Buch: „Wenn’s brennt“ von Stephan Reich

Buch: „Wenn’s brennt“ von Stephan Reich

Wer ein Pubertier zu Hause hat, würde diesem sicher nur zu gern mal in den Kopf gucken. Vor allem, wenn der wenige redet und dafür umso mehr Scheiße baut. Stephan Reich macht es möglich. In „Wenn’s brennt“ kann man die Gedanken eines 16 jährigen Jungen lesen und findet heraus, wie diese Spezies immer zu den Dummheiten kommt, die es verbockt.

"Wenn's brennt" von Stephan Reich bei ©DVA
„Wenn’s brennt“ von Stephan Reich bei ©DVA

Zum Inhalt:
Erik  und Finn sind seit dem Kindergarten beste Freunde. Gerade eben haben sie die zehnte Klasse hinter sich gebracht. Nun liegt der letzte gemeinsame Sommer vor ihnen, bevor Erik seine Ausbildung bei der Post anfängt und Finn zu seinem Vater nach Hamburg geht.  Und dann ist da noch Nina, die nach den Sommerferien aufs Gymnasium in der Kreisstadt gehen wird.

Zwischen Erik und Nina läuft was, aber Erik hat nicht den Mumm, etwas festes daraus zu machen. Überhaupt stellt er sich so unbeholfen an, dass sich Nina mehr als einmal mächtig verarscht vorkommt. Dabei mag er sie wirklich, kann aber selbst bei ernsten Themen nie so recht bei der Sache bleiben.

Die drei Freunde feiern das Ende der Schulzeit mit reichlich Alkohol und Gras. In dem Kaff in dem sie leben, gibt es dafür jedoch nicht allzu viele Möglichkeiten. Stammplatz der Clique ist deshalb der „Schotter“, wo mal ein Aldi war und nun nichts mehr ist, außer eben einem verlassenen Schotterplatz.

Natürlich gibt es auch die ein oder andere Party. Die dann auch mal gehörig aus dem Ruder läuft und damit endet, dass Finn in einen Wäschetrockner kackt und diesen auf höchster Stufe laufen lässt. Der Gastgeber bedankt sich mit den Fäusten für diese Aktion.

Aber auch sonst bauen Finn und Erik in diesem Sommer viel Mist. Ob nun kastenweise zertrümmerte Bierflaschen im Freibad, Graffiti in der Schule, Drogenexperimente beim Fußballspiel oder ein nächtlicher Besuch im Haus von Finns Stiefvater in spe – die beiden bringen sich gründlich in Schwierigkeiten. Am Ende brennt sogar ein halber Wald.

Meine Meinung:
„Wenn’s brennt“ ist aus der Sicht des 16jährigen Erik geschrieben. Der ist einerseits froh, dass die Schule aus ist, aber die anstehenden Veränderungen verunsichern ihn mächtig. Sein Kumpel Finn scheint den Sommer nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ gestalten zu wollen. Und Nina hat mit den Eskapaden der beiden Jungs ordentlich zu kämpfen.

Erik gerät dadurch immer öfter in eine Zwickmühle. Einerseits will er mit Nina regelmäßig Spaß haben und mag sie sehr. Allerdings verlässt sich Finn darauf, dass Erik wirklich jeden Mist mitmacht. Und das tut er, weil es ja schließlich ihr letzte gemeinsamer Sommer und Finn sein bester Kumpel ist.

Dieses Spannungsfeld zwischen diesen drei Teenagern trägt die komplette Geschichte. Hier und da gibt es noch Nebenfiguren, wie Eriks behinderten Bruder oder Kumpel Nelson, der genauso gern übers Universum philosophiert wie er sein Gegenüber mit der Faust umhaut.

Allerdings ist es auf Dauer ziemlich anstrengend, im Kopf eines 16jährigen zu sein. Vor allem, wenn der kifft und säuft, als gäbe es kein Morgen. Die schrägen Gedankengänge gibt Stephan Reich quasi Eins zu Eins an den Leser weiter. Zusätzlich gibt es noch schräge Dialoge und ausführlich beschriebene „Fragezeichen“, die bei Teenagern in vielen Situationen auftauchen.

„Wenn’s brennt“ ist auch im jugendlichen Jargon geschrieben. Es strotzt also auch vor Redewendungen aus dem Jugendjargon. Wobei ich persönlich es immer gewagt finde, wenn erwachsene Menschen versuchen, die Vokabeln der jüngeren Generation originalgetreu wiederzugeben. Immerhin erscheint die Sprache authentisch für einen Teenager.

Mein Fazit:
An manchen Stellen hätte sich Stephan Reich durchaus kürzer fassen können. Klar kann ein Teenager im bekifften oder betrunkenen Zustand stundenlang über das Wesen des Universums philosophieren. Aber will man das auch seitenweise lesen? Abgesehen davon ist die Geschichte authentisch und die Figuren sind nicht überzeichnet. Wer seine Jugend auf dem Dorf verbracht hat, kann die Langeweile und ihre Auswirkungen sehr gut nachvollziehen. Gut gemacht.

Infos zum Buch:
Titel: Wenn’s brennt
Autor: Stephan Reich
Verlag: DVA Belletristik
ISBN: 978-3-421-04698-7

Wer ein Pubertier zu Hause hat, würde diesem sicher nur zu gern mal in den Kopf gucken. Vor allem, wenn der wenige redet und dafür umso mehr Scheiße baut. Stephan Reich macht es möglich. In "Wenn's brennt" kann man die Gedanken eines 16 jährigen Jungen lesen und findet heraus, wie diese Spezies immer zu den Dummheiten kommt, die es verbockt. Zum Inhalt: Erik  und Finn sind seit dem Kindergarten beste Freunde. Gerade eben haben sie die zehnte Klasse hinter sich gebracht. Nun liegt der letzte gemeinsame Sommer vor ihnen, bevor Erik seine Ausbildung bei der Post anfängt und Finn zu…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Gut gemacht

Ein Buch über einen Sechzehnjährigen in seiner Sprache geschrieben, ist keine leichte Aufgabe. Stephan Reich ist es gelungen, die Gedankengänge glaubhaft zu vermitteln. An manchen Stellen wäre weniger durchaus mehr gewesen. Aber alles in allem ein unterhaltsamer Einblick in die Chaoswelt eines Teenagers in der Provinz.

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