Buch: „Mein Mann lebt immer noch“ von Andrea Barheine

Buch: „Mein Mann lebt immer noch“ von Andrea Barheine

So hin und wieder möchte wohl jede Frau ihren Partner mit aller Kraft an die Wand klatschen. Weil er frech ist oder unachtsam. Weil er ihr die Drecksarbeit überlässt, die Schwiegermutter aufhalst oder einfach nur macht, was ihm gerade gefällt. Julia erlebt all dies jeden Tag. Und das ist nur halb so witzig, wie es im ersten Moment klingt.

"Mein Mann lebt immer noch" von Andrea Barheine (Coverdesign: Désirée Lüderitz)
„Mein Mann lebt immer noch“ von Andrea Barheine (Coverdesign: Désirée Lüderitz)

Zum Inhalt:
Bei einem Wellness-Wochenende mit der Freundin verliebt sich Julia in Ulf-Dieter. Zuerst rechnet sie sich wenig Chancen aus, da der Charmeur zu gut aussieht, viel jünger ist und offensichtlich zu alle Frauen nett. Als sie feststellt, dass sie von ihm schwanger ist, erlebt sie jedoch eine Überraschung: Ulf-Dieter freut sich auf das Kind und will mit ihr zusammenbleiben. Also zieht Julia wenig später hunderte Kilometer weit von Familie, Freunden und Job weg und bei Ulf Dieter ein.

Dort erwarten sie noch einige Überraschungen, die allerdings weniger schön sind. Der Weiberheld hat ein ziemlich inniges Verhältnis zu seiner Mutter, mit der er quasi Tür an Tür lebt. Diese nimmt weit mehr am Alltag des Paares teil, als es Julia lieb ist: Vom Toilettengang in der Wohnung des Sohnes übers gemeinsame Frühstück bis hin zur ungebetenen Putzhilfe. Nicht einmal bei der Kinderbetreuung und -erziehung hat Julia etwas mitzureden.

Dreizehn Jahre später hält Julia die Ehe mit Ulf-Dieter und Schwiegermama kaum noch aus. Sohn Bastian ist weit weg im Internat und wenn er mal da ist, zeigt er, was er vom Papa geerbt hat. Ulf-Dieter lässt sich von Mama und Ehefrau von vorn bis hinten bedienen. Dank und Anerkennung erntet aber nur seine Mutter, die dafür nur noch mehr auf Julia herumhackt.

Gegenüber Freunden ist Ulf-Dieter immer noch der alte Charmeur. Nur Julia kann schon lange nicht mehr über seine Witze lachen. Viel zu oft sind ihr die Boshaftigkeiten als Witze getarnt um die Ohren geflogen. Viel zu oft hat sie der Traummann schon schikaniert und dabei volle Unterstützung seiner Mutter erhalten. Und wenn das noch nicht genug ist, droht ihr Ulf-Dieter mit der Geliebten, die nur einen Steinwurf entfernt lebt.

Julia sucht Hilfe beim Psychologen und in der Selbsthilfegruppe. Aber jeden Tag aufs Neue kommen Momente, in denen sie über recht radikale Wege aus dieser Ehe nachdenkt. Welchen wird sie gehen?

Meine Meinung:
Na, seid ihr beim Nachnamen der Autorin stutzig geworden? Also stelle ich dies vorweg: Nein, ich habe nicht unter einem Pseudonym ein Buch geschrieben. Ja, Andrea Barheine gehört zu meiner Familie. Es ist nicht ihr erstes Buch. Nach drei witzigen Büchern und einem autobiographischen Roman über ihre Krebserkrankung hat sie nun eine Geschichte geschrieben, die man gar nicht so leicht einordnen kann.

Auf den ersten Blick mag es sich dabei um einen typischen Frauenroman handeln. Auf den zweiten erwartet man den Humor, den man aus den amüsanten Geschichten kennt. Und wirklich blitzt der bekannte und für Andrea Barheine so typische Wortwitz durch. Aber „Mein Mann lebt immer noch“ darauf zu reduzieren, wäre grundfalsch. Denn hier geht es um ein ziemlich aktuelles Thema, dass dabei schon so alt ist wie die von Männern gemachte Weltordnung.

Gewalt gegen Frauen, übergriffiges Verhalten generell und psychischer Missbrauch in der Beziehung sind in diesen Tagen in aller Munde. Und wie psychischer Missbrauch in einer Beziehung aussehen kann, bekommt man in diesem Buch auf dem Silbertablett präsentiert. Aus dem Traumprinzen von einst wurde schnell ein Frosch, der seinen Spaß daran hat, seine Frau zu schikanieren. Und dessen Mutter die Prinzessin Frau an seiner Seite verhöhnt wo sie nur kann.

Das klingt wie ein böses Märchen, passiert aber tagtäglich in den besten Familien. Denn nach außen hin ist Ulf-Dieter immer noch der witzige Charmeur, seine Mutter die liebe Putzhilfe und noch dazu die gute Fee, die dem Enkel den Internatsaufenthalt finanziert. Wie kann frau da unglücklich sein? Und wenn doch so schlimm, warum bleibt sie dann? Die Antwort: Weil frau sich selbst bald für zu anspruchsvoll/empfindlich hält und die heile Welt wiederhaben will, die da am Anfang mal war. Auch wenn es dieses heile Welt in Wirklichkeit nie gab.

Mein Fazit:
In „Mein Mann lebt immer noch“ steckt mehr drin, als die Geschichte einer Frau, die ihren Mann loswerden möchte. Jede Frau findet schließlich immer mal einen Grund, ihren Mann dahin zu wünsche, wo der Pfeffer wächst. Aber gerade die Frauen mit den wirklich guten Gründen bleiben oftmals in diesen ungesunden Beziehungen. Die Geschichte von Julia und ihrem „Ulvieh“ gibt Antworten darauf, warum sie das tun. Aber es wäre kein Buch von Andrea Barheine, wenn es dabei nichts zu Schmunzeln gäbe.

Infos zum Buch:
Titel: Mein Mann lebt immer noch (Affiliate Link)
Autorin: Andrea Barheine
Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3739209739

So hin und wieder möchte wohl jede Frau ihren Partner mit aller Kraft an die Wand klatschen. Weil er frech ist oder unachtsam. Weil er ihr die Drecksarbeit überlässt, die Schwiegermutter aufhalst oder einfach nur macht, was ihm gerade gefällt. Julia erlebt all dies jeden Tag. Und das ist nur halb so witzig, wie es im ersten Moment klingt. Zum Inhalt: Bei einem Wellness-Wochenende mit der Freundin verliebt sich Julia in Ulf-Dieter. Zuerst rechnet sie sich wenig Chancen aus, da der Charmeur zu gut aussieht, viel jünger ist und offensichtlich zu alle Frauen nett. Als sie feststellt, dass sie von ihm schwanger…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Lesens- wert.

Auf den ersten Blick ein humorvoller Frauenroman. Auf den zweiten Blick einer, der von häuslicher Gewalt erzählt. Gewalt von der Sorte, die man nur schwer erkennt, selbst als Betroffene. Denn psychische Gewalt macht mürbe und krank. Selbst wenn hier und da sprachlich noch mehr rauszuholen gewesen wäre, ist dieses Buch lesenswert. Auch oder gerade weil die Autorin bei dem ernsten Thema ihren Humor durchblicken lässt. Sprachlich könnte man manche Szene noch perfekter und auch das Ende noch anders gestalten. Dem Lesefluss kann das nichts anhaben.

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