Buch: „Tumoreske“ von Wolfgang G. Fienhold

Buch: „Tumoreske“ von Wolfgang G. Fienhold

Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht irgendein Promi ein Buch über seine Krebserkrankung schreibt. Die meisten davon sollen Mut machen. Böse Zungen würden behaupten, es geht dabei viel mehr ums Geld. Eine böse Zunge hat auch Fienhold. Die darf sich in „Tumoreske“ richtig austoben und beschreibt das Leben als „Krebser aus einer rabenschwarzen und sehr bissigen Sicht.

Tumoreske beim ©Fabylon Verlag
Tumoreske beim ©Fabylon Verlag

Zum Inhalt:
Die meisten Unfälle passieren Zuhause. So auch bei dem Hauptprotagonisten dieser Geschichte, der in den eigenen vier Wänden sehr unglücklich stürzt und so zum ersten Mal gepflegten Kontakt mit unserem Gesundheitswesen im Krankenhaus bekommt. Doch dieser Sturz ist nur der Auftakt und offensichtlich der Startschuss für Krebszellen in seinem Körper. Die hüpfen fleißig von einem Organ zum anderen und machen aus unserer Hauptfigur einen Patienten.

Einen Patienten, der eine Abneigung gegen Demenzkranke und Krankenschwestern hat, raucht und trinkt, als wäre morgen eh mit allem Schluss und zwischen den Krankenhausaufenthalten seine ganze eigene Reha durchzieht. Der sich als Versuchskaninchen zur Verfügung stellt, weil es eh kaum noch schlimmer kommen kann. Der Leuten ins Gesicht sagt, wenn sie ihm auf die Eier gehen. Und das liebend gern auch so öffentlich, dass es dafür Ärger gibt.

Meine Meinung:
„Tumoreske“ ist anders, als alles, was ich bisher in dem Bereich gelesen habe. Es ist voll mit so schwarzem, teilweise skalpellscharfem Humor, dass man es besser nicht an einem Stück liest. Zum einen, weil dann so mancher Seitenhieb auf Ärzte, Pflegepersonal, Patienten, Ämter, Promis, Ottonormalverbraucher schlicht verpuffen würde. Zum anderen, weil in wenigen Zeilen so viel passiert, dass man es erstmal setzen lassen, verarbeiten muss.

Während andere Krebs-Buchautoren also erstmal ihre Gefühlslage und die Einrichtung ihres Zimmers in der Reha-Klinik auseinandernehmen, handelt Wienhold im gleichen Umfang und Tempo seine „Mitgefangenen“, den Reha-Plan und die drei örtlichen Kneipen auf den Spaßfaktor hin ab. Beide Formen des Erzählens haben ihre Berechtigung, Wienholds ist dabei eben nur so dicht, dass man sie häppchenweise genießen sollte.

Gegen Ende der Geschichte wird „Tumoreske“ dazu noch reichlich surreal. Ich wusste stellenweise nicht, ob der „Krebser“ gerade einen Albtraum hat, die falschen Tabletten zum Sekt genommen hat oder eine reale Situation auf äußerst skurrile Art beschreibt.Alles zwischen Fiebertraum bis zur Realsatire scheint möglich.

Mein Fazit:
„Tumoreske“ ist ein Buch, an dem sich die Geister scheiden. Die werden aus dem Lachen nicht mehr heraus kommen, Nackenschmerzen vom zustimmenden Nicken bekommen und erleichtert sein, dass es eben auch solche Krebsbücher gibt. Die anderen bekommen eher ein Schleudertrauma von der Empörung über so giftigen Humor. In jedem Fall ist „Tumoreske“ ein Buch, dass aus der Reihe fällt und eine andere Sicht auf das Leben mit Krebs gibt, als man es von den Mutmach-Bestsellern der Promis gewohnt ist. Von mir gibt es daher vier von fünf Sternen.

Infos zum Buch:
Titel: Tumoreske
Autor: Wolfgang g. Fienhold
Verlag: Fabylon
ISBN: 978-3-927071-49-0

2 Kommentare

  1. Das klingt sehr spannend! die Frage ist immer, wie man damit umgeht. Ich mag gefühlvolle Bücher (eines über Brustkrebs), zuviel Selbtbewusstsein nervt mich („Heute bin ich blond“). Der Ansatz des Autors klingt sehr interessant, aber man muss damit umgehen können, denke ich. Nur das Cover ist… naja….

  2. Wenn dir das Cover nicht gefällt, wird dir Wolfgang Fienholds Sprache stellenweise zu hart sein. Er nimmt den Krebs wirklich mit sehr schwarzem Humor aufs Korn.

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