Buch: „Einfach unvergesslich“ von Rowan Coleman

Buch: „Einfach unvergesslich“ von Rowan Coleman

Alzheimer ist keine reine Alte-Leute-Krankheit. Aber wie fühlt sich das an, wenn einem das eigene Leben entgleitet? Und wie ist das für die Angehörigen? Das könnte man medizinisch, psychologisch und sehr sachlich aufarbeiten. Oder man macht einen herzwärmenden Roman daraus. Einen wie diesen hier.

"Einfach unvergesslich" von Rowan Coleman bei ©Piper
„Einfach unvergesslich“ von Rowan Coleman bei ©Piper

Zum Inhalt:
Claire ist Anfang 40, liebt ihren Job als Lehrerin und hat mit Greg ihre große Liebe geheiratet. Sie hat zwei Töchter. Die eine, Caitlin, ist 21 und studiert in London. Die andere, Esther, ist gerade drei Jahre alt und hat die Familie komplett gemacht. Claires Mutter Ruth meint es grundsätzlich immer gut, aber Claire kommt trotzdem nicht mit ihr klar. Claire hat also ein ganz normales Leben mit ganz viel Liebe drin.

Jetzt muss sie sich nur anstrengen, genau das nicht zu vergessen. Denn in letzter Zeit vergisst sie ziemlich viel. Welcher Schuh an welchen Fuß gehört und wie die Metallteile heißen, die man zum Essen benutzt. Wirklich schlimm aber ist, dass sie weiß wie groß die Liebe zwischen ihr und Greg ist – aber diese tiefen Gefühle sind nur noch eine Erinnerung. Vom Gefühl her ist Greg ein Fremder, der sie anfasst wann er will und in ihrem Haus wohnt, obwohl sie das nicht will.

Claire hat frühmanifestiertes Alzheimer. Das ist nicht einfach für sie, die jeden Moment damit rechnen muss, orientierungslos gleich neben ihrem Zuhause zu stehen, ihre Familie nicht mehr zu erkennen oder das Atmen zu verlernen. Das ist aber auch nicht einfach für die Familie.

Ihre Mutter hat die Krankheit schon bei Claires Vater erlebt. Greg lebt mit seiner Frau zusammen, doch sie sträubt sich gegen jede Berührung. Die kleine Esther versteht nicht, warum die Mama ihr nicht mehr vorlesen will bzw. kann. Und Caitlin bräuchte jetzt dringend den Rat ihrer Mutter, denn ihr Leben steht Kopf und wird nie mehr wie es war – ganz unabhängig vom Schicksal ihrer Mutter.

Meine Meinung:
„Einfach unvergesslich“ ist das zweite Buch innerhalb kürzester Zeit, dass ich über Alzheimer und Demenz gelesen habe. Jedoch setzt dieses Buch an ganz anderer Stelle an, als „Ommas Glück„. Bei diesem hier lässt mich die Autorin in den Kopf der kranken Hauptfigur hineinschauen. Das heißt, man erlebt die klaren Momente von Claire ebenso aus ihrer Sicht wie die verwirrten. So stiefelt man quasi als Claire einfach von Zuhause los und weiß nach fünfzig Meter nicht mehr, wo man ist, wie man wieder nach Hause kommt und wie dieses Zuhause überhaupt aussieht. Von jetzt auf gleich.

Zwischendurch wechselt die Perspektive und man erhält einen Einblick in Caitlins Leben und Gefühlswelt. So erfährt man von deren Kampf mit sich selbst und großen Veränderungen, vor denen man nicht nur mit 21 durchaus Angst bekommen kann. Claires Mann Greg und Ruth kommen auch zum Zuge, aber nur zu einem kleinen Teil. Dafür lässt die Autorin Claire und ihre Familie an einem Erinnerungsbuch arbeiten, in dem jedes Familienmitglied besondere Erinnerungen festhält.

Durch diese Anekdoten im Erinnerungsbuch erfährt man viel über die Protagonisten. Und man kommt ihnen und ihrem Leben sehr nah. Die Figuren werden lebendige, fühlende Wesen, die man mag oder eben nicht. Und man bekommt ein Gefühl dafür, was Claire durch ihre Krankheit verliert.

Mein Fazit:
„Einfach unvergesslich“ konnte ich nur sehr schwer aus der Hand legen. Ohne Verpflichtungen im Alltag hätte ich dieses Buch sicher in einem Rutsch gelesen, also bis zum Morgengrauen. So freute ich mich drei Tage lang jedes Mal aufs Neue, endlich Zeit und Ruhe zum Lesen zu haben. Und in Claires Welt eintauchen zu können, die mir auf nachvollziehbare wie sensible Weise sehr nah gebracht wurde. Da ist der kleine Schlenker ins Kitschige am Ende verzeihlich. Schließlich wäre es kein schöner Abschluss eines solchen Buches, wenn es nicht wenigstens ein Mini-Happy End gäbe. Ich bin jedenfalls hin und weg von diesem Buch.

Infos zum Buch:
Titel: Einfach unvergesslich
Autorin: Rowan Coleman
Übersetzt von: Marieke Heimburger
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06001-1

Alzheimer ist keine reine Alte-Leute-Krankheit. Aber wie fühlt sich das an, wenn einem das eigene Leben entgleitet? Und wie ist das für die Angehörigen? Das könnte man medizinisch, psychologisch und sehr sachlich aufarbeiten. Oder man macht einen herzwärmenden Roman daraus. Einen wie diesen hier. Zum Inhalt: Claire ist Anfang 40, liebt ihren Job als Lehrerin und hat mit Greg ihre große Liebe geheiratet. Sie hat zwei Töchter. Die eine, Caitlin, ist 21 und studiert in London. Die andere, Esther, ist gerade drei Jahre alt und hat die Familie komplett gemacht. Claires Mutter Ruth meint es grundsätzlich immer gut, aber Claire…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Gefühlvoller Lesestoff.

Diesen Roman als leichte Kost zu bezeichnen, bringe ich nicht übers Herz. Auch wenn er sich wegliest wie nichts (was für den Schreibstil der Autorin spricht), ist das Thema einfach zu ernst. Und man kommt der Familie der alzheimerkranken Claire richtig nah. Das lässt den Leser mitfühlen, mitkämpfen und manchmal eben auch mit verwirren.

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