ab Werk mit einem Klischee ausgeliefert wird: Ein Porsche Cayman. Und das Auto übernimmt auch prompt die Führung in Christians Leben. Vor dessen Anschaffung jedenfalls hätte Christian jeden belächelt, der bestimmte Stadtbezirke und Parkmöglichkeiten meidet, weil sie seinem Auto schaden könnten.

Jetzt überlegt er sich sehr gut, ob dieser Straßenbelag gut für die Reifen ist, der Parkplatz nicht zu dicht an Kreuzberg und wirklich etwas anderes als das beste Super in den Tank darf. Oder was er tun muss, um bei der Ausfahrt aus dem Parkhaus besonders satten Sound zu erzeugen. Oder wie er beschwingt-lässig aus dem überaus tiefen Sportwagen aussteigen kann.

Um andere Dinge muss er sich dafür umso weniger Gedanken machen. Beim wöchentlichen Tanzdate mit Jule zum Beispiel lässt er sich die Führung auch beim Tango nicht mehr nehmen. Und im Job steht der Porsche so sehr für Erfolg, dass er von der Vielzahl der Aufträge fast erschlagen wird. Und auch in der Liebe hilft der Porsche. Christians Jugendliebe steckt mitten in der Scheidung und er kann den Prinzen auf dem weißen Pferd oder besser im schwarzen PS-Boliden mimen.

Blöd nur, wenn die Wirtschaftskrise zuschlägt. Plötzlich bleiben Aufträge aus, die Steuerberaterin hat einen kostspieligen Fehler gemacht und die große Liebe geht zurück zum Ehemann. Dabei war sie eben noch schwanger, aber dann doch nicht so begeistert von Christians Plattenbauwohnung mit Panoramablick. Daran kann auch ein Porsche nichts ändern.

Meine Meinung:
Als ich vor 18 Jahren meine Ausbildung machte, gab es dort auch den einen Porschefahrer. Wie oft habe ich mich gefragt, warum der Typ sich ausgerechnet für einen Porsche 911 in PINK (sic) entschieden hatte. So albern! Was der zu kompensieren hatte, war allerdings sofort klar: Alter, Figur und im Job das ewige Mittelmaß.

Christian Eisert scheint auch nicht frei von Komplexen zu sein. Von den meisten merkt er jedoch erst etwas, als der Porsche sie kuriert. Zumindest fliegt die Damenwelt auf ihn, nimmt ihn dabei aber nicht unbedingt ernst. Die männliche Konkurrenz kommt mit dem Sportwagenfahrer nur dann klar, wenn sie Eisert für impotent halten dürfen.

Soweit meine Erkenntnis nach den im Untertitel benannten 33 Tankfüllungen. Wie viel vom Aufstieg und Absturz dieses Porschefahrers wahr ist, lässt er nicht durchblicken. Autor Christian Eisert sagt im „Abspann“ selbst, dass er einiges dazudichten musste, weil es sonst unglaubwürdig geworden wäre.

Und nicht vergessen: Wer die Gags für Harald Schmidt, Oliver Pocher und Kaya Yanar schreibt, braucht und hat eine blühende Fantasie. Und weiß, wie sie wirkt.Aber auch ohne zu wissen, was nun wirklich passiert ist, liest sich „Tacho-Man“ locker flockig und unterhaltsam. Für Prolls könnte die Sinnkrise inklusive Liebeskummer vielleicht als zu weich gelten. Aber hey, da ist immer noch der Porsche.

Mein Fazit:
Ich mag Porsche-Fahrer immer noch nicht. Und „Tacho-Man“ tut auch nicht so, als wolle es Klischees abbauen. Da der Autor aber auch nicht zu sehr auf den typischen Vorurteilen gegenüber Sportwagenfahrern herumreitet, geht´s eigentlich. Der locker flockige Schreibstil des Autors sorgt dafür, dass man das Buch quasi wegatmet und sich dabei gut entspannt. Am Ende mochte ich sowohl diesen einen Porsche, als auch diesen gar nicht so coolen Fahrer.

Infos zum Buch:
Titel: Tacho-Man: 1 Mann, 1 Porsche, 1 Krise und 33 x Tanken
Autor: Christian Eisert
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0248-6

Wenn ich einen Mann aus einem Porsche steigen sehe, habe ich sofort ein gewisses Klischee im Kopf. Entweder es ist ein Proll oder ein Proll oder ein Proll. Also entweder ein Proll mit zu viel Geld oder ein Proll mit Defizit oder ein Proll mit Lebenskrise. Aber wird man automatisch zum Proll, wenn man sich einen Porsche kauft? Christian Eisert hat es ausprobiert. Zum Inhalt: Christian Eisert verdient sein Geld mit Gag-Schreiberei. Er textet für Harald Schmidt. die Sesamstraße und Erotiksendungen um Mitternacht. Dann verliebt er sich in ein Auto und spart so lange, bis er Anzahlung und die ersten…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Macht Spaß

Unterhaltsamer Roadtrip durch Deutschland. Dass dabei einige gängige Klischees gegenüber Porsche- und anderen Sportwagenfahrern bedient werden, stört bei dem flüßigen Schreibstil des Autors nicht. Da steigt man gern ein.

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