Buch: „Ommas Glück“ von Chantal Louis

Buch: „Ommas Glück“ von Chantal Louis

Alt werden wollen wir alle, alt sein nur, wenn wir auch dann noch gut leben können. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die Altenheime in Deutschland meist nicht sehr gemütlich sind. Eine Alternative sind Wohngemeinschaften, in denen alte Menschen zusammenwohnen. Die gibt es auch für Demenzkranke. Und „Ommas Glück“ ist ein Pladoyer für solche Demenz-WGs.

"Ommas Glück" bei ©Kiepenheuer & Witsch
„Ommas Glück“ bei ©Kiepenheuer & Witsch

Zum Inhalt:
Die Omma von Autorin Chantal Louis hat Demenz. Am Anfang versuchen Tochter und Enkelin noch, der alten Frau ein Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Doch bald schon müssen sie sich nach einem Pflegeheim umsehen. Dabei kommen sie jedoch zu dem Schluss, dass sie die Omma nicht in einer solche krankenhausähnlichen Verwahranstalt unterbringen wollen.

Dann entdeckt Chantal die Demenz-WGs und ist begeistert. Hier werden die alten Menschen nicht einfach nur in ihren Zimmern geparkt oder von überlasteten Pflegekräften in den Aufenthaltsraum geschoben. Hier werden sechs bis acht alte Menschen rund um die Uhr von zwei Pflegekräften bzw Hauswirtschaftern betreut. Eine davon kennt sich immer auch in medizinischen Dingen aus.

Außerdem hat jeder WG-Bewohner sein eigenes Zimmer mit den eigenen Möbeln. Besondere Dinge dürfen sogar im gemeinschaftlich genutzten Wohnzimmer stehen. Und natürlich macht die Gruppe auch gemeinsame Ausflüge. Es geht also alles um einiges menschlicher und lebenswerter zu als in einem normalen Pflegeheim.

Das funktioniert natürlich nur durch das Engagement der Angehörigen. Sie müssen den Pflegedienst aussuchen, gemeinsam Neuanschaffungen finanzieren, notfalls Handwerker für Reparaturen finden und beauftragen. Abgesehen vom Pflegedienst, der je nach Pflegestufe der Bewohner vom Staat bezahlt wird, bleiben die Kosten für so ein WG-Leben also bei den Angehörigen.

Doch Omma geht es gut in der WG. Chantal Louis erzählt liebevoll von den kleinen Anekdoten, die sie dort mit der Großmutter erlebt. Aber auch von den Eigenarten der anderen Bewohner, von den Lebensgeschichten der Bewohner, von anderen WGs und von Krankenhausaufenthalten, die vieles verderben.

Meine Meinung:
Das Buch „Ommas Glück – Das Leben meiner Großmutter in ihrer Demenz-WG“ stand seit der Leipziger Buchmesse 2015 auf meine Wunschliste. Nun habe ich es in der örtlichen Bibliothek entdeckt und mich gleich drauf gestürzt. Am Anfang war es auch schön zu lesen, wie sehr sich Chantal Louis um ihre Omma sorgt und schließlich den geeigneten Platz für sie findet. Auch die Anekdoten sind ganz niedlich.

Aber was sollen diese Zeitsprünge? Die Autorin schreibt über jeden Abschnitt, in welcher Zeit und an welchem Ort sich das folgende Ereignis zugetragen hat. Dabei hüpft sie quasi ständig zwischen aktuellen Begebenheiten in der WG, Erlebnissen in irgendwelchen Krankenhäusern/Alterheimen, kurzen Abschnitten aus dem eigenen Leben oder dem Leben der Omma oder dem Leben der Mitbewohner hin und her.

Zwischendurch erzählt sie noch von anderen Demenz-WGs. Das hat mich dann völlig verwirrt und meine Leselust doch arg getrübt. Das ewige Hin und Her ist die einzige Konstante in diesem Buch. Und zieht sich so konsequent durch die Seiten, dass ich mich ernsthaft fragte, warum ausgerechnet jetzt der Schluss kommt. Sehr sehr seltsam.

Was man allerdings auch herausliest, ist eine tiefe Liebe zur Omma. Chantal berichtet von den Eigenheiten ihrer Großmutter und man merkt, es steckt Herzblut drin. Allein die Häufigkeit der Besuche und der Wille, sich auf den Umgang mit der alten Frau neu zu erlernen zeigen schon, wie innig die Beziehung zwischen Omma und Enkelin sind. Aber das wiegt den wirren Schreibstil nicht auf.

Mein Fazit:
Demenz-WGs sind eine tolle Alternative zum Pflegeheim. Seine Oma lieb zu haben, ist auch klasse. Wenn man die Möglichkeit hat, beides in ein Buch zu packen, sollte man sie ergreifen. Aber dann auch bitte besser nutzen als Chantal Louis mit ihrem „Ommas Glück“. Eine ordentliche Struktur, bei der sich der Leser nicht alle zwei Seiten gedanklich umorientieren muss, hätten dem Buch wahrlich gut getan. Schade drum, bei so einem wichtigen Thema.

Infos zum Buch:
Titel: Ommas Glück – Das Leben meiner Großmutter in ihrer Demenz-WG
Autorin: Chantal Louis
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04718-9

Alt werden wollen wir alle, alt sein nur, wenn wir auch dann noch gut leben können. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die Altenheime in Deutschland meist nicht sehr gemütlich sind. Eine Alternative sind Wohngemeinschaften, in denen alte Menschen zusammenwohnen. Die gibt es auch für Demenzkranke. Und "Ommas Glück" ist ein Pladoyer für solche Demenz-WGs. Zum Inhalt: Die Omma von Autorin Chantal Louis hat Demenz. Am Anfang versuchen Tochter und Enkelin noch, der alten Frau ein Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Doch bald schon müssen sie sich nach einem Pflegeheim umsehen. Dabei kommen sie jedoch zu dem Schluss, dass…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Das geht besser.

Demenz ist ein wichtiges Thema. Demenz-WG eine gute Sache, da sie menschenwürdiges Leben ermöglichen. Aber auch wenn man in "Ommas Glück" die tiefe Liebe der Autorin zu ihrer Großmutter spüren kann - das Buch könnte besser sein. Zu viele Zeitsprünge stören den Lesefluss und lassen den Leser am Ende recht plötzlich allein. Schade.

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